Ballroom-Geflüster von Dieter Chmelar

Ein An-Ekker nimmt die Party in Geiselhaft.

Bei der dritten Folge von Dancing Stars wurde es für alle Teilnehmer ernst – endlich. Nach einer Woche militärischen Tanztrainings mussten fünf Promi-Damen gegen fünf Promi-Herren tanzen. Ein Kampf der Geschlechter? Eher nein, ein Kampf gegeneinander, bei dem alles zählt, nur nicht die Tanzkünste. Dancing Stars ist und bleibt eine Show der Sympathien, und daher hieß es auch am Freitag erneut: Dieses Paar konnte das Publikum nicht überzeugen.
Im Bild (von links): Moderator Klaus Eberhartinger, Maria Jahn, Michael Schönborn und Mirjam Weichselbraun. Ob gerecht oder ungerecht (Ekker war sehr streng), hätten Sie öfter für ihr Lieblingspaar angerufen. Daher mussten sich Fans von Michael Schönborn und Maria Jahn verabschieden.
Die Startnummer eins scheint kein Glück zu bringen: Bereits vergangene Woche schied Albert Fortell mit dieser Nummer aus, nun war es Michael Schönborn. Der zuvor noch im KURIER-Interview meinte, wie schwer der Jive sei, da er zählen lernen musste – "zumindest bis acht".
Der "Freestyler", wie er sich selbst bezeichnet, zeigte dieses Mal, dass er sich auch alleine bewegen kann. Der Takt wurde dabei ein bisserl vernachlässigt, aber für einen absoluten Nichttänzer trotzdem ein guter Anfang. Tanzprofi Jahn setzt die Schauspielerfahrung ihres Partners perfekt ein und gestaltete die Choreographie erneut witzig. Juror Balász Ekker suchte die Jive-Schritte: "Weil die waren ja nicht vorhanden." Nicole Burns-Hansen: "Ich habe ein paar Jive Schritte gefunden, aber immerhin war es sehr unterhaltsam. Sie sind einfach außerirdisch." Was soll man zu solch einer Kritik sagen? "Danke". 15 Punkte Schönborn war ein guter Verlierer: "Schade", meinte er nur bei der After-Show-Party und feierte trotzdem. Ein kleiner Trost bleibt: Nun ist es nicht mehr so stressig für den Schauspieler - mit Tanzproben tagsüber und "Sister Act"-Vorstellung nachts. Mit Thomas Schäfer-Elmayer tauschte Schönborn ein paar Erinnerungen an Vorarlberg aus. Beide stammen von dort. Und witziges Detail: Die Mütter der Herren kennen einander sehr gut. Klein ist die Welt. Auf den Jive folgte der Tango – getanzt von Sängerin Petra Frey und Vadim Garbuzov. Im Vorfeld meinte eine verzweifelte Frey noch, dass sie den Tanz überhaupt nicht verstanden habe, am Parkett war davon nichts zu bemerken. In der Vorwoche verriet die Sängerin dem KURIER, dass sie große Angst davor hatte, während des Tanzes zu Lachen anzufangen. Beim Tango sollte man nämlich ernst bleiben. Doch es folgte ein für den Laien sehr schön getanzter Tango, an dem nur die Jury ein wenig auszusetzen hatte. 
 
Garbuzov, der erst vor kurzem seinen Präsenzdienst leistete, hatte im Publikum sportliche Freunde in Bundesheeruniform sitzen. Möglicherweise sollte die Jury eingeschüchtert werden. Schäfer-Elmayer fand die Darbietung gut, doch dann kam Hannes Nedbal: "Es wurde nicht in den Boden hineingetanzt. Aber das Lachen zwischendurch kann man durchaus positiv sehen." Passable Kritik. 28 Punkte Bei Jungschauspieler David Heissig kann Katrin Menzinger zeigen, dass sie eine perfekte Ausbildnerin ist: Streng und immer darauf bedacht, die meiste Leistung aus ihrem Partner rauszukitzeln. Wie beim Bundesheer: Bei Nichtbefolgen des Befehls gab es gleich eine Strafe: Liegestütze. Ob Menzinger das von ihrem Freund Vadim Garbuzov abgeschaut hat?
 
Beim Jive schlug sich Heissig ganz gut, wobei das Hauptaugenmerk auf Menzingers Kleid lag. "Du siehst aus wie eine Autowaschanlage!" (Moderatorin Mirjam Weichselbraun)
 
Ekker: "Cool – ich habe die Haare gemeint. Es war gut, du hast auch Schritte gezeigt, sogar Jive Schritte." Schäfer-Elmayer: "Ich könnte jetzt etwas über deine (Ekkers) Haare sagen. Aber lassen wir das. Es war im Takt und es war schön anzusehen." Heissig hatte es nach Mitternacht sehr eilig nach Hause zu kommen. Der Jungschauspieler wollte seine Performance erneut in der Wiederholung sehen und selbst beurteilen. Die Kritik von Balász Ekker nahm er sich nicht zu Herzen: "Der Balász kann sagen was er will." Nervös war der 22-Jährige aber dieses Mal doch: "Ich hatte Angst, dass ich die Schritte vergesse." Die Verletzungen schlugen wieder zu: Doch nicht nur bei den Promis, sondern auch bei den Profis: Florian Gschaider litt unter einer Augenentzündung. Der Grund, warum er den Tango mit einer Sonnenbrille absolvierte. Im Vorfeld meinte Sueli Menezes; "Der Tango ist so ein erotischer Tanz, man blickt tief in die Augen und was sehe ich? Diese roten, entzündeten Augen und muss lachen."
 
Die größte Herausforderung für Menezes war es sich gerade zu halten. "Ich wackele immer mit dem Popo", der Jury gefiel es und dem Publikum auch. Ihr Glücksbringer: Ein Bild ihres Großvaters, dass sie sogar beim Tanzen an ihrem Busen versteckte.
 
Burns-Hansen: "Sueli, du bist ein Powerfrau! Dein Temperament passt absolut zum Tango." Ekker: "Florian, du hast es geschafft hier wieder Leidenschaft reinzubringen." Die positive Wertung schlug sich auch in der höchsten Punktezahl nieder: 30 Punkte Moderator Wolfram Pirchner stimmte sich auf seinen Jive mit merkwürdigem spanischen Akzent ein, den seine Tanzpartnerin Anna Bock so gar nicht sexy fand. Ob es dem Tanz half? Nicht unbedingt. Amüsant anzusehen war es allemal.
 
Nedbal: "Das zu bewerten ist eine schwere Aufgabe. Ich habe keinen einzigen Basic-Schritt gesehen." Pirchner: "Doch: Den hier", und zeigt ihn vor. Nedbal: "Ja, aber der war nicht im Takt. Und die Merengue-Hüfte fehlte auch." Schäfer-Elmayer: "Ich finde der Jive passt sehr gut zu Ihnen. Mit der Ausstrahlung sieht man über die anderen Sachen hinweg."
 
Pirchner nahm diese Kritik nicht so gut an. "Es war ein absoluter Mental-Jive: Nix im Kopf, nix in den Füßen." Balász Ekker ließ sich bei der Punktevergabe zu einer lächerlichen 1 hinreißen. In der ersten Sendung noch viel zu milde, scheint er nun ordentlich Pfeffer zu haben - etwas zu viel. Es sind ja Menschen dabei, die nie tanzen. Mit 12 Punkten die niedrigste Jurywertung des Abends.  Moderator und Sänger Marco Ventre tanzte mit Babsi Koitz einen stilvollen Tango. Eiserne Disziplin und kleinere Streitigkeiten führte das Paar durch die Proben, es lohnte sich. Auch Ehefrau Patricia schien das zu finden und applaudierte kräftig.
 

Burns-Hansen: "Ich bin überrascht, dass dein Tango schon sehr gut war. Die Schritte waren schön groß, am Gesichtsausdruck musst du noch arbeiten."Nedbal: "Das war kein Tango, das war derartig lieblich." Oje, der Nedbal war wieder streng.
Nicht Militär, sondern Polizei ist es, die Ventre in Wien verfolgt: Mehrere Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens und Falschparkens. Eberhartinger: "Du tanzt ja für die Polizei." 21 Punkte Gerhard Egger hat mit Erotik-Unternehmerin Dolly Buster ein hartes Los gezogen – die Dame kann halt nicht gut tanzen. "Ich habe kein Konzept mehr", meinte Egger im Vorfeld.
 
Beim Jive setzte Egger Dollys Vorzüge gekonnt ein und tanzte ansonsten für zwei. Aber auch Buster schlug sich wacker, zeigte viel Bein und Hebefiguren und brachte das Saalpublikum zum Jubeln.
 
Ekker: "Ich finde es cool, dass jemand, der in den Zeitungen immer als Tussi rüberkommt, hier als Tussi auftritt." Dolly konterte perfekt: "Ich sorge dafür, dass auch Minderheiten im ORF tanzen."
Burns-Hansen: "Gerhard, dein jahrelanges Yogatraining hat sich bewährt. Du hattest die Geduld Dolly den Jive beizubringen. Die Kicks waren richtig toll."
Unglaublich, aber wahr: Buster freute sich auf den schweren Jive: "Wenn ich schon einen Tanz nicht tanzen kann, dann lieber einen schweren und der Jive ist einer." 24 Punkte Mit Spannung wurde der Tango von Frenkie Schinkels und Roswitha Wieland erwartet. Der ehemalige Fußballprofi hatte nur zehn Stunden Zeit, um die Choreographie zu erlernen. Er hatte eine schwere Zahnentzündung und wurde erst vergangenen Freitag (nach der Show!) operiert. Doch als echter Sportler wollte Schinkels natürlich kein Mitleid und tanzte tapfer durch. Die Choreographie war daher ein wenig abgespeckt.
 

 
Dafür tanzte Herr Schinkels besser als so manch männlicher Kollege.
 
Von der Jury gab es Anerkennung: Nedbal: "Eine gewisse Begabung war zu erkennen." Immerhin. Schäfer-Elmayer: "Uns ist schon aufgefallen, dass etwas mit der Choreographie nicht stimmte. Aber es waren schöne Schritte dabei." 21 Punkte Die Überraschung des Abends war eine unglaublich gelenkige Brigitte Kren, die mit Profi Willi Gabalier einen schwungvollen Jive mit vielen Hebefiguren tanzte. Im Publikum übrigens auch der Bruder des Tanzprofis "Echo"-Gewinner Andreas Gabalier.
 

Burns-Hansen: "Wenn du tanzt, bist du in deinem Element. Ich war so erstaunt. Das war der beste Jive heute." Nedbal: "Was mir sehr gefällt, sie sind so authentisch. Aber ein bisserl Konditionsschwächen waren zu sehen." Die positive Kritik sorgte für eine neun von Burns-Hansen und insgesamt 30 Punkte. Dass das Tanzen der Schauspielerin Spass macht, konnte man ihr ansehen. Kein Wunder, gehört doch der Jive zum Lieblingstanz der beiden. Auf der anschließenden Party freute sich Frau Kren besonders darüber, dass Andreas Gabalier seinen Echo mitgenommen hatte. Den durfte sie dann auch halten. Doch nur kurz, denn ... ... mit nach Hause nahm ihn dann doch der Sänger. Gabalier war noch immer im Freudentaumel über seinen Gewinn am Vortag. "Das ist schon etwas ganz Besonderes, es ist ein großer Musikpreis, der von so vielem abhängig ist - Zahlen, Publikum, ob man selbst komponiert. Für einen kleinen Steirerbuam ganz toll." Seinem Bruder Willi drückt er ganz fest die Daumen und hofft natürlich, dass er gewinnt. Selbst ist Gabalier allerdings kein Tänzer: "Meine tänzerischen Fähigkeiten beschränken sich auf den Hüftschwung bei `I sing a Liad für di` und der ist nicht hervorragend." Eine vom Muskelkater gequälte Eva Maria Marold zeigte mit Profi Thomas Kraml einen schönen Tango, der sehr leidenschaftlich wirkte. Schäfer-Elmayer: "Eine tolle Choreographie. Ich gratuliere zu diesem Tango." Ekker: "Sie haben gezeigt, worauf es beim Tango ankommt, aber ihrem Partner sollten Sie das auch beibringen." Trotz Lob nur 27 Punkte. Nach zehn Tänzen wurde wieder deutlich, wie groß der Unterschied zwischen Damen und Herren tatsächlich ist. Die Damen tanzen auf sehr hohem Niveau, die Herren versuchen zu tanzen, manchen gelang es. Auf der Party fiel von den Tänzern jegliche Anspannung ab. So auch bei Eva Maria Marold (mit Brigitte Chmelar), die ihren Füßen eine Auszeit gönnte. Sie zog ... ... schlicht die Schuhe aus. Ihr Partner Thomas Kraml war trotz Kritik von seinem Kollegen Ekker recht relaxt: "Wenn er meint." Ex-Schwimmerin Mirna Jukic freute sich auf ein Wiedersehen mit ihrem Tanzpartner Gerhard Egger - die beiden tanzten im vergangenen Jahr. Dolly Buster und Wolfram Pirchner wagten ein Tänzchen. Danach gab Buster noch ein paar Autogramme und freute sich, dass sie wieder weitergekommen ist. Auch die Erotik-Unternehmerin lachte nur über Ekkers Kritik: "Ich fand es gar nicht so schlimm." Pirchner im "Muscle-Shirt" war den ganzen Abend hitzig unterwegs. Der Kandidat fachsimpelte kurz mit Profi Egger und Gregor Glanz (dem Freund von Petra Frey) über die Tänze der nächsten Woche. Am Schluss gab es noch eine Umarmung für den Ausgeschiedenen. So ging der eine heim um sich auszuruhen und der andere? Der war von der schlechten Wertung angespornt und versprach nächste Woche besser zu tanzen - trotz Miniskus-Einriss, wie er KURIER verriet. "Aber meine Verletzungen tun meinem Tanzunkönnen keinen Abbruch." Der eine Punkt von Ekker habe ihn schon fast amüsiert, aber zu sagen, es ärgert einen nicht, ist einfach nicht wahr."
Nächsten Freitag wird der Ballroom mit Paso Doble und Slow Fox brennen.

Na, wie war’s?", fragen die Taxler am Teich (dem Parkplatz des ORF-Zentrums), als die Gäste der dritten Dancing Stars-Show aus dem Tanzpalast zurück in die Wirklichkeit strömen. "Schön war’s", sagen die meisten.

So schön, wie die größte Kleine der neuen Staffel, Brigitte Kren, als Wirbelwind zum Straßenfeger heranschwillt – die Quoten halten, wohl nicht zuletzt dank ihr, ungeahnt schwindelnde Höhen. Aber viele Ballroom-Besucher (ob am Berg oder am Bildschirm) sagen, fast im selben Atemzug: "Schade war’s auch." Denn das feine Fest krankt an einem fatalen Formfehler.

 

ORF"Dancing Stars", "Proben im Ballroom für die dritte Show." Welche der zehn verbleibenden Paare schaffen es heute in die Herzen von Jury und Publikum und somit in die nächste Show? Mit Tango und Jive wollen die Promis und Profis eine heiße Sohle aufs Pa Foto: ORF Crème de la Kren: Boogie & Woogie von Gitti & Willi, dass Herz & Seele jubilierten!

So schade, dass man ihn (noch) nicht hinauswählen kann. Daran arbeitet er aber schon selber mit gockelhafter Zerstörungskraft.

Die Rede ist von einem, der die ganze Party ins Gerede bringt.

Durch Willkür statt Scharfsinn. Und als weiß Gott unabhängiger Juror – unabhängig nämlich ...

... von den Fakten, von ein wenig Stil und von allen guten Geistern.

Balázs, der An-Ekker, nimmt Dancing Stars ungehindert in die Geiselhaft seiner grottenschlechten Manieren. Dolly Buster nennt er scham- und charmelos "Tussi" (obwohl er der einzige Tusso im Saal ist). Tänzer Thomas KramlEva Maria Marolds perfektem Partner – spricht er gar das Berufsverständnis ab ... Und den, zweifellos mehr beherzten als begabten Wolfram Pirchner rempelt er – in provokant-pubertärer Patzigkeit – mit einem rüpelhaften Einser (!) vom Parkett. "Weil es keine Null gab", trat er später (auf Ö3) noch nach. Oh doch! Es gab eine Null und es gibt sie unverdrossen: ihn.

Ekkers Ex-Scheitel verbarg offenbar nichts. In sieben Staffeln tanzte niemand so schwach wie er wertet. So verliert das feine Format leider zwei Säulen: Feinheit und Format.

dieter.chmelar(at)kurier.at

(kurier) Erstellt am
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