Queen-Jubiläum: 1000 Schiffe auf der Themse

Regen und Wind begleiten die Schiffsparade zum 60. Thronjubiläum von Königin Elizabeth II. in London. KURIER-Redakteur Konrad Kramar ist vor Ort und berichtet live.
Königin Elisabeth II. und Prinz Philip winken von einem Boot aus.

Die größte Schiffsparade seit 350 Jahren

Königin Elisabeth II., Camilla und Prinzessin Kate bei einer Veranstaltung.
Auch die Kritik, dass "The Royals" anti-monarchisch sei, will die Ex von Hugh Grant nicht gelten lassen.

Nach dem Epson-Derby am Samstag folgte am Sonntag das nächste Highlight der mehrtägigen Feierlichkeiten zum diamantenen Jubiläum der britischen Königin Elizabeth II. 1000 Boote, Kayaks und Schiffe sammelten sich, um in einer Flottenparade die Themse entlang zu fahren. Abfahrtspunkt: die Battersea Bridge, Endpunkt: die Tower Bridge. 22 Kilometer des Flusses wurden extra für diese Parade gesperrt. Die männlichen Mitglieder der Windsor-Familie kamen in Uniform. William trug zusätzlich die blaue Schärpe des Hosenbandordens, seine Frau Herzogin Catherine wählte leuchtendes Rot von Alexander McQueen für ihren Auftritt. Die Jubilarin entschied sich für vornehmes Admiralsweiß von Angela Kelly, kombiniert mit ihrer dreireihigen Perlenkette (sie besitzt drei Stück davon), Prinz Philip ebenfalls in Uniform mit blauer Schärpe wie sein Sohn und sein Enkel. Camilla wählte ein hellbeiges Kostüm, übrigens eine Farbe, die die Queen nie trägt - sie mag sie nicht.

 

Prinzessin Anne und ein Mann in Marineuniform auf einem Boot.

Anschließend bestiegen die Königin, Philip, Charles und Camilla ein Beiboot der Britannia. Das Schiff wurde 1997 trockengelegt, doch fühlte sich die Königin auf der Yacht immer sehr wohl. Es sei der einzige Ort gewesen, an dem sie sich entspannen konnte, soll Elizabeth II. einmal gesagt haben.

Die einzige Tochter der Königin, Prinzessin Anne, kam in Marineuniform - mit Hosenbandorden. Die Prinzessin hat auch einen Marinerang. Das Beiboot brachte die Königin und ihre Familie auf die "Spirit of Chartwell".

Prinz William in Uniform und Kate Middleton in einem roten Kleid gehen zusammen.

Um 15:30 Uhr bestiegen Elizabeth II. und ihre Entourage die "Spirit of Chartwell". Nicht dabei war die Tochter von Prinzessin Anne, Zara und ihr Mann Mike. Zara nahm an einem Reitturnier für die Olympischen Spiele teil.

Königin Elisabeth II. winkt in einem weißen Outfit und Hut.
Auf jeden Fall, so schildert der Sänger die überraschenden Bedenken der Monarchin, "müssten wir uns an die Polizei und an die Stadtverwaltung wenden."

Die "Gloriana", ein Nachbau eines königlichen Schiffes, führte gemeinsam mit dem Glockenschiff den ersten Block an Booten an. Sie wurde aus Sicherheitsgründen nicht von der Queen genutzt, stattdessen wurde das Ausflugsschiff "Spirit of Chartwell" geschmückt. An Bord des Luxusschiffs, das mit 4000 goldenen Blättern und 10.000 Blumen verziert wurde, verfolgte die royale Familie das bunte Treiben auf der Themse. Majestätisch standen die Königin und ihr Mann, entgegen dem Protokoll, die gesamte Fahrt über hinter ihren Thronsesseln. Zunächst fuhren die Ruderboote an der royalen Barke vorbei, danach die motorisierten. Auf einem dieser Schiffe befanden sich neben dem Bürgermeister von London die Herzogin von Wessex, Sophie, Prinz Andrew und seine Töchter Beatrice und Eugenie. Auch eine Österreicherin mischte sich darunter: Princess Michael of Kent.

Der strömende Regen wurde sogar den wasserfesten Briten zuviel

Königin Elisabeth II. winkt von einem geschmückten Boot aus, begleitet von anderen Mitgliedern der königlichen Familie.

Kurz nach 16 Uhr legte die königliche Barkasse unter musikalischer Begleitung der "Wassermusik" von Georg Friedrich Händel ab. Händel hatte diese 1717 im Auftrag des britischen Hannoveraner-Königs Georg I. komponiert. Auch die Familie Middleton durfte auf einem Schaufelrad-Dampfer nahe dem königlichen mitfahren.

Das Schiff der Königin passierte auf der elf Kilometer langen Fahrt auf der Themse 14 Brücken. Die Queen holte sich in der Zwischenzeit eine Stola, die Luft an Bord des offenen Schiffes war kalt. Doch die 86-Jährige trotzte der schlechten Witterung majestätisch. Um 17:05 Uhr kamen die ersten Boote bei der Tower Bridge an, als das Schiff der Königin die berühmte Brücke erreichte, öffnete sich das Wahrzeichen zum Gruß. Um 17:30 Uhr legte die "Spirit of Chartwell" nahe der Tower Bridge an. Zusätzlich zum eisigen Wind begann es auch wieder zu regnen. Bei Nebel und Regen beendeten die restlichen Boote ihre einzigartige Fahrt.

Die Schiffsparade endete kurz nach 18 Uhr und KURIER-Redakteur Konrad Kramar beobachtete: Kaum passierte die königliche Familie die Tower Bridge, wurde der Regen noch stärker und es wurde langsam sogar den wasserfesten Briten zu viel. Sie strömten in Scharen zurück von der Themse irgendwohin ins Trockene, wahrscheinlich auf einen Pimm`s.

Für die Königin gibt es nach diesem turbulenten Tag keine Verschnaufpause: Am Montag, den 4. Juni, folgt ein Konzert vor dem Buckingham Palast mit internationalen Superstars und am 5. Juni wird die 86-Jährige den Gottesdienst in der St. Paul`s Cathedral besuchen.

Schickes London

Menschen stehen auf einem Balkon mit blau-weiß-roter Dekoration.

Abseits von den Menschen am Ufer der Themse konnte KURIER-Redakteur Konrad Kramar beobachten, wie das schicke London feierte: Auf den Dachterrassen zu Rockmusik. Dabei konnte man beobachten, wie die Kellner mit weißen Handschuhen Drinks servierten - eine elegante Variante die Queen hochleben zu lassen. Auch ein paar Pubs und DJs haben den alten Sex Pistols Song "God save the Queen" ausgegraben und lassen ihn laut über die Straße plärren. "No Future, no future for you" ist auch schon mehr als 30 Jahre her und heute beim Thronjubiläum können die Briten darüber lachen.

Prinz Charles feierte auf der Straße

König Charles und Camilla nehmen an einer Straßenparty mit Union-Jack-Dekoration teil.

Anlässlich des besonderen Jubiläums, Königin Elizabeth II. ist erst die die dritte britische Monarchin, die ihr 60-jähriges Thronjubiläum feiern konnte, fanden in Großbritannien am ganzen Sonntag Straßenparties unter dem Motto "The big lunch"statt. Dafür wurden in Gassen und Straßen Tische und Sessel aufgestellt. Fast 1000 Feste wurden für den 3. Juni in London angemeldet. Auch ein Überraschungsgast fand sich ein: Prinz Charles nahm samt Ehefrau Camilla an einem Tisch in Piccadilly Platz. Allzu lange konnte sich der Kronprinz jedoch nicht aufhalten, schließlich musste er später neben seiner Mutter die Themse entlang fahren.

Um das Spektakel zu sehen, fanden sich bereits am Sonntag Vormittag unzählige Schaulustige entlang der Themse ein.

Besucher aus der ganzen Welt

Drei Frauen mit Union-Jack-Dekorationen stehen am Ufer der Themse.

Neben den britischen Fans reisten sogar Schlachtenbummler aus den USA an. Eine Handvoll Damen aus Minnesota hätte sich dieses Spektakel um nichts auf der Welt entgehen lassen. Sie sind überzeugte Fans der royalen Familie und waren sogar schon bei der Hochzeit von Charles und Diana in London. Eine der Damen, Carol, fand 2011 bei Prinz Williams Hochzeit neue Freunde, bei denen sie am Abend zum Essen eingeladen ist. Einzig das Essen könnte die Freude trüben, sie kann sich noch nicht so recht auf Bangers (Würstel) und Mash freuen. (Sonntag 11:30 Uhr, KURIER-Reporter Konrad Kramar aus London)

Schaulustige überall - trotz strömenden Regens und Kälte

Eine Menschenmenge mit Union-Jack-Flaggen säumt ein steinernes Flussufer.

Der strömende Regen machte selbst Werbeaktionen von Fernsehsendern zunichte. Ein britischer Comedysender teilte Teleskope aus. Die sind jedoch aus Papier und zerfielen im Regen. Ein misslungener Gag. In der Nähe der Tower Bridge warten Schaulustige schon tapfer auf den Beginn der Flottenparade.

 

Das Wetter: Very british

Eine junge Person mit Union-Jack-Hut und -Flagge wartet an einer Absperrung.

Passend zu einem geschichtsträchtigen Jubiläum: Ein Wetter, das kaum britischer sein könnte, strömender Regen und eiskalte Temperaturen. Doch die Untertanen lassen sich davon nicht abhalten. Fahnen werden verkauft - wenn auch schon nass - besser läuft das Geschäft mit den Regenschirmen. Geht man durch Londons Straßen fällt sofort eines auf: Jede Menge Schlachtenbummler und Menschen aus ganz Großbritannien sind unterwegs. Perfekt ausgestattet mit der Nationalflagge "Union Jack", die auf Regenschirmen, Hüten und Fahnen abgebildet ist.

Eine lächelnde ältere Frau mit einer gestrickten Krone auf dem Kopf.

Und jeder dieser Besucher bringt seine ganz persönliche Erinnerung mit. Manche waren im vergangenen Jahr bei der Royal Wedding, andere beim silbernen Thronjubiläum der Queen. Was das Wetter betrifft meinte eine ältere Dame entschlossen: "Bei der Krönung 1953 hat es auch geschüttet und wir hatten trotzdem eine tolle Zeit." So robust die Älteren, so zartbesaitet die Jüngeren: Ein junger Mann gab auf und meinte "ich geh jetzt Sky News schauen, da sehe ich es auch." (Sonntag 10:45 Uhr, KURIER-Reporter Konrad Kramar aus London)

Der Terminplan

Ein Regenschirm mit dem Union Jack und der Aufschrift „Save the Queen“ vor einem Fluss.

Damit die Briten an den viertägigen Feierlichkeiten teilnehmen können, wurden Montag und  Dienstag (4. und 5. Juni) zu Feiertagen erklärt. Insgesamt 9500 Straßenfeste fanden aus Anlass des Jubiläums am Sonntag statt, am Montag gibt es ein riesiges Picknick im Garten des Buckingham-Palastes mit anschließendem Konzert. Zum Abschluss der Feiern ist am Dienstag ein Gottesdienst in der Londoner Saint Paul`s Cathedral geplant. Nach einem Mittagessen mit 700 Gästen zeigt sich die Königsfamilie abschließend auf dem Balkon des Buckingham-Palastes.

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