Gemischtes Doppel: Treffen der Generationen

Nina Siegl, 19, Tochter von SOKO-Donau-Star Dietrich, entstammt einer Schauspielerfamilie. Ihre Oma Ingrid Burkhard, 80, die einst als Toni Sackbauer Erfolge feierte, ist noch immer ein gefragter Bühnenstar. Da bleibt nicht sehr viel Zeit zum Reden.

"Das Leben ist kein Rosengarten"

freizeit-KURIER: Frau Burkhard, Frau Siegl, wie würden Sie Ihre Oma-Enkel-Beziehung beschreiben?
Nina Siegl: Wir haben eine Fernbeziehung.
Ingrid Burkhard: Ja, das stimmt. Ich weiß gar nicht, wann wir einander das letzte Mal gesehen haben. Deshalb bin ich auch sehr froh, dass Sie dieses Interview machen.
Siegl: Das ist wirklich schon lange her, was aber nichts macht. Jedes Mal, wenn ich die Oma sehe, ist es so, als hätten wir uns erst ein paar Stunden vorher verabschiedet.
Burkhard: Wir fremdeln nicht. Wie läuft so ein Treffen zwischen Ihnen ab? Gibt es bestimmte Themen, die Sie gerne miteinander besprechen?
Siegl: Also, wenn wir einander sehen, reden wir über ...
Burkhard: (lacht) ... gar nichts! Oder übers Essen, weil die Nina als Kind so verfressen war.

Ist es nicht so, dass Sie als Oma in die Rolle der
Ratgeberin schlüpfen, Frau Burkhard?
Burkhard: Nein, ich habe doch bitte nichts mitzureden.
Siegl: Das stimmt jetzt so auch nicht, Oma.
Burkhard: Ich bin ja auch keine Oma, die betütelt. Vielleicht sage ich der Nina, dass sie sich wärmer anziehen soll, damit sie nicht krank wird. Mehr aber nicht.

Weil Sie erzählt haben, dass Nina gerne isst. Da müssten Sie als Oma eigentlich sofort die Kochlöffel schwingen.
Burkhard: Wann denn? Ich bin ja nie zu Hause.
Siegl: (lacht) Oh ja, ein Butterbrot kann ich immer haben.
Burkhard: Das stimmt natürlich. Und zu Weihnachten koche ich jedes Jahr auf, dass die Töpfe nur so rauchen. Eine bemutternde Oma scheinen Sie nicht zu sein, dafür eine sehr lebenserfahrene. Sie waren mit Ihrem Mann Hannes Siegl bis zu seinem Tod 56 Jahre verheiratet. Haben Sie ein Rezept für die glückliche Ehe?
Burkhard: Das ist eigentlich ganz einfach. Wir haben uns gern gehabt. Als wir geheiratet haben, waren wir beide 22 Jahre alt – und uns trotz unserer Jugend bewusst, dass eine Ehe kein Kinderspiel und nicht immer lustig ist. Bei uns war es aber hauptsächlich lustig. Wir haben uns getroffen und die Sache war entschieden. Das war ein Geschenk, das wir gehütet haben.
Siegl: Ich finde es schön, dass das bei euch so war. Heute sind Kinder stolz drauf, wenn sie mit 13 schon fünf Freunde hatten. Ich habe diese Entwicklung in der Schule live miterlebt. Ich hatte Glück und gehöre zu einer Generation, wo es noch ein bisschen anders war.
Burkhard: Ich habe das Gefühl, dass zu dieser Entwicklung nicht nur die Jugend, sondern auch die Medien beigetragen haben. Die Mädchen stehen unter Druck und fühlen sich nicht angenommen. Wenn sie keinen Freund haben, fragen sie sich dann, ob das normal ist.
Siegl: Ich habe diesen Druck bei anderen Mädchen oft miterlebt. In jeder Jugendzeitschrift wird heute über das berühmte "Erste Mal" geschrieben und wie man sich darauf vorbereiten soll. Auf so etwas kann man sich nicht vorbereiten. Verwirrend sind auch diese Psycho-Tests, um herauszufinden, ob man sexy ist. So eine Feststellung lässt sich aber nicht pauschal treffen.
Burkhard: Der Druck ist nichts Gutes. Jungen Menschen mit vielen Beziehungen ist mit 30 Jahren fad. Das Austauschbare kann nicht der Sinn einer Verbindung sein. Was ist für Sie der Sinn einer Verbindung?
Burkhard: Was meinen Sie jetzt? Den Sex?

Sex wollte ich jetzt gar nicht thematisieren.
Burkhard: Das kommt noch, ich spüre das. Es gibt keine Interviews, wo Sex nicht thematisiert wird. Ich meinte eher, was die Einzigartigkeit einer langen Verbindung generell ausmacht.
Burkhard: Ich glaube es ist das Vertrauen, das entsteht, wenn man sich dazu entschlossen hat, in einer gewissen Form zusammenzuleben. Da zu sein für den anderen und Fehler einzugestehen, ohne sich zu schämen. Ninas Eltern sind ja auch schon lange zusammen.
Siegl: Darüber bin ich auch wirklich sehr froh. Ich bin behütet aufgewachsen. Meine Eltern und meine Großeltern waren in Sachen Beziehung sicher ein Vorbild für mich. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich mit meinem Freund so gerne zusammen bin. Bei Freundinnen, die "nur" mit der Mutter oder "nur" mit dem Vater aufgewachsen sind, ist das alles ein bisschen schwieriger. Natürlich geht das auch, aber eben nicht so leicht.
Burkhard: Was mich an den Beziehungen heute so stört, ist diese Wahnsinnsplanerei. Die Frauen machen zuerst Karriere und wenn sie 36 sind, beschließen sie ein Baby zu kriegen. Ein Kinderwunsch muss von Herzen kommen, dann klappt es auch. Ich habe nichts dagegen, dass Frauen Familie und Karriere vereinbaren. Da bin ich emanzipatorisch, weil ich das ja auch so gemacht habe. Aber diese Planerei ist furchtbar.
Siegl: Liebe lässt sich eben nicht planen. Frau Burkhard, sie waren auch im Fernsehen nur mit einem Mann zusammen, dem "Mundl". Sie haben in der Serie "Ein echter Wiener" eine sehr tolerante Ehefrau gespielt. Hatte dieser Charakter Einfluss auf ihr echtes Leben?
Burkhard: Ich konnte das unterscheiden, die Zuschauer nicht. Die Leute haben mich oft mit "Toni Sackbauer" verwechselt und mich auf der Straße gefragt: 'Sie Arme, wie halten Sie es mit diesem Mann aus?' Ich musste Aufklärungsarbeit leisten. Der "Mundl" ist ein Rüpel, aber auch ein guter und treuer Familienvater, der manchmal ausrastet. Daraus kann man lernen, dass eine kluge Ehefrau ruhig bleibt und ihrem Mann hilft, runterzukommen. Sie lenkt mit den richtigen Worten die Situation in eine Richtung, die ihr behagt.
Siegl: Und zusätzlich lässt man den Mann glauben, alles wäre seine Idee gewesen.
Burkhard: Genau so ist es richtig.

Nina, sie sind 19 und wollten eigentlich Schauspielerin werden. Wie sieht es mit diesen Plänen aus?
Siegl: Bis vor kurzem war es so, aber ich sehe mich nicht selbst vor der Kamera. Ich habe kurz Englisch und Theaterwissenschaften studiert, was mir aber viel zu theoretisch war. Mittlerweile habe ich ganz andere Pläne.
Burkhard: Das Studium war für den Hugo, das habe ich dir gleich gesagt.

Gut, dass ich Theaterwissenschaften studiert habe.
Burkhard: Oh, Entschuldigung! Ich bin einfach mehr die Frau der Tat, Praxis ist wichtig.
Siegl: Ich auch. Ich kann nicht mit 500 Menschen in einem Hörsaal sitzen und zuhören. Ich muss etwas tun. Deshalb möchte ich Tiertrainerin werden. Tiere waren mir schon immer wichtig und da ich familienbedingt auch eine Liebe zu Film und Fernsehen habe, möchte ich Tiertrainerin beim Film werden.
Burkhard: Das verbiete ich dir. Mit Tieren zu drehen oder zu spielen ist schrecklich. Da bist du immer der Trottel.
Siegl: Es gibt Schlimmeres Oma, glaubst du nicht?
Burkhard: So meine ich das nicht. Ich spiele gerade in den Kammerspielen "Ralph und Carol", ein Stück, in dem ein Hund vorkommt. Wenn der Hund auftritt, können wir heimgehen. Der stiehlt uns allen die Show. Bei Kindern ist es genauso. Das ist ja selbstverständlich, weil sie das Unberührte haben. Da ist nichts verstellt.
Siegl: Tiere lügen nicht. Du merkst sofort, ob sie dich mögen oder nicht. Ich freue mich schon sehr darauf, mit ihnen zu arbeiten. Nina steht am Anfang ihres Lebens, Frau Burkhard. Wären Sie gerne noch einmal 19?
Burkhard: Nein, wer weiß, ob ich wieder so viel Glück hätte, beruflich wie privat. Ich musste nie Klinken putzen gehen. Und das Leben ist kein Rosengarten.
Siegl: Eh nicht. Für mich ist das Leben ein Ponyhof.
Info: Ingrid Burkhard ist im Stück "Ralph und Carol"  in den Wiener Kammerspielen zu sehen. Dietrich Siegl feiert am 24. November mit "Blütenträume" Premiere. 

Nina Siegl, 19, Tochter von SOKO-Donau-Star Dietrich, entstammt einer Schauspielerfamilie. Ihre Oma Ingrid Burkhard, 80, die einst als "Toni Sackbauer" Erfolge feierte, ist noch immer ein gefragter Bühnenstar. Da bleibt nicht sehr viel Zeit zum Reden. Dabei hätte Nina ihre Oma so vieles gerne gefragt – zum Beispiel, wie man 56 Jahre verheiratet bleibt. Da kommt ein Interview im Doppelpack gerade recht.
(kurier) Erstellt am
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