© Katharina Schiffl

Hola Chicas
10/24/2013

Jorge Gonzalez: Mit Stil und Stilettos

Sein kerniges "Hola Chicas!" ist vielen noch aus "Germany's Next Topmodel" bekannt - nun präsentiert Catwalk-Trainer Jorge Gonzalez seine eigene Show.

Als wandelndes Klischee auf Stilettos wurde der ebenso penetrante wie unterhaltsame Catwalk-Trainer Jorge Gonzalez in "Germany’s Next Topmodel" bekannt. Nun will der 46-jährige, gebürtige Kubaner mit seiner eigenen Mode-Talkshow "E! Factor" durchstarten. Im Interview mit dem KURIER gibt der von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidete Gonzalez ganz den Medienprofi, der seit seiner Jugend im sozialistischen Kuba aneckt, aber immer wieder auf den Füßen landet – da können die Absätze noch so hoch sein.

KURIER: Nach Ihrem Durchbruch bei "Germany’s Next Topmodel" haben Sie als Juror schnell Fuß gefasst und versuchen sich nun sogar an einer eigenen Sendung. Sind provokante Paradiesvögel wie Sie ein Erfolgsgarant im Showbusiness?
Jorge Gonzalez:
Ich provoziere nicht, ich polarisiere! Wer nicht dieses gewisse Etwas und das Talent hat, um Leute zum Lachen zu bringen, zu unterhalten, zu motivieren, zu inspirieren, der hat im Showbusiness nichts zu suchen.

Haben Sie vor, mit Ihrer Show "E! Factor" zu provozieren oder möchten Sie in erster Linie nett unterhalten?
Für mich ist es wichtig authentisch zu bleiben mit dem was ich tue, dem was ich sage und dem was ich denke. Ich ecke mit meinen Highheels an, mit meinem Stil, mit meiner Art frei zu sein. Ich trage und mache nun mal, was mir gefällt. "E! Factor" ist die erste und einzige Fashion-Talkshow im deutschsprachigen Fernsehen. In unserer Rubrik "Inspektion" die Looks der Stars auf dem Roten Teppich unter die Lupe und gehen schon mal hart in Kritik bei einem modischen Fauxpas - aber immer konstruktiv. Denn wenn sich ein Star keine Mühe gibt und am Roten Teppich umher schlurft, als würde er gerade Kartoffeln kaufen, finde ich das respektlos gegenüber der Presse, dem Event und den Fans.

"E! Factor" soll Entertainment mit Information verknüpfen – wie kann man sich den informativen Teil der Sendung vorstellen?
Meine Gäste sind nationale und internationale Promis und Fashionistas, wie beispielsweise RTL-Moderatorin Nazan Eckes. Zusammen legen wir das Thema der Sendung fest – beispielsweise "Die Sechziger". Anschließend werden modische Eigenheiten dieser Dekade diskutiert, wie in dem Fall das Aufkommen des Minirocks oder der erste Smoking für Frauen, der 1962 von Yves-Saint-Laurent entworfen wurde.

Ihr Studium der Nuklearökologie sticht aus Ihrem glamourösen Lebenslauf heraus. Wie kam es dazu?
Mein Studium war mein Ticket nach Europa. Denn obwohl ich bereits als Schüler an Biologie, Physik und Mathematik interessiert war, hat es mein Herz schon immer in die Modewelt gezogen. Meine Karriere wäre allerdings in dem Maß in meiner Heimat nicht möglich gewesen.

Sie sind in Kuba geboren und haben dort eine große Familie zurückgelassen. Spielen Sie ab und zu mit dem Gedanken, wieder in Ihr Heimatland zurückzukehren?
Wer weiß - vielleicht setzte ich mich in Kuba zur Ruhe, wenn ich sehr alt bin. Das kommt darauf an, wie sich die Situation dort entwickelt. Momentan ist die Gesellschaft in Kuba noch nicht so weit, jemanden wie mich zu akzeptieren, genau das war das Motiv, warum ich Kuba verlassen habe. Aber eigentlich ist Kuba ein Traum: Schöne Strände, angenehmes Wetter das ganze Jahr, tolle Landschaft.

In Österreich wurde Conchita Wurst alias Tom Neuwirth auserwählt, zum Songcontest 2014 zu fahren, woraufhin es heftige, teils homophobe Reaktionen gab. Finden Sie, dass wir Österreicher in der Hinsicht engstirniger und intoleranter sind als Deutsche?
Wenn Conchita Wurst gut singt und Talent hat, verstehe ich diese Aufregung überhaupt nicht. Leider muss eine Minderheit meistens kämpfen, um akzeptiert zu werden – in Österreich, in Deutschland und vermutlich auf der ganzen Welt. Aber ich finde, wenn eine Person ihre Sache gut macht, ist es komplett egal, ob sie schwarz, weiß, blond, brünett, dünn oder dick ist.

Sagen Sie das auch zu Models, die als zu klein oder zu dick abgestempelt werden?
Um Erfolg zu haben, muss man selbst in der Modewelt nicht unbedingt groß und schlank sein. Schließlich entscheiden die Designer, welchen Typ Frau sie für ihre Kampagne wollen. Es gibt ja auch Beispiele für Models, die nicht dem klassischen Schema entsprechen und trotzdem Karriere gemacht haben, wie Kate Moss, die mit 1,70 verhältnismäßig klein ist.

"E! Factor" läuft ab 28.10.2013, 21:30 auf E! Entertainment - empfangbar bei Sky.

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