Schauspielerin Lily Collins mit markanten Brauen

© APA/EPA/STR

Stilfrage
11/11/2014

Da braut sich was zusammen

Weg mit Pinzette und Trimmer: Bei den Augenbrauen sind jetzt dicke Büschel statt dünnem Bogen gefragt. Aber gerade die müssen perfektioniert werden.

Oben dick, unten dürr. Cara Delevingne, 22-jähriges Model aus Großbritannien, bleibt ihren Körpermaßen treu – nur über den Augen darf’s ein bisschen mehr sein. Mit ernstem Blick, zusammengepressten Lippen und dunklen, buschigen Brauen stakst sie über die Laufstege der Welt. Designer und Mode-Journalisten sind von ihrem ungewöhnlichen Aussehen begeistert. Der Stil von Cara – "the Brow" – liegt im Trend.

Zeit, um bei einer Expertin nachzufragen. Wer heutzutage etwas auf seine Augenbüschel hält, pilgert in so genannte "Brow Bars" (Schönheitssalons für Augenbrauen). In Österreich gibt’s davon nur eine – von der Kosmetikmarke Benefit aus San Francisco. Man findet sie in der Kärntner Straße. Zuckerlrosa Tresen, Blumen-Tapete an der Wand: Dort wachsen, zupfen und färben Make-up-Artist Daniela und ihre Kollegin die Brauen ihrer Klientel. In Amerika ist das Pflegen und Trimmen seit Jahren ein Trend, sagt sie. Jetzt ist er in Österreich angekommen. "Viele Kundinnen kommen schnell in der Mittagspause zu uns und lassen sich die Brauen machen, das ist als würden sie sich einen Coffee-to-go holen."

So funktioniert’s

Breiter, buschiger – die Meisterin, die selbst dunkle, volle, schön geschwungene Brauen hat, bestätigt, dass sich seit einem Jahr immer mehr Frauen eine natürliche, markante Augenbrauen-Form wünschen. Dünn gezupft war in den 1990er Jahren angesagt, das ist jetzt vorbei. Aber Vorsicht, nicht jedem steht der Cara-Delevingne-Stil: "Die Form muss unbedingt zum Gesicht passen." Um den perfekten Brauen-Schwung zu bekommen, zückt Daniela ihre Utensilien und misst den höchsten Punkt der Braue – den "Wendepunkt" – und markiert ihn (Mehr dazu auf Seite 2, Anm.).
Beim Vollprogramm werden die Härchen gewaxt, gefärbt und gestylt. Um diese zu entfernen, gibt es verschiedene Methoden: mit Pinzette und Faden zupfen, schneiden oder waxen. Daniela bevorzugt Letzteres. "Die Waxing-Methode ist schonender, weniger schmerzhaft und hält bis zu drei Wochen haarfrei." Das setzt voraus, dass man seine Brauen-Pracht vorher mindestens drei Wochen wuchern lässt. Aus Mangel an Härchen werden sie heute nur in eine breitere Form gebracht. Daniela greift zur Schere. Augen zu, kaum spürbar schneidet sie einzelne Härchen ab. Dann wird gebürstet.
Kosmetikerin Daniela hat im Laufe ihrer Berufserfahrung schon viel gesehen: Zu dünn gezupfte Augenbrauen, die kaum noch sichtbar waren. Zu hoch angesetzte Bögen über den Augenknochen, die mit Permanent Make-up tätowiert wurden. Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich (1901-1992) rasierte sich einst ihre Augenbrauen ab und zog an deren Stelle mit Kohlestift einen dünnen Bogen. Wer sich ihre Fotos ansieht, wird bemerken, dass auch ihre Brauen im Laufe der Jahre zumindest um ein paar Millimeter voller wurden. Den Kontrast bildete ihre Zeitgenossin, die Malerin Frida Kahlo (1907-1954). Sie war Zeit ihres Lebens bekannt für ihren leichten Damenbart und die zusammenwachsende Brauenpracht, die sie auch in ihren Selbstporträts betonte. In manchen Kulturen heute noch ein Schönheitsideal, stehen solche Brauen nur Kahlo und Bert aus der "Sesamstraße" wirklich gut.

Cara-Effect

Frauen mit lückenhaften Brauen, die jahrelang fleißig gezupft haben, bekommen den natürlichen Wuchs nur schwer hin. Daher lassen sich viele von ihnen Augenbrauen-Haare transplantieren. Besonders skurril: In Großbritannien ist die Nachfrage seit 2010 um 45 Prozent gestiegen, schreibt dieDaily Mail. Model Cara Delevingne hat den Boom mitverursacht. Kosmetik-Institute sprechen daher vom "Cara-Effect": "Aussehen wie Cara" – mit diesem Slogan wirbt auch ein deutsches Unternehmen für seine Augenbrauen-Transplantation. Dabei werden Haarwurzeln aus dem Hinterkopf entnommen und an der gewünschten Stelle über den Augen eingesetzt.
Das ist heute zum Glück nicht nötig. Auch wenn die Brauen nur mittelmäßig bestückt sind, zaubert Daniela mittels Farbe mehr Volumen in die Büschchen. Sie greift zum Pinsel, trägt zuerst Wachs, dann etwas hellbraunes Puder auf, passend zur Haarfarbe. Leichtes Kitzeln. "Wir haben auch Kunden mit hellen Haaren, die ganz dunkle Augenbrauen wollen. Das kann funktionieren, muss aber zum Typ passen."

Wie schnell sich der Brauen-Trend ändern kann, zeigte sich auch kurz vor Redaktionsschluss: Reality-TV-Darstellerin Kim Kardashian veröffentlichtet auf ihrer Instagram-Seite ein Foto mit gebleichten Brauen. Angeblich für ein Fotoshooting. Sängerin Beyoncé Knowles zeigt sich neuerdings mit zackigen, auffrisierten Augenbrauen. Bleibt zu hoffen, dass uns wenigstens die Monobraue erspart bleibt.

Info: Neben den Brauen wird auch am Kinn und über den Lippen gewaxt sowie Wimpern gefärbt. Ein Beispiel: Brauen waxen und färben kostet 32 Euro. Dazu gibt’s ein gratis Auffrischungs- Make-up. Adresse: Douglas House of Beauty, Kärntner Straße 17, 1010 Wien, Termine unter: 01/512 424 130.

Schöner Schwung: So gelingt der Augenbrauen-Bogen

Wer ihn einmal raus hat, muss ihn nur noch nachzupfen und ihn Form bürsten. Mit diesen drei Schritten geht’s einfach und schnell.

1. Der Beginn der Braue: Stellen Sie sich am besten vor einen Spiegel und nehmen Sie einen Stift oder langen Pinsel zur Hand. Dieser sollte gleichzeitig am Nasenflügel und inneren Augenwinkel anliegen. An jener Stelle, wo Stift auf Augenbraue trifft, wird mit einem Kajal ein Punkt markiert. Das ist der Beginn des Brauenbogens.

2. Der höchste Punkt: Für den Wendepunkt legen Sie den Stift wieder am Nasenflügel an und schieben Sie ihn seitlich bis zur Mitte der Augenpupille. Hier ist der höchste Punkt der Augenbraue, ab da sollte der Bogen sanft nach unten laufen.

3. Das Ende des Bogens: Den Stift wieder weiter über den äußeren Augenwinkel schieben. Dieser Schnittpunkt zeigt den Endpunkt des Brauenbogens an. Alles was darüber hinauswächst, kann ohne Bedenken weggezupft werden.

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