Marilyn Monroe: Für immer jung

Das dramatische Leben des Hollywood-Stars, dem das Alter erspart blieb, ist lange vorbei. Der Mythos lebt. Am 1. Juni wäre die Monroe 85 Jahre alt geworden.

Traumfrau der 40er und 50er Jahre, Weltstar, Sexsymbol - das war die eine Seite der Frau, die das Bild der einfältigen Blondine über Jahrzehnte prägen sollte. Belesen, ehrgeizig, sehnsüchtig und zutiefst unglücklich - die andere. Marilyn Monroe starb 1962, fasziniert aber auch noch beinahe fünf Jahrzehnte später. Ihr früher Tod sorgt bis zum heutigen Zeitpunkt unter Monroe-Fans für Spekulationen - und trug dadurch maßgeblich zur Legendenbildung des Hollywood-Stars bei. Am 1. Juni wäre die Monroe 85 Jahre alt geworden. Wie kann es sein, dass eine Frau solche Faszination ausstrahlt? Auch auf Fans, die lange nach ihrem Tod zur Welt kamen. Künstlerinnen, wie Mariah Carey oder Megan Fox, nennen Monroe als ihr Vorbild - Fox trägt sogar ein Tattoo mit dem Konterfei der Schauspielerin am Unterarm. Eine Erklärung für das noch immer nicht abgeflaute Interesse an Monroe könnte der Widerspruch in ihrem Wesen sein: Schüchternheit und überströmende Sexualität. Wie kam es dazu? Ein Portrait.

Im Bild: Monroe, gemeinsam mit Jane Russel, in einem ihrer größten Hits "Blondinen bevorzugt" 1953. Norma Jeane Mortensen kam am 1. Juni 1926 zur Welt. Ihre Mutter, Gladys Pearl Baker, musste das Kind alleine erziehen, da sie sich noch vor der Schwangerschaft von ihrem Mann Edward Mortensen getrennt hatte. Wer ihr Vater war, sollte Norma Jeane nie erfahren, doch zeigte ihr ihre Mutter das Bild eines Mannes, der an Schauspieler Clark Gable erinnerte. Als alleinerziehende, geschiedene Frau hatte Gladys kein einfaches Leben in den 20er Jahren. Zudem erlitt Baker 1935 einen Nervenzusammenbruch und wurde bis 1945 in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Norma Jeane wuchs bei Pflegeltern und im Waisenhaus auf. 

Gladys Baker Eley, Marilyn Monroes Mutter. 1942 heiratete die spätere Schauspielerin Jim Dougherty. Der 22-jährige Quarterback wohnte im Nachbarhaus von Norma Jeanes Mutter und bot die Gelegenheit einer besseren Zukunft. Zwei Jahre nach der Hochzeit ging Dougherty zur Handelsmarine und wurde nach Europa versetzt. Norma Jeane arbeitete, wie viele Frauen, am Montageband einer Flugzeugfabrik, wo sie von einem Fotografen entdeckt wurde. Eine Karriere als Pin-up-Girl folgte und erste Filmrollen kamen - der langjährige Traum, ein Filmstar zu werden, schien aufzugehen. Bereits als Modell bemerkte sie, dass Unschuld und Sex Appeal eine gute Kombination waren. Die damals 18-Jährige gehörte zu den meist fotografierten Modellen ihrer Zeit. 1946 bekam sie einen Vertrag mit dem Filmstudio Twentieth Century Fox, ließ sich von ihrem Mann scheiden und änderte ihren Namen in Marilyn Monroe. Damals war es üblich, jungen Schauspielerinnen klingende Künstlernamen zu geben. Der Nachname Monroe ist übrigens der Mädchenname von Gladys Baker. Monroe arbeitete hart, pflegte viele Bekanntschaften und verstand es, die Menschen um sie herum in ihren Bann zu ziehen. Ihre Verletzlichkeit und ihre Unschuld, gepaart mit einer unglaublichen sexuellen Austrahlung faszinierten gleichermaßen Männer und Frauen und erzeugte einen Beschützerinstinkt. Auf dem Weg zum Erfolg halfen ihr jedoch zwei Männer: Tommy Zahn, Schauspieler und Surfer mit guten Verbindungen, und Johnny Hyde. Hyde, ein alternder Agent, der sich in Monroe verliebte und sie sogar heiraten wollte. Hyde verschaffte ihr auch ihre erste große Rolle in "Asphalt Jungle". Neben dieser Hilfe verstand es Monroe wie keine andere, die Presse auf ihre Seite zu ziehen. Mit gut getimten Enthüllungen, zum Beispiel, dass sie keine Unterwäsche trage, sorgte sie für Aufsehen und festigte ihren Ruf als Sexsymbol. Die platinblonden Haare, der erotische Schlafzimmerblick und ihr früher Tod, trugen ihr übriges dazu bei. 1952 heiratete sie den Baseballstar Joe DiMaggio. Die Ehe hielt nur zwei Jahre, die Freundschaft hingegen bis zu ihrem Tod. Während der Flitterwochen besuchten die beiden Japan und reisten auch zu den Truppenbasen der Amerikaner in Korea, wo Monroe für die Soldaten sang. Ein weiterer Coup der damals 28-Jährigen, der ihr viel Publicity einbrachte. Doch wie gesagt hielt die Ehe nicht. Die Schauspielerin reichte im Oktober 1954 die Scheidung ein. 

Im Bild: Letzte Zeilen von Marilyn an ihren Ex-Mann Joe DiMaggio, sie hoffe ihn glücklich gemacht zu haben. (aus "MM - Das private Archiv von Marilyn Monroe") Zur Zeit der Ehe mit DiMaggio drehte Monroe eine ihrer erfolgreichsten Komödien "Das verflixte siebente Jahr". Das Bild aus der Szene, in der ihr Kleid durch den Wind aus dem U-Bahn-Schacht in die Höhe geblasen wurde, erschien in Zeitungen auf der ganzen Welt. Monroe wurde endgültig zur Sex-Ikone. Nach der Scheidung von DiMaggio zog Monroe nach New York, wo sie sich mit dem Schriftsteller Arthur Miller traf. Die Stadt und die Menschen faszinierten die Schauspielerin - vor allem aber war es für sie der Mittelpunkt des Kunstlebens. Dort nahm sie Schauspielunterreicht bei Lee Strasberg, mit dem sie eine lange Freundschaft verbinden sollte. Er war auch der Hauptbegünstigte in ihrem Testament. 1956 heirateten Monroe und Miller. Miller war zehn Jahre älter. Sie dachte wohl, dass er ihre Sehnsucht nach Geborgenheit und die fehlende Vaterfigur ersetzen könnte. Doch die Ehe stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Der Kinderwunsch der beiden sollte sich nie erfüllen, Monroe hatte während der Ehe drei Fehlgeburten. Abgesehen davon hatten die beiden wenig Gemeinsamkeiten, was ein Zusammenleben erschwerte und Monroes psychische Labilität verstärkte. Im Gegensatz zu vielen Behauptungen war Monroe ein sehr geselliger und großzügiger Mensch. Diese Großzügigkeit äußerte sich in wertvollen Geschenken wie Autos oder Schmuck, die sie ihren Vertrauten und Angestellten machte. Miller meinte einmal, dass ihre Großzügigkeit keine Grenzen kenne. Bereits während ihrer Zeit in Hollywood fand Monroe Gefallen an der Freudschen Psychonanalyse, die sie sogar als ihre "Religion" bezeichnete. Als sie in New York wohnte verging kaum ein Tag, an dem sie ohne eine Therapiesitzung auskam. Diese psychische Abhängigkeit nach Hilfe, gepaart mit einer physischen Abhängigkeit nach Medikamenten wurde ihr später zum Verhängnis. Bei den schwierigen Dreharbeiten in London zu "Der Prinz und die Tänzerin" 1956 verlor Monroe vermutlich die Kontrolle über ihren Medikamentenmißbrauch. Auch zwei Jahre später sorgten ihr notorisches Zu-Spät-Kommen und ihre häufigen Krankmeldungen für große Probleme am Set von "Manche mögen's heiß". 

Im Bild: Tony Curtis, Marilyn Monroe und Jack Lemon in "Manche mögen's heiß". Arthur Miller wußte von diesen Problemen. Er musste sie sogar mehrere Male wiederbeleben. Monroe selbst wollte von den Medikamenten loskommen. Doch wie so oft bei Drogensüchtigen, scheiterten ihre Entzugsversuche. 1960 begann Monroe mit den Dreharbeiten zu ihrem letztem abgeschlossenem Film. Miller schrieb Marilyn das Drehbuch zu "The Misfits - Nicht gesellschaftsfähig" praktisch auf den Leib: Ein Showgirl, das nach Nevada fuhr um sich scheiden zu lassen und dabei drei Cowboys faszinierte. Sie spielte an der Seite von Clark Gable, der für sie wie ein Vater war. Ihm ist es auch zu verdanken, dass der Film abgeschlossen werden konnte, denn die Dreharbeiten verzögerten sich immer wieder, woran Monroe zum Teil Schuld hatte. Das Ende der Dreharbeiten bedeutete auch das Aus für ihre Ehe. Miller und Monroe ließen sich im Winter 1960 scheiden. Kurz vor ihrem Tod wurde ihr ein Verhältnis mit dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy und seinem Bruder Robert nachgesagt. Grund dafür war Monroes Geburtstagsständchen an den Präsidenten, bei dem sie in einem hautengen, fleischfarbenen Kleid sinnlich "Happy Birthday Mr. President" ins Mikrofon hauchte. Diese Liason trug auch dazu bei, dass sich um Monroes tragischen Tod durch eine Überdosis an Schlafmitteln so viele Verschwörungstheorien ranken. Bewiesen konnte bislang keine davon werden. Die Berichte um ihren geistigen Zustand vor ihrem Tod weichen jedoch ab. Einige Bekannte erklärten, dass es ihr besser ginge, andere meinten sie war in sehr schlechtem Zustand. Die Wahrheit wird wohl nie mehr ans Licht kommen, doch letztlich trugen die Spekulationen nur zum "Mythos Marylin" bei. Marilyn Monroe starb am 5. August 1962 im Alter von 36 Jahren und so bleibt sie allen in Erinnerung: Jung, sexy und unvergleichlich schön. Über 40 Jahre galt Marilyn Monroes Privatsammlung - die Monroe Collection als verschollen. Nachdem ein Fotograf damit beauftragt wurde zwei Aktenschränke zu ordnen, stolperte er dabei über einen Fund, der neue Einblicke in das Leben der Diva geben sollte. Neben Privataufnahmen wurden auch Briefe und ...

Im Bild: Rare handschriftliche Zeilen in der Handschrift Marilyns in jungen Jahren in denen sie eine Kritik an Tony Curtis' Haltung ihr gegenüber niederschrieb. (aus "MM - Das private Archiv der Marilyn Monroe") ... Notizen der Hollywood-Diva gefunden. Insgesamt über fünftausend Dokumente, darunter zahlreiche persönliche und geschäftliche Briefe und Telegramme, aber auch Zeitungsausschnitte, Fanpost und eigene Notizen bewarte Monroe in den Schränken auf. Dieses Archiv wurde in einem Bildband festgehalten.

Im Bild: Monroes Kleid aus "Das verflixte siebente Jahr". Buchtipp:

"MM - Das private Archiv von Marilyn Monroe"
Lois Banner, Fotografien von Marc Anderson
Knesebeck Verlag
(KURIER.at) Erstellt am
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