Sarah Palin wird Reality-Star

Familienalltag, Partnersuche und Co. als TV-Doku: Immer mehr Promis wollen ihr privates Leben öffentlich machen. Jüngstes Beispiel: Die Ex-Gouverneurin von Alaska.

Die ultrarechte Tea Party in den USA ist in der Offensive und kämpft mit vielen Mitteln. Bannerträgerin Sarah Palin versucht es jetzt mit einer wilden Fernsehshow. Der Ausgang des Abenteuers ist ungewiss. Die US-Kongresswahlen sind gerade vorbei, da hat der Wahlkampf um die Präsidentschaft schon begonnen, zumindest indirekt. Die Hoffnungsträgerin der Rechten, Sarah Palin, hat jetzt ihre eigene TV-Show. Am Wochenende waren die US-Kabelfernsehzuschauer (The Learning Channel-TLC) erstmals dazu eingeladen, in Palins heimischen Topf zu schauen, zu sehen, wie die Ex-Gouverneurin und Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin (im Bild links) ihre Familie und ihre kalte Heimat Alaska liebt. Und sich selbst. So urteilt jedenfalls die Washington Post, die in der Serie "Sarah Palins Alaska" hauptsächlich einen Egotrip sieht, eine "Show über Sarah Palin und nichts". Was von Alaska zu sehen sei, gehe kaum über eine Diashow hinaus, die ein Verwandter etwa seinen Lieben daheim nach einer Reise in den US-Staat präsentiert. 

(Bild: Palin mit ihren Kindern) Aber das Blatt räumt auch ein, dass Palin erheblich sympathischer wirke als bei vorausgegangenen TV-Versuchen, etwa als Moderatorin der Serie "Real American Stories" des Senders Fox News über "wirkliche Amerikaner". Und schwankend zwischen Bewunderung und Abscheu wird festgestellt, dass mit dieser neuen Show die Grenzen zwischen Showbusiness und Politik so stark verwischt werden wie noch nie, Imagekampagne und Public Relations "neue und unglaubliche" Höhen erreichen. Wenn Sarah Palin eine Präsidentschaftskandidatur 2012 anstrebe, schreibt Kommentator Hank Stuever, "dann ist eine warmherzige Show über Leben in Alaska ein weiterer Schritt in Sachen Marken-Förderung". 

Auch CNN-Medienkritiker Howard Kurtz bescheinigt Palin einen klugen Schachzug, TV-Präsenz vor einem Millionen-Publikum, "ohne dass es ein kommerzieller Werbespot ist". Palin jedenfalls geht ihren Weg - in der Reality Show per Schlitten, Kanu oder Privatflugzeug. Zumeist aber schleppt sie die Zuschauer mit dröhnenden, benzinfressenden Geländewagen von einer Naturschönheit zur anderen - und stört dann die friedliche Stille und die wirklichen Grizzlys mit lauten schrillen Entzückensbekundungen. Oder sie ruft laut nach ihrem Mann und den Kindern, die oft mit von der Partie sind. Palin, auch dass soll die Show klar machen, ist nicht nur ein echter Naturfan, sondern auch eine hingebungsvolle Mutter und Familienfrau. Kein Wort mehr davon, dass sich die Medien aus dem Privatleben der Palins heraushalten sollen, wie es Sarah in der Vergangenheit wiederholt gefordert hat. Aber da ging es auch um Unangenehmes wie Tochter Bristols außereheliche Schwangerschaft. Palin ist lange nicht der einzige Promi mit einer Reality-Show. Die Herzogin von York, Sarah Ferguson, spielt am Anfang 2011 im kommenden Jahr in einer Reality-Show im US-Fernsehen. In der sechsteiligen Serie mit dem Titel "Finding Sarah" werde die Exfrau von Prinz Andrew über ihren Kampf mit überflüssigen Kilos, ihre schwierige Finanzlage und Beziehungsprobleme berichten. Ferguson war zuletzt wegen ihrer Schulden in die Schlagzeilen geraten. Im Sommer war publik geworden, dass sie einer amerikanischen Boulevardzeitung angeboten hatte, dieser gegen Geld Zugang zu ihrem Exmann zu verschaffen. Im August ließ die Herzogin mitteilen, sie habe alle ihre persönlichen Schulden beglichen, offen seien nur noch geschäftliche Schulden.
(KURIER.at, dpa / Birgit Gehrke, photopress.at (3)) Erstellt am
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