Bühne frei für die Spitzen der Politik

Festspiele von Mörbisch bis Salzburg sind für Politiker eine Bühne, um zu sehen und gesehen zu werden. Wer warum wohin geht und wer sich rar macht.

Harald Serafin kennt "einige, die nicht einmal wussten, wie man 'Kultur' schreibt, bevor sie Politiker wurden". Der Intendant der Festspiele Mörbisch sagt diesen Satz auf die Serafin-Art. Spitzbübisch, er lacht dabei. Aber es ist auch klar: Der Satz hat einen wahren Kern. Die Festspiel-Saison ist für Politiker auch Blitzlicht-Saison. Sie können sich präsentieren wie sonst allenfalls im Fußballstadion; bei den Festspielen gibt es das gediegene Hochkultur-Flair noch gratis obendrauf.

Im Bild: Operetten-Couple: Mörbisch-Intendant Harald Serafin (links) und Landeshauptmann Hans Niessl als Aushängeschilder des Burgenlandes Heinz Fischer weiß, wie man 'Kultur' schreibt. Er ist als Kulturliebhaber bekannt, und er ist auch heuer wieder der Spitzenpolitiker, der die meisten Festspiele besucht. Mit der Leichtigkeit des Elder Statesman navigiert der Bundespräsident durch den Kultursommer 2011; eröffnet mal hier, mal da ein Festspiel. Gleich sechs Premieren besucht der höchste Repräsentant der Republik diesen Sommer: Erl, Salzburg, Bregenz, den Carinthischen Sommer, das Attersee-Festival und die Festwochen der Alten Musik in Innsbruck. 

Im Bild: Immer erste Reihe fußfrei: Bundeskanzler Werner Faymann mit Gattin Martina Ludwig-Faymann (links) und Bundespräsident Heinz Fischer mit seiner Frau Margit bei der Eröffnung der Bregenzer Festspiele 2011 Außenamts-Staatssekretär Wolfgang Waldner plant fünf Kultur-Stopps; an vier Festspielorten finden sich Kulturministerin Claudia Schmied, Heeresminister Norbert Darabos und Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ein. Prammer besucht dabei jeweils mehrere Vorstellungen – aus Interesse, lässt sie wissen, und nicht, weil sie möglichst oft in den Medien sein wolle. 

Im Bild: Frauen-Connection: Heinisch-Hosek, Barbara Karlich Das sei sowieso ein Vorurteil gegenüber Politikern, glaubt Alfons Haider. Der Schauspieler und
Intendant der Festspiele Stockerau sagt: "Es gibt sicher ein paar, die sich Termine da- nach aussuchen, wo Fotografen sind. Es gibt aber auch die, die einfach das Stück sehen wollen." 98 Prozent der Politiker würden darauf bestehen, ihre Karten selbst zu zahlen. 

Im Bild: ÖVP-Connection: Ex-Vizekanzler Pröll (links) mit Berlakovich in St. Margarethen Für Serafin ist es eine symbiotische Beziehung: "Die Politik braucht uns. Wir brauchen sie. Kultur funktioniert ohne Politik nicht mehr, weil sie viel zu teuer geworden ist." 

Im Bild: Schirmherren: Vizekanzler Spindelegger (links) und Umweltminister Berlakovich mit Gattinnen in Mörbisch Dem Publikum wiederum bringe die Anwesenheit von Politikern "das Gefühl, auf Augenhöhe zu sein. Das bekommt man so sonst nirgends, auch nicht im Fußballstadion." Haider sieht das ähnlich: "Es kommen nicht 300 Leute mehr, weil ein Minister da war. Aber das Theater ist ein neutrales Umfeld. Die Hemmschwelle ist niedriger, einmal hinzugehen und die Hand zu schütteln." 

Im Bild: Festspielauflauf: Bürgermeister Schaden, Festspiel-Präsidentin Rabl-Stadler, Burgstaller, Fischer mit Gattin Und was ist mit dem Drang mancher Politiker, sich so zu profilieren? KURIER-Societyexperte Karl Hohenlohe sagt, es gebe "selbstverständlich peinliche Vorfälle einschlägiger Volksvertreter". Wie jenen ehemaligen Salzburger Landeshauptmann, "der der Queen bei Festspielen Mozartkugeln überreicht und gesagt hat: 'These are the balls of Mozart.'" – Mozarts primäre Geschlechtsmerkmale also. 

Im Bild: Festpielduo: SPD-Chef Sigmar Gabriel (li.), Kanzler Faymann in Salzburg Für Politiker bleibt der Festspielsommer so eine Gratwanderung zwischen bühnenreifem Auftritt und Vortritt für das Bühnen-Geschehen. Magischer Politiker-Magnet sind 2011 mehr denn je die Salzburger Festspiele: Neben Kanzler Faymann und Vize Spindelegger waren neun Minister bei der Eröffnung zu Gast.

Im Bild: Minister Töchterle mit Gattin Keine Festivals besuchen heuer Verkehrsministerin Bures und Grünen-Chefin Glawischnig. 

Im Bild: Präsidentiell: Barbara Prammer trotzt Dauer-Regen FPÖ-Chef Strache will nicht verraten, ob und welchen Festspielen er seine Aufwartung macht.
"Aus Sicherheitsgründen", lässt der blaue Frontmann hoch dramatisch verlauten.

Im Bild: Katastrophenschutz: Heeresminister Norbert Darabos trotzt in Mörbisch der Sintflut
(KURIER) Erstellt am
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