US-ENTERTAINMENT-FILM

Schauspieler Russell Crowe

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08/11/2019

Russell Crowe: „Ich gebe den Journalisten die Schuld“

Der „Gladiator“ ist als „Fox News“-Erfinder nicht wieder zu erkennen. Im KURIER-Interview steht er Rede und Antwort.

von Elisabeth Sereda

Wenn er nicht gerade dreht, widmet sich Russell Crowe (55) seiner Farm in Australien oder tourt mit seiner Band - früher „30 Odd Foot of Grunts“, die neuerdings „Indoor Garden Party“ heißt - durch die Welt. Seine wilden Zeiten, als er sich alkoholgeschwängerte Faustkämpfe mit unverdächtigen Barbesuchern geliefert hatte, sind Geschichte. Mit 55 gilt der geborene Neuseeländer als einer der wandlungsfähigsten Schauspieler Hollywoods.

In seiner neuesten Serie, „The Loudest Voice“, spielt er Roger Ailes, den cholerischen und später arger sexueller Übergriffe beschuldigter Erfinder von „Fox News“. Interessant für einen Mann, der über die Presse kein gutes Wort übrig hat, aber zum Glück dennoch mit dem KURIER sprach:

 

Sie sind in der Serie nicht wieder zu erkennen. Wieviel Zeit ging fürs Makeup drauf?

Russel Crowe: Anfangs sechs Stunden, dann etwas weniger, unser Kurzrekord waren 2 Stunden 17 Minuten. Ich hatte einen Fettanzug an, der auf Augenhöhe begann. Außer meiner Stirn, meinen Augen und Teilen meines Kinns sieht man nichts von mir.

Mussten Sie auch zunehmen?

Ein bisschen, aber das meiste waren Silikonpolster. Ich wünsche mir ja, dass mir endlich mal wer eine dünne Rolle anbiete. Denn man nimmt viel leichter ab, wenn einen wer dafür zahlt!

Roger Ailes hat teilweise die Nachrichten frei erfunden oder Sie so verfälscht, dass sie mit Wahrheit wenig zu tun haben. Lesen Sie Zeitungen?

Ich bin kein Nachrichten-Junkie, aber ich bin alt genug, dass ich mit der Morgenzeitung aufgewachsen bin. Ich blättere gerne um, ich scrolle nicht gern auf dem Handy rum. Aber nachdem ich nichts und niemandem mehr vertraue, der etwas mit Medien zu tun hat, seit ich Dinge über mich lesen muss, die frei erfunden sind, wie etwa, dass ich in irgendeinem New Yorker Nachtclub war, wenn ich in Wirklichkeit auf meiner australischen Farm meine Pferde betreute, bin ich auch Nachrichten gegenüber sehr skeptisch. Ich gebe euch Journalisten und Zeitungsmachern die Schuld. Wenn ihr wisst, dass 60 Prozent der Menschen den Medien nicht trauen – eine Statistik, die erst vor kurzem rauskam – und ihr trotzdem diese Scheiße druckt, von der ihr genau wisst, dass sie frei erfunden ist, dann seid ihr schuldig. Auch, wenn ihr selbst, als Einzelne nichts erfindet, aber still zuseht, wie es andere tun. Jeder Journalist, und noch mehr die Chefredakteure und Herausgeber müssen sich bewusst werden, wie wichtig es gerade in Zeiten wie diesen ist, Lügen und Korruption aufzudecken und immer bei der Wahrheit zu bleiben. Ihr habt ein öffentliches Service zu erfüllen, das muss euch endlich klar werden.

Rupert Murdoch regiert aber nicht überall.

Nein, ihm gehören vor allem England und Australien. Aber überall anders wird er auch kopiert von gewissen Medien. Die Idee, dass man in der Früh eine Meinung – nicht Fakten, eine Meinung! – rausbläst, die den ganzen Tag wiederholt wird, ist natürlich auf seinem Mist gewachsen. Das ist Fox News. Und das ist so wie die Fresh Juice Company, die ihre Getränke aus gefrorener Chemie macht, aber eine Trademark auf den Namen Fresh Juice haben. Und wir lassen das zu. Das ist doch lächerlich.

Sie posten viel über Ihre Band auf Instagram. Ist Musik Ihre wahre Liebe?

Ich poste auch seit Jahren irgendwelche Fotos und lasse dann die Fans raten wo ich bin. Das ist immer lustig. Was meine Band betrifft, habe ich gerade ein Album in Stockholm, in Benny Andersons Studio aufgenommen. Musik ist sehr wichtig für mich, sie ist das Kreativzentrum in meinem Leben, das alles andere antreibt, auch das Schauspielen. Mein musikalisches Gehör hilft mit Akzenten, mit Sprachrhythmus. Als Regisseur spiele ich Musik über Lautsprecher in den Dreh- und Umbaupausen. Das hat einen Pawlow‘schen Effekt, wenn die Crew zu langsam arbeitet, und ich einen schnelleren Beat spiele. Auf einmal werden die alle schneller! Und jeder hat ein Lächeln im Gesicht. Musik übt eine gute Macht aus.

Wie suchen Sie sich Rollen aus?

Immer nach dem Text. Aber manchmal gehe ich auch Risiken ein, wie bei „Gladiator“, wo es kein Drehbuch gab. Aber da wiederholte sich derselbe Satz in meinem Hirn: „Du spielst einen römischen General 184 nach Christus und Ridley Scott führt Regie.“ Das war eine gute Idee.