Jean Paul Gaultier erhielt Persönlichkeit­s­preis

Das "Enfant terrible" der Modewelt wurde in Berlin ausgezeichnet. Vor 42 Jahren fing der Franzose zu designen an. Jetzt - mit 60 Jahren - steht er auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Stargast und Gewinner des Abends: Der französische Modeschöpfer Jean Paul Gaultier hat am 4. Mai den Persönlichkeitspreis bei der 20. Verleihung des Deutschen Parfumpreises "Duftstars" bekommen. In seiner Dankesrede bezeichnete sich der 60-Jährige selbst als "Ex-Enfant terrible der französischen Mode". Er sei nun ruhiger geworden, doch er könne immer noch das tun, was ihm Freude bereite. Der Designer erzählte am Roten Teppich vor dem Berliner Tempodrom, dass er an der Ausstattung für die neue Madonna-Tournee mitarbeite. Sein "Spitz-BH", den Madonna bei ihrer Tour 1990 getragen hatte, machte Gaultier weltberühmt.
Ende April feierte der französische Designstar seinen 60. Geburtstag - ein Rückblick. Korsagen, Popo-Dekolletes und Nippelblitzer: Entwerfen, um von der Welt geliebt zu werden, ist ein ungewöhnlicher Beweggrund für das Mitmischen auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Doch Jean Paul Gaultier passt in keine Schublade. "Dadurch werde ich geliebt", sagte der blondierte Designer erst vor wenigen Wochen. Das "Enfant terrible" der Modewelt, das am 24. April, 60 Jahre alt wurde, steht auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Madonna lässt sich von ihm ihr Tournee-Outfit schneidern und auch ... ... Lady Gaga schätzt ihn. Was auf Gegenseitigkeit beruht, auch wenn der Schneidermeister findet, dass die exzentrische Sängerin keine Stilikone sei. Jean Paul Gaultier wurde am 24. April 1952 in Arcueil, Frankreich, geboren und begann schon früh seine Karriere als Modedesigner: Als noch sehr junger Mann schickte er bereits seine Skizzen berühmten Modeschöpfern zu. Im Jahr 1970 begann er als Assistent bei Pierre Cardin (Bild) - dem Erfinder der futuristischen Mode. Kurz darauf zog er weiter in das Haute-Couture-Haus Jean Patou und arbeitete dort als Assistent von Michel Goma und Angelo Tarlazzi. Im Jahr 1976 stellte Gaultier dann seine erste eigene Kollektion vor.
Im Bild: Naomi Campbell 1996 bei einer Gaultier-Show. Schnell machte sich der Designer mit seinen ausgefallenen Kreationen und ungewöhnlichen Shows einen Namen als Enfant terrible der französischen Mode.
Im Bild: Carla Bruni im Jahr 1996 bei einer Gaultier-Show. Seit 1997 kreiert Gaultier außerdem Haute Couture-Kollektionen und war von 2004 bis 2011 für das Modehaus Hermès tätig.
Im Bild: Eine Kreation aus 1998. Heute hat er sich seinen Platz im Olymp der Modedesigner gesichert: "Aufgehende Sonne", "Schock" oder "Pool party": Rätselhafte Namen hinter denen sich Kreationen verstecken, die sich stets erneuern. Kein Kleid oder Rock gleicht dem anderen. Seine fantastische Schnittkunst grenzt fast schon an Kunst. Und dass, obwohl er sein Handwerk nie in einem Modestudium erlernt hat. Auch in andere Bereiche streckte Gaultier seine Fühler aus und lancierte 1993 sein erstes Parfüm "Jean-Paul Gaultier" und bringt seitdem einen Klassiker nach dem anderen auf den Markt. Es folgten 2009 eine niedrigpreisige Damen-Kollektion für den amerikanischen Waren-Discounter Target und seit 2010 eine Zusammenarbeit mit dem französischen Möbelhersteller Roche-Bobois. Aus letzterer Kooperation entstammen stylische Sitzgelegenheiten und ... ... ungewöhnliche, aber eigentlich logische, Aufbewahrungsmöglichkeiten. Mit dem italienischen Damenunterwäsche-Hersteller La Perla kooperierte Gaultier ebenfalls im Jahr 2010. Und entwarf dafür unter anderem einen BH, der Madonnas Bustier aus den 90er-Jahren gleicht. Nach schrillen Kleidern, Parfüms und extravaganten Möbelstücken hat Frankreichs kreativer Couturier 2011 sein Herz fürs edle Metall entdeckt: Für das Münzhaus "CPoR" entwarf er einen Mini-Goldbarren. Den Mini-Barren, mit dem Gewicht von genau einer Feinunze (31,103 Gramm), ziert neben einem von Strahlen umgebenen Herz auch sein eigener Schriftzug. Die kleinen Barren sollen dem Wunsch der Franzosen nach einer sicheren Geldanlage entsprechen. Gaultier sagte damals in einer Erklärung, er habe stets den Wunsch gespürt, traditionelle populäre Symbole nach seinem Geschmack zu modernisieren und ihnen ein neues Aussehen zu geben. Zuletzt hat Gaultier für Diet Coke eine limitierte Edition von Dosen und Flaschen entworfen sowie Onlinecontent, Verkaufskonzepte und Werbekampagnen entwickelt. Er folgte damit Karl Lagerfeld nach. Seine Modenschau der Sommer-2012-Pret-à-porter-Kollektion inszenierte Jean Paul Gaultier als Realityshow: Am Kopf des Laufstegs war ein Gerüst mit Kleiderständern aufgebaut, ... ... während die Gäste warteten, wurden die Models dort gestylt. Für die Schau selbst gab es eine Moderatorin, die alle Kleider einzeln ansagte, Namen und Lieblingsgerichte der Mannequins nannte und kleine Anekdoten erzählte. Das Spektakel erinnerte an die Salon-Präsentationen der 50er Jahre und hob die Anonymität üblicher Schauen auf. Mit seinem Ringelpullover und seinen blondierten Haaren hat Gaultier alles erreicht, was man auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten erreichen kann. Seine Kreationen werden nicht nur getragen, sondern auch in Museen ausgestellt, wie derzeit in San Francisco im Young Museum und zuvor im kanadischen Montreal.
(kurier) Erstellt am
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