Emma Thompson in ihrem neuen Film "Late Night"

© AP/Emily Aragones

Stars
08/18/2019

Hollywood-Liebling Emma Thompson kann auch richtig fies sein

Die Britin im KURIER-Interview über ihre neue Rolle, ihren Mode-Fauxpas bei den Royals und die Zeit ihres Lebens.

von Elisabeth Sereda

Sie ist unglaubliche 60 und durch und durch britisch. „Pathologisch nett und höflich“, wie sie sich beschreibt, besticht sie aber vor allem mit ihrem Humor und der Fähigkeit, über sich selbst zu lachen. Von Shakespeare bis Harry Potter, von Stand-up-Comedy bis Pantomime ist Emma Thompson kein Genre fremd.

In eine Theaterfamilie geboren, ist sie privat seit 24 Jahren mit Schauspieler Greg Wise zusammen und seit 16 mit ihm verheiratet. Sie haben eine gemeinsame Tochter (19) und 2003 einen 16-jährigen Flüchtling aus Ruanda adoptiert.

In ihrem neuesten Film „Late Night“ (Ende August in den heimischen Kinos) spielt die sympathische Londonerin eine höchst unsympathische Talkshowmoderatorin.

KURIER: Fiel es Ihnen leicht, eine Talkshowmoderatorin zu spielen? Haben Sie sich an jemandem orientiert?

Emma Thompson: Ja, aber interessanterweise nicht an einer Frau. Ich habe mir alte Folgen von Johnny Carson und David Letterman angeschaut, denn ich fand, dass meine Rolle (Katherine) ihnen in ihrem Snobismus sehr ähnlich war. Letterman besonders. Er hatte sehr hohe Ansprüche und seine Mitarbeiter fürchteten ihn. Ich war ja als Gast sowohl in der Carson- als auch der Letterman-Show. Und natürlich jemanden so Gemeinen zu spielen, war absolut herrlich. Ich bin ja pathologisch höflich. Und jungen, weißen Männern drüber zu fahren, war auch sehr entspannend!

Sie sind mit Anthony Hopkins auf der Bühne gestanden, der nicht als einfach gilt. Wie sind Sie mit ihm ausgekommen?

Es hilft, dass wir einander ewig kennen und befreundet sind. Wie waren mit "King Lear" im Theater. Ich habe Goneril gespielt, und das war wunderbar. Ich bin von der Rolle seiner Liebe, die ich früher immer war, zu seiner Tochter gewechselt. Und das in diesem Stück, wo das Verhältnis zwischen Vater und Tochter so komplett kaputt ist. Wir haben bei den Proben sehr viel gelacht und uns darüber unterhalten, wie dankbar wir sind, dass wir in unserem Alter immer noch gute Rollen bekommen und wie relaxt wir jetzt sind im Gegensatz zu früher, weil wir nur mehr das annehmen, was uns Spaß macht, und keine Angst mehr haben zu versagen.

Sie wurden von der Queen geadelt und erschienen in weißen Sneakers.

In sehr noblen Sneakers! Die waren von Stella McCartney und sündteuer! Und ich lese ja keine Klatschkolumnen, daher weiß ich auch nicht, ob ich dafür verrissen wurde. Ich war an dem Tag sehr glücklich, meine Familie war mit und ich sehe mir auch keine Fotos an, sondern erinnere mich an Momente. Es war meine Mutter, die gemeint hat ,meine Liebe, die Sneakers verstehe ich nicht ganz.’ Und ich habe ihr erklärt, dass mein Hosenanzug von Stella McCartney designt war und sie vorgeschlagen hat, dass ihre Sneakers nicht nur sehr gut dazu passen würden, sondern auch noch sehr bequem sind. Das hat mir als Grund eingeleuchtet. Und Prinz William hatte auch nichts dagegen!

Wenn es jemals einen Film über Sie gäbe…

Über mich?!

Ja, was war das beste Jahrzehnt in Ihrem Leben?

Die 1980er. Ich habe Pantomime in Paris studiert und auf den Straßen geübt. Dann habe ich eine Comedyshow in Edinburgh gemacht, wo ich schrecklich behandelt wurde, weil sie sehr feministisch und die Schotten damals noch nicht reif dafür waren. Dann spielte ich 1984 und 1985 16 Monate in einem Musical, was mich klinisch depressiv machte. Ich habe zwei Tage nackt mit Jeff Goldblum verbracht, in meinem ersten Film „The Tall Guy“. Ganze zwei Tage nackt, das war meine erste Sexszene. Nicht seine, er hat das mit vielen getan, wie ich hörte. Ich war ja nicht die Einzige. In den 1980ern habe ich die verschiedensten Dinge ausprobiert, denn ich hatte keine Angst vor dem Versagen. Ich war ja nicht berühmt. Oh Gott, zum Glück war ich nicht berühmt! Der Ruhm hat mich erst in meinen späten 30ern erwischt.

Gab es da schwierige Zeiten?

Ja, als meine erste Ehe flöten ging und ich mich von Kenneth Branagh getrennt habe. Da hockten die Paparazzi vor der Haustür, das war nicht angenehm. Und dann jedes Mal, wenn ich einen Scherz machte und der missinterpretiert wurde, weil Humor nicht jedermanns Sache ist. Ironie geht an vielen vorbei.