Hollywoods Außenseiterin

Die Golden Globe-Gewinnerin spielt sich schon zum zweiten Mal in die Top-Liga Hollywoods.

Als Angela Chase genießt sie bei vielen heute noch Kultstatus. Der 90er-Jahre Grunge-Generation und ihrem "No Future"-Lebensstil gab Claire Danes als Teenager in der Serie "Willkommen im Leben" ein hübsches Gesicht. Nur 19 Folgen wurden 1994 produziert, dennoch avancierte die Coming of Age-Geschichte um ein schüchternes, ernstes Highschool-Mädchen zur vielgelobten Jugendserie. Sogar einen Golden Globe gab es für die damals 15-jährige Danes. Eigentlich galt die New Yorkerin als zu jung für die Figur, doch wegen ihres herausragenden Talents wurde ihr die Rolle zugesprochen. Ihr Filmpartner Jared Leto war 22. Von ihrem großen Schauspieltalent schwärmen nicht wenige Regisseure. Danes ist das Kind eines Künstlerpaares - der Vater Architektur-Fotograf, die Mutter Malerin und Textil-Designerin. Die Eltern legen Wert auf die Ausbildung ihrer Tochter. Eine Rolle in "Schindlers Liste" muss die 12-Jährige absagen, weil ihr kein Schulunterrricht während der Dreharbeiten in Polen garantiert werden kann. Den Sprung nach Hollywood schafft sie dennoch schon in jungen Jahren. Nach "Willkommen im Leben" dreht sie mit 16 "Betty und ihre Schwestern" - neben bekannten Stars wie Susan Sarandon und Winona Ryder. "Ein amerikanischer Quilt" folgt 1996. Claire Danes war  bereits ein durchaus bekannter Name in der Branche als der große Durchbruch kam. Mit Leonardo DiCaprio spielt sie 1996 in "Shakespeares Romeo und Julia" und gilt fortan an als Teenie-Schwarm der 90er. Der Hit von Baz Luhrmann macht DiCaprio als auch Danes zu den größten Jungstars ihrer Zeit. Auch eine Liaison wird ihr zu dieser Zeit mit Milchbubi Leo nachgesagt. Doch der ist bald Geschichte. Stattdessen wird Matt Damon ihr Love Interest. Während der Dreharbeiten zu Francis Ford Coppolas "Der Regenmacher" lernen sie sich kennen und lieben. Die Romanze dauert allerdings nur Jahr. Anders als viele ihrer Kolleginnen, die stets hartnäckig versuchen noch bekannter zu werden, geht sie 1998 einen ungewöhnlichen Weg im Filmgeschäft. Am Zenit ihres Erfolges im Showbiz, verabschiedet sich die damals gerade einmal 20-Jährige vom Hollywood-Rummel. Sie will lieber Psychologie studieren. Regisseur Oliver Stone persönlich verfasst das Empfehlungsschreiben für Yale, wo schon ihr Großvater als Professor tätig gewesen war und auch ihr Vater studiert hat. Vier Jahre geht sie zur Uni, währenddessen ist Danes mit dem australischen Musiker Ben Lee liiert. Auf Partys der Highsociety sucht man sie vergebens. Ihren Abschluss macht sie allerdings nicht. Sie sehnt sich wieder nach den schauspielerischen Herausforderungen, schmeißt das Studium hin und geht zurück zum Film. Sie will sich wieder vor der Kamera beweisen, so viele verschiedene Figuren wie möglich spielen, auch wenn es nur kleine Rollen sind. 2002 spielt sie in dem New Yorker Film "Igby" mit, dann folgt das vielgelobte Werk "The Hours" mit Nicole Kidman und Meryl Streep. Dass Danes auch ganz anders kann, als immer nur starke Charakterrollen zu spielen, beweist sie 2003 in "Terminator III - Rebellion der Maschinen". Auch im Actionmétier funktioniert's - den Ausflug hat sie allerdings bislang nicht wiederholt. Und Komödien. Für das romantische "Shopgirl" wird sie 2005 sogar für den Satellite Award nominiert, auch wenn der Film selbst an den Kinokassen floppt. Mit Ben Lee ist schon 2003 Schluss, der Neue an Claires Seite wird Schauspieler Billy Crudup. Der hatte Mary-Louise Parker verlassen als sie im siebenten Monat schwanger war. Ob er damals schon ein Verhältnis mit Danes hatte, ist unklar. Kurz nach der Trennung galten die Co-Stars aus "Stage Beauty" jedenfalls als Paar. Von 2004 bis 2006 hielt die Liebe aber nur. Danach verliebte sich Claire Danes wieder einmal am Set in einen ihrer Kollegen. Hugh Dancy hatte sie bei den Dreharbeiten zu "Evening" kennengelernt. Seit 2007 gelten sie als Paar. Seit 2009 sind sie verlobt, ihr gemeinsamer Sohn Cyrus Michael Christopher Dancy kam im Dezember 2012 zu Welt. Beide konnten sich nicht nur vor der Kamera sondern auch in Theaterstücken am Broadway beweisen. Seit 2011 hat Claire Danes aber vor allem mit der Serie "Homeland" zu tun. Darin spielt sie eine psychotische CIA-Agentin, die glaubt der entführte Soldat Brody sei als ein Schläfer von al-Qaida-Terroristen aus dem Irak zurückgekehrt. Die extrem spannend inszenierte Serie von Showtime wird mit Preisen überhäuft. Von Emmy bis zum Golden Globe reicht die Palette. Sogar Steven Spielberg erklärte sich zum großen Fan von "Homeland" Die zweite Staffel wird gerade in den USA ausgestrahlt. Ab 3. Februar zeigt auch Sat 1 die erste Staffel von "Homeland" (22:15). Ab 27. Jänner kann man sich die erste Folge bereits online ansehen. Schon im Vorjahr wurde Danes als beste Schauspielerin einer Serie mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Und auch heuer konnte ihr den Globe für ihre Darstellung der Carrie Mathison niemand streitig machen. Claire Danes ist nach ihrem kometenhaften Aufstieg in den 90er Jahren jetzt wieder in der Top-Liga Hollywoods angekommen - und das ganz ohne viel Tamtam und großen Posen. Still und heimlich, aber mit einer ordentlichen Portion Talent hat sich die freiwillige Außenseiterin Hollywoods in die A-Liste gespielt. Dabei hat sie nie spekuliert, keine Rollen angenommen, die viel Publicity gebracht, sie als Schauspielerin aber nicht gefordert hätten. Die Rechnung ist aufgegangen. Selten aber doch, klappt es in Hollywood also auch mit Qualität - und sonst nichts.

  

(KURIER) Erstellt am
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