Phänomen Heidi Klum: Zuviel ist zuviel

Mit Topmodel-Show, neuer US-Sendung, AOL-Onlineseite und vielem mehr ist Heidi Klum dauerpräsent. Aber so gern wir dich auch sehen und haben: Mach mal Pause!

Heidi, du begeisterst große Kunden, hast viele Jobs ergattert. (Künstliche Pause) Du hast ein tolles Gesicht für Commercials, bist wunderschön und auf Abruf in Topform. (Lange Pause) Aber du hast nichts Eigenständiges an dir, keine Ecken und Kanten, bist austauschbar. (Noch einmal eine nervtötende Pause) Und deswegen habe ich heute leider kein Foto für dich, Heidi. So würde es Heidi Klum ... ... wohl ergehen, wenn sie bei ihrer eigenen Casting-Show "Germany`s Next Topmodel" mitmachen würde. Abgesehen davon, dass sie es mit 39 Lenzen nicht einmal in die Vorrunde der Show schaffen würde. Jana ging in der letzten letzten Staffel als Siegerin hervor, weil sie laut den Juroren mit ihrem (Breitmaul-)Lacher und ihrer Mundfalte einzigartig ist. (Mehr zum Sieg von Jana und dem Finale im Link unten). Heidi hat so etwas Spezielles nicht an sich. Sie wäre sich selbst wahrscheinlich zu perfekt und aalglatt. Bei Heidi gibt`s keine Ecken und Kanten. Auf ihr hübsches Äußeres können Werbekunden projizieren, was ihnen lieb ist, solange alles anständig und züchtig bleibt. Wir haben es hier immerhin mit dem Fräuleinwunder Deutschlands zu tun. Seit ihrem Karriere-Beginn 1993 hat sie sich keinen richtigen Skandal erlaubt. Mal abgesehen vom Skandälchen um die Affäre mit Ex-Formel 1-Manager Flavio Briatore, der beständig bestreitet der Vater ihrer ersten Tochter zu sein. Zur Klarstellung: Wir finden Heidi auch super-fesch und absolut bewunderswert, so wie es der Großteil der Menschheit tut. Immerhin kriegt die Dame ... ... bei vier Kindern, einer Top-Karriere und einer ebensolchen (hart trainierten) Figur keine chronischen Stress-Zustände. Aber bei allem Respekt vor ihrer Leistung und aller Eifersucht auf ihre Maße, die Klum kann auch ordentlich nerven. Und lässt auch kaum eine Gelegenheit dazu aus. Heidi stellt ihre ständig gute Laune und ihre scheinbare Natürlichkeit, sagen wir: einen Tick zuviel zur Schau. Oder sagen wir ruhig: zwei Ticks. Sie spielt die lustige Heidi. Dabei wirkt sie manchmal schrecklich fad. Oder ein bisschen lächerlich. Doch halt: Bevor wir uns in unbegründetes Klum-Bashing verirren, überprüfen wir die Akte Heidi anhand der verfügbaren Fallbeispiele. Fall 1: Das Spontane Im "Germany`s Next Topmodel"-Finale tanzt sie wie verrückt (mit einem ebensolchen Outfit) auf die Bühne, ... ... im Halbfinale intoniert sie mal eben "Alle meine Entlein", sie überrascht "ihre" Mädls fast ungeschminkt (!), ... ... kocht mit ihnen Pizza, isst sogar ein Stück davon (wo man doch weiß, dass Models wie sie sich nur von orangensaftgetränkten Wattebäuschen ernähren) ... ... und kriegt sich bei den Sprüchen von Juror Thomas Rath nicht mehr ein vor Lachen. Die Zuseher sollen sich wohl denken: ... ... "Was für eine bodenständige Superfrau."  Und tatsächlich haben wir uns das anfangs auch alle gedacht. Das Problem mit dem Spontanen aber ist, dass es bei Wiederholung vorhersehbar wird. Der geübte Leser merkt: Spontan und vorhersehbar in einem Satz ergibt ein Dilemma. Womit wir wieder bei Heidi wären. Fall 2: Das falsche Lächeln Heidi agiert nach den goldenen Regeln der Eigenwerbung, die sie anscheinend schon mit der Muttermilch aufgesogen hat. Sehr früh hat sie zumindest schon gelernt, sich ihre Ausstrahlung anzutrainieren. Stern.de berichtete, dass das Model selbst einmal zugab, ihr natürlich wirkendes Lächeln exzessiv vor dem Spiegel geübt zu haben. Am Beginn ihrer Karriere wären die Fotografen mit ihrem Lachen nicht zufrieden gewesen, woraufhin sich die Klum zuhause den natürlichen Lacher hart antrainierte. Dieses Lächeln würde uns tatsächlich ewig verzaubern und der guten Mona Lisa die Show stehlen. Der Charme eines Lächelns liegt aber im Moment. In dem Grund für das Lächeln. Sagt jemand selbst, er habe dieses Lächeln einstudiert, es sich eingebläut ... was bleibt dann vom besonderen Moment? Fall 3: Kostümfeste Ihr aufwendigster Versuch zu zeigen, dass sie auch eine coole Hippe ist, ist die alljährliche Halloween-Sause, die sie und ihr Mann, Schmuse-Sänger Seal, für andere Promis schmeißen. Zum groß organisierten Event, auf dem sich das "Who is Who" aus Hollywood tummeln soll, kam im Vorjahr Kim Kardashian. Als prominentester Gast. Das sagt nicht alles, aber verdammt viel.  In diesem Fall reicht die simple Wiederholung des Satzes: Heidi lädt jährlich zu einem Kostümfest. Kos-tüm-fest!!! Und als Nachsatz: Und geht als Katze. Nachnachsatz: Und macht solche Posen. Possen. Wurscht! Fall 4: Immer überall Anstatt es einmal locker anzugehen, und ihr Luxus-Leben zu genießen, gibt die Bergisch Gladbacherin lieber im Showbusiness alles, um jede mögliche Million in die Familien-Kassa legen zu können. Für einiges an Kleingeld hat sie sich sechs Wochen nach der Geburt ihres vierten Kindes wieder am Laufsteg von Victoria`s Secret präsentiert (wenn auch gut verhüllt für eine Dessous-Show). Ihr neuester geschäftlicher Coup ist eine Onlineseite mit AOL. Seit ein paar Tagen sieht man die Klum mit ihrem antrainierten Grinsen von ihrer neuen Homepage lachen. Nach dem Vorbild der Seite "Goop" von Gwyneth Paltrow gibt uns die Wahl-Kalifornierin und ihr Experten-Team Tipps in allen Lebenslagen. Und so ganz nebenbei sollen dann auch Produkte wie ihre neue Schuhlinie verkauft werden.   Wir zitieren die alte Weisheit: Man muss nicht alles machen, das man machen kann. Es ist zu durchsichtig, dass Heidi hier Geld scheffeln und nicht Weisheiten und Erfahrungen weitergeben will. Und da wir davon ausgehen, dass sowohl Brot als auch Butter im Hause Klum-Seal reichlich vorhanden sind, sagen wir: Es reicht (aus). Auch wenn wir die Schuhe mögen ... Fall 5: Meinung für alle Nicht nur in Deutschland und Österreich hat es Heidi auf eine Dauerpräsenz in den Medien angelegt. Auch in den USA hat sie eine neue Show. Für die sie allerdings schon Kritik einstecken musste. In ihrer Sendung "Seriously Funny Kids" werden Kinder mit versteckter Kamera gefilmt. Klum sei zu wenig einfühlend und nahbar den Kids gegenüber, so die amerikanischen Pressestimmen. Unsere Heidi eine drakonsiche Kindergarten-Tante!? Nicht doch ... In der aktuellen Topmodels-Staffel gibt sie sich aber vielleicht auch wegen dieser Kritik viel "softer" als in den vorigen Ausgaben, in denen sie eher einen auf strenge Schäferhundezüchterin machte. Es scheint manchen Promis sehr wichtig zu sein, der Welt ihre Weisheit zu vermitteln. Das ist fast immer lästig, Nobelpreisträger und Religionsgründer einmal ausgenommen. Bei Klum ist dieser Drang nicht nur - wie erwähnt - wegen der Geldscheffelei anstrengend, sondern auch wegen des Sendebewusstseins. Fall 6: Privat ist nicht privat Heidi versteht es, sich in Szene zu setzen: Von der Zeitschrift Gala, ihrem "Haus- und Hofblatt", wurde sie bis zuletzt gemeinsam mit - jetzt Ex - Ehemann Seal beim scheinbar ungestörten Spaziergang in L.A abgelichtet. Das Ganze war jedoch minutiös geplant. Romantik pur. Auch der jährlich erneuerte Liebesschwur von dem Sänger und dem deutschen Model war so organisiert, dass die Paparazzi auch ganz zufällig ein Bild davon erhaschen. Die Bilder verkauften sich gut, denn auch hier machte die Familie Klum gern einen auf Fasching und verkleidete sich schon mal für die Eheauffrischung.  Der Mund des Volkes sagt: Erotisch ist, was man nicht sieht. In diesem Sinn ist eine zur Schau gestellte Liebe nicht mehr ganz so romantisch. Das Mädchen aus dem Volke sollte das wissen. Meinen wir. Bei aller Liebe, liebe Heidi: Mach mal Pause.  Geh es doch einfach mal lockerer an. Aber ganz in echt, nicht gespielt, nicht übertrieben. Ganz relaxed. Dann kaufen wir dir nicht nur die Rolle, sondern auch gleich alle von dir beworbenen Artikel ab. Lass uns doch ein bisschen Raum für Sehnsucht nach Heidi.
(photopress (8)) Erstellt am
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