Fashion Week Paris: Chanel ging baden

Mit einer Prinzessinnen-Show schloss Louis Vuitton am Mittwoch den Modezirkus - zumindest bis Februar. Die Trends im nächsten Sommer: Weiß, Transparenz und viele männliche Stilelemente.

Mit Paris schließen die Fashion Weeks mit den Sommer 2012-Kollektionen. In den vergangenen neun Tagen präsentierten große Modehäuser wie Louis Vuitton, Dior, Jean Paul Gaultier und Chanel Trends, wie Weiß, Transparenz, Mustervielfalt und das Spiel mit den Geschlechterrollen. Karl Lagerfeld hatte sich für Chanel wieder selbst übertroffen. Er lud in eine schneeweiße Unterwasserwelt, wo ... ... zu dem Liveauftritt von Florence Welch von "Florence and the Machine" ... ... Models verträumte Kreationen in Weiß und Pastelltönen, sowie Mode im männlichen Stil, präsentierten. Marc Jacobs drehte für Louis Vuitton das Pariser Modekarussell. Und zeigte ... ... nicht weniger verträumte Designs in hellen Farben und im Stil der 60er-Jahre. Highlight der Prinzessinnen-Show (man beachte die Diademe auf den Häuptern der Models) war Kate Moss im geblümten Federkleid. Sarah Burton zeigte einmal mehr wie viel sie von Alexander McQueen gelernt hat: Hier dominierten Surrealität und Absurdität, gepaart mit gnadenloser Transparenz, ausgefallenem Schuhwerk und Masken, die wir schon bald an Lady Gaga sehen könnten. Jean Paul Gaultier hatte für seine Show eine Moderatorin engagiert, die alle Kleider einzeln ansagte, Namen und Lieblingsgerichte der Mannequins nannte und kleine Anekdoten erzählte. Das Spektakel erinnerte an die Salon-Präsentationen der 50er-Jahre, hob die Anonymität üblicher Schauen auf und rückte die einzelnen Kleidungsstücke, die ebenso feminin wie maskulin waren, in den Fokus. Rapper Kanye West setzte bei seiner ersten Modenschau auf Weiß und Schwarz. Bei Valentino gab es romantische Stoffe und verspielte Transparenz zu sehen. Stella McCartney machte mit Entwürfen voll Sportlichkeit, Chic und Charme Lust auf den nächsten Sommer. Kreationen in Cremeweiß, fließende Overalls und lockere Hosenanzüge mit Tunika-Oberteilen gehörten dazu. Bei Yves Saint Laurent dominierten die Farben Weiß und Jagdgrün. Chloé setzt im nächsten Sommer auf fließende Kleider, den Garconne-Look und geometrische Muster. Bei Givenchy spielte sich der Designer mit Stoffen und Drapierungen. In strahlendem Gelb und Weiß kamen die Entwürfe bei Sonia Rykiel auf den Laufsteg. Hier gab es Schnitte der vergangenen Jahrzehnte, maskulines Design und architektonische Einflüsse zu sehen. Neben Nathalie Rykiel, der Chefin der Modemarke, trat die neue Kreativdirektorin April Crichton als Designerin auf den Laufsteg. Elie Saab setzt im Sommer 2012 auf Hosenanzüge und Kleider in kräftigen und strahlenden Farben, aber auch auf Bleistiftröcke in Nude. Miuccia Prada zeigte mit A-förmigen, hochtaillierten Röcken und blickdichten, teils steifen Stoffen eine fast brav wirkende Kollektion für Miu Miu. Während die anderen Designer sich in der Vergangenheit umsahen, präsentierte das Label Paco Rabanne futuristische Entwürfe. Hüte, die als Maske dienen, ausladende Volants und kreative Schnitte in Metallickreationen - Lady Gaga wird die Kollektion vermutlich lieben. Auf Batik all over setzt Emanuel Ungaro im nächsten Sommer. Jean-Charles de Castelbajac hatte in Paris nicht nur eine Hommage an Mickey Mouse, sondern auch eine verspielte Kollektion mit Streifen und spannenden Schnitten parat. Das deutsche Modeduo Talbot Runhof kreierte eine elegante Hommage an den Pariser Schick und den Stil des Couturiers Christian Lacroix. Schmale, durch Raffungen schmeichelnde Kleider, fantasievolle Drucke und schwingende, taillierte Trenchcoats mit Tapisserie-Mustern, dazu Tulpenröcke und gepunktete Seidenblusen mit fließenden Hosen wirkten feminin und äußerst chic. Das holländische Designer-Duo Viktor&Rolf präsentierte eine "Zuckerbäcker"-Kollektion mit zahlreichen Rüschen- und Volantkleidern in Pink- und Roséfarben. Keinen neuen Chefdesigner, dafür aber eine großartige Sommer 2012-Kollektion präsentierte das französische Luxuslabel Dior am Freitag auf der Pariser Fashion Week. Die Retro-Kreationen, entstanden unter der Leitung von John Gallianos langjährigem Mitarbeiter Bill Gaytten, wirkten klassisch und graziös. Sie schwebten dank zarter Stoffe quasi über den Laufsteg. Insgesamt hatte Gaytten dieses Mal wenig gewagt, damit aber viel gewonnen.

(Anm.: Galliano wurde wegen judenfeindlichen Aussagen im Februar von Dior gefeuert - siehe untenstehender Link.) Der belgische Modeschöpfer Martin Margiela kreierte fließende Silhouetten, die teilweise durch die extravaganten Proportionen eines kastenförmigen PVC-Tops durchbrochen wurden, Capes im Mullet-Stil sowie vom Militär-Look inspirierte Jacken - typisch für sein Label Maison Martin Margiela. Die Britin Vivienne Westwood ließ sich für den Sommer 2012 von China, afrikanischen Wüstenvölkern und vom England des 17. Jahrhunderts inspirieren. Anders Isabel Marant: Hier dominierten sportlich Entwürfe und Batikstoffe. Bei Lanvin hat Alber Elbaz einen starken, eigenständigen Stil entwickelt: Kleidung für eine im Leben stehende, sehr feminine und selbstbewusste Frau. Zu Oberteilen mit überbreiten, fast flügelartig wirkenden Schultern kombinierte er schmale leicht geschoppte Röcke in seidiger Optik oder weite Hosen. Die Kleider hielt er jedoch in transparenten fließenden Stoffen. Sehr geradlinig wurde die Kollektion von Anne Valerie Hash mit kleinen Details und viel Farbe. Ausgefallenes gab es bei Yohji Yamamoto zu sehen, der japanische Modeschöpfer präsentierte Schwarz-Weiß-Kreationen im Barock-Stil mit maskulinen Einflüssen. Paris ist anders! Dies bewiesen die Designer bereits an den ersten Tagen der Prêt-à-Porter-Schauen in der französischen Hauptstadt: Weniger Eleganz, mehr Clean-Chic, Futurismus und Sturktur. Für Aufsehen sorgte vor allem der indische Modeschöpfer Manish Arora. Er hatte einem seiner Models ein Dutzend Wellensittiche an das Oberteil gebunden, die bei der Show aufgeregt versuchten zu entkommen. Der Fehlgriff lenkte leider von der eigentlich tollen Show ab: Arora hatte quasi zum Kaffeeplausch auf dem Catwalk geladen, mit viel Neon- sowie Metallic-Farben und der spanischen Schauspielerin Rossy de Palma. Von der es zum Ende noch einen fetten Schmatzer gab. Eine großartige Kollektion gab es auch bei Lady Gagas Lieblingslabel Thierry Mugler (Chefdesigner Nicola Formichetti ist der Stylist der Sängerin) zu sehen. Formichettis Sommer 2012-Kollektion wird von futuristischen Designs und klaren Schnitten dominiert. Im Gesicht der Models im Sleek Look funkelte es Golden. Sein Kollege, Damir Doma, ließ sich dieses Mal offensichtlich vom alten Ägypten inspirieren. Das Ergebnis: Eine vielseitige Kollektion aus den Farben Weiß, Schwarz und Gold. An Androide erinnerte die Mode von Gareth Pugh: Netzkreationen, Oberteile, die wie Rüstungen wirkten, und hypnotisierende Muster zogen das Publikum in einen Bann. Die Mutter Erde gab bei Guy Laroche den Ton an: Braun- und Grüntöne zogen sich hier Hand in Hand mit Asymmetrie und kunstvollen Drapierungen durch die Kollektion. Sehr Clean wurde es wieder bei Luis Buchinho. Der portugiesische Designer setzt im Sommer 2012 auf viel Haut, Schwarz-Weiß-Kontraste und den derzeit beliebten Mullet-Trend. Weiß-Schwarz wurde es auch bei Barbara Bui, einzige Farbtupfer entstehen in dieser Kollektion durch Neongelb. Den Kollegen von Peachoo+Krejberg kann es hingegen nicht bunt genug sein. Hier dominieren die Fraben Rot und Gelb zu asymmetrischen Drapierungen und Federn. Abends setzen die beiden Franzosen jedoch ebenfalls auf Schwarz. Schwarz gab es auch bei Anthony Vaccarello zu sehen, der mit seinen Kreationen viel Haut zeigt. Wohingegen bei Corrado de Biase verhüllt wird, was zu verhüllen geht. Mustermix und Polaroid-Drucke ziehen sich durch die gesamte Sommer 2012-Kollektion von Dries van Noten. Viel Muster, Gold und Leder 
verwendete Olivier Rousteing bei der neuen Kollektion für Balmain. Die 50er-Jahre haben es offensichtlich Nina Ricci angetan. AF Vandevorst setzt im Sommer 2012 auf den Military-Look.
(KURIER.at) Erstellt am
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