Guttenberg: Von der Real- zur TV-Satire

Karl Theodor zu Guttenbergs Leben soll Stoff für einen Film abgeben. Der ideale Hauptdarsteller wäre eigentlich Guttenberg selbst, der viele Rollen glänzend spielen konnte.

Guttenbergs Aufstieg und Fall als TV-Film

Aus der Realsatire vom Aufstieg und Stolpern eines deutschen Erfolgspolitikers könnte demnächst ein Film werden, in Form einer TV-Satire, wie der deutsche Produzent Nico Hoffmann sagt.

Karl Theodor zu Guttenbergs vergangene  Jahre hatten tatsächlich viele glamouröse, aber auch leicht ins Überzeichnete tendierende Facetten.

Im Bild: Herr und Frau zu Guttenberg beim Austausch von Zärtlichkeiten auf einem Fronturlaub in Afghanistan. Guttenberg galt in Deutschland nicht nur laut Unfragen immer wieder mal als beliebter als Kanzlerin Angela Merkel. Er war ob seiner vornehmen Herkunft und seines Auftretens auch der Liebling der Gesellschaft. Nicht zuletzt auch dank seiner hübschen Frau Stephanie. Einer, der seine Rolle immer perfekt spielte. Eine Art Zelig des politischen Establishments. Immer stilsicher und angemessen gekleidet. Wo man ihn hinstelle, funktionierte er mit Auszeichnung. Karl Theodor zu Guttenberg, pardon: Dr. Karl Theodor zu zu Guttenberg, machte auch als DJ eine gute Figur. Brilliant in der Rhetorik, witzig und selbstbewußt. Die Deutschen liebten ihn dafür. Ein leichter Hang zum Narzissmus vielleicht - aber wie erfrischend bunt im Vergleich zu seinen Politiker-Kollegen. Seine Truppenbesuche in Afghanistan nutzte er, schicke Outdoor-Bekleidung vorzuführen, wie sie zwischen Hamburg, Düsseldorf und Kitzbühel gerne gekauft und getragen wird. Ob am Tegernsee oder am Militärflughaben - Stil muss der Mann eben haben. Und dann natürlich das Gesellschaftliche. Gerne gesehene Gäste in Bayreuth: das Ehepaar Guttenberg. Wie auch im vergangenen Festspielsommer in Salzburg, spontan angereist zu einer "Jolanta"-Charity-Vorstellung mit Anna Netrebko. Kurzes Kleid von Stephanie zu Guttenberg - kein Problem, man war ja zu diesem Zeitpunkt nicht mehr staatsmännisch, sondern privat. Volksfern und volksnah gleichzeitig - das Volk liebt Politiker, die alle Rollen gleichzeitig spielen können. Dann war da noch die Rolle als Akademiker. Hier hatte Dr. zu Guttenberg das Kleingedruckte zum Thema Plagiat wohl nicht eingehend genug studiert. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hatte auf einmal statt eines Blockbuster-Politikers in den eigenen Reihen ein Problem. In diesem Buch stand alles über den Fall des Lieblings der deutschen Presse und Wähler.


Im Bild:
Dr. zu Guttenbergs Dissertation So schnell kann es gehen ... Wegtreten hieß es für den Verteidigungsminister. Abgang.

Im Bild: Mit dem neuen deutschen Verteidigungsminister Thomas de Maiziere und dem neuen Innenminister Hans-Peter Friedrich. Und dann noch den Spott dazu. Der Liebesentzug der Deutschen war deutlich. Den Spott hat ja bekanntlich, wer den Schaden hat. Angela Merkel hat sicher auch schon mehr gelacht. Dabei nahm sich der Erfolgspolitiker wirklich Zeit mit dem Werfen des Handtuchs. Ging schnell noch mal mit ein paar Freunden auf ein Bier, um sich mit ihnen zu beraten.

(In Österreich, man darf wetten, wäre er noch im Amt.) Nicht nur Deutschland wird es vermissen: Guttenberg mit Prada-artiger-Kugelweste und dem Helm in der Hand an der afghanischen Front. Entweder haben sie die Bilder im Hinterland geschossen. Oder mit den Taliban einen Waffenstillstand vereinbart. Regisseur Wolfgang Petersen ("Independence Day") hätte es nicht besser inszenieren können. Aber all die vielen Truppenbesuche nutzten nichts. Schließlich musste der Verteidigungsminister die Demission einreichen. Für den Guttenberg-Film wird der Hauptdarsteller jedenfalls eine Menger schicker Kostüme brauchen: Von Camouflage-Look bis Lederhose und Smoking. Am Ende gab Karl Theodor zu Guttenberg noch glaubhaft das zerknirschte Opfer einer Medienkampagne. Witzig für jemanden, der ja vorher bekanntermaßen den Kontakt zu Fernsehen oder Zeitungen nie gesucht hatte. Sie hatten ihn einfach immer gestalkt, die Journalisten. Applaus ist Guttenberg jedenfalls sicher. Vom deutschen Filmpublikum wie auch von den Studenten der Uni in Washington, wo er demnächst aus dem Fach der Politik plaudern wird.
(KURIER.at / ar, am) Erstellt am
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