Juan Carlos: Sein Imageproblem

Der 76-Jährige tritt ab - nach einer Reihe von Skandalen und Problemen.

Der spanische Monarch war einst eine Ikone Spaniens - zuletzt ist er in der Gunst der Untertanen aber drastisch gesunken. "Hier musst Du Dir den Thron immer aufs Neue verdienen, Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr", hat der spanische König Juan Carlos einmal gesagt. "Wenn Du das Volk gegen Dich hast, kannst Du einpacken." An diese Weisheit dürfte der Monarch gedacht haben, als sein Ansehen vor zwei Jahren nach einer umstrittenen Großwildjagd in Afrika mächtige Kratzer erhielt. Das Jahr 2012 dürfte für Juan Carlos eines der schwersten und bittersten seit der Thronbesteigung gewesen sein. Böse Zungen sprechen vom "Jahr des Elefanten": Im April war bekannt geworden, dass der König in Botswana an einer Elefantenjagd teilgenommen hatte. ...und das obwohl er sich gerne in der Öffentlichkeit als Tierschützer gab. Der exklusive, 17.000 Euro teure Jagdausflug löste bei den unter Arbeitslosigkeit leidenden Spaniern Empörung aus. Er war nur deshalb publik geworden, weil Juan Carlos sich bei einem Sturz eine Hüfte gebrochen hatte. Die Presse übte ungewöhnlich scharfe Kritik am Monarchen und berichtete erstmals offen und ausführlich über angebliche Eheprobleme des Königspaars. In einer Geste, die in der Geschichte der spanischen Monarchie ohne Beispiel ist, entschuldigte der König sich öffentlich und gelobte Besserung. Als seine Affäre an die Öffentlichkeit kam, lag der Fokus plötzlich auf seiner Ehefrau, Königin Sofia. Diese zeigte ihm dann monatelang die kalte Schulter. Die Tochter des Königspaars, Prinzessin Cristina, und deren Ehemann Inaki Urdangarin setzten die Skandalserie fort. Gegen sie wird wegen des Verdachtes der Korruption ermittelt. Nun macht Juan Carlos also Sohn Felipe Platz, wohl auch um selbst aus  der Schusslinie zu geraten. In einer Umfrage sprachen sich zwei Drittel der Spanier dafür aus, dass Juan Carlos als König abdanken sollte. Juan Carlos hatte sich einst den Thron hart erarbeiten müssen. Als er im November 1975 gekrönt wurde, haftete dem jungen Bourbonen der Ruf an, ein Zögling des Diktators Francisco Franco zu sein, der ihn zu seinem Nachfolger als Staatschef erkoren hatte. Der Monarch überraschte alle Skeptiker damit, dass er die Diktatur nicht fortführte, sondern auf Machtbefugnisse verzichtete und den Anstoß zu demokratischen Reformen gab. Die letzten Zweifler brachte er auf seine Seite, als er am 23. Februar 1981 die junge Demokratie gegen einen Putschversuch von Militärs verteidigte. Der König gewann die Sympathien seiner Landsleute auch durch seine herzliche und offene Art. Als "Bürgerkönig" hält er keinen Hofstaat und lebt auch nicht in einem prunkvollen Schloss. Das Budget des spanischen Königshauses beträgt nur ein Bruchteil der Gelder, über welche die britische Königin Elizabeth II. oder der marokkanische König Mohammed VI. verfügen.

   

(APA / mich) Erstellt am
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