Szene-Wirt Gerhard Bocek mit Operettendiva Birgit Sarata

© Conny de Beauclair/Marchfelderhof/Conny de Beauclair

Stars Austropromis
12/30/2020

Promis in der Krise: "Ich bin ein Einsiedlerkrebs geworden"

Daheim statt dabei: Wie sehr die österreichische Prominenz unter der Corona-Zwangspause leidet.

von Lisa Trompisch, Stefanie Weichselbaum

Die Musik verstummt, die Buffets verwaist, ein Hauch von Endzeitstimmung weht durch die Hallen der VIP-Restaurants und Party-Locations. Wären wir in einem Asterix-Hefterl, würde wohl spätestens jetzt die tragische Figur „Dabeinix“ auftauchen.

Abtauchen, hieß es monatelang und heißt es nach wie vor für die heimische Prominenz – und zwar, so wie für alle, in die eigenen vier Wände. Gar nicht leicht, wie Operetten-Diva und Eventmanagerin Birgit Sarata zugibt.

„Ich will ja gar nicht sagen, wie schwer ich leide. Ich will das gar nicht sagen, weil es einfach schrecklich ist. Vor allem für einen Menschen, der sein Leben aufgebaut hat, drei- bis viermal pro Woche in ein Theater zu gehen und nachher in ein Restaurant“, erzählt sie schon sehr verzweifelt im KURIER-Interview.

„Ich habe keinen Besuch. Ich bin ein Einsiedlerkrebs geworden, aber zwangsweise.“

Ein neuer Zeitvertreib muss her, aber bitte mit Niveau, so hat sie jetzt TV-Dokumentationen für sich entdeckt. „Ich bin schon so gescheit geworden, unglaublich“, kann sie schon wieder lachen. „Oft kontrolliere ich nur, ob die das so wissen wie ich. Also, für mich ist der Nahe Osten schon wie der Stephansplatz und der Graben, so gut kenne ich mich da aus.“

Auf Oper und Konzerte muss sie verzichten, denn „Streaming lehne ich ab, weil ich will da nicht irgendwas in dem Computerkastl sehen, sondern ich möchte das alles live erleben. Das ist es ja für mich, die Atmosphäre!“

Die Verkündung des dritten Lockdowns ließ sie „fast vom Sessel“ fallen. Sie vermisst auch sehr die sogenannten „körpernahen Berufe“, sprich Friseur, Kosmetikerin, Mani- und Pediküre.

„Ich muss schon sagen, jetzt kann ich mir vorstellen, wie das ist in einem Gefängnis. Ich habe zwar ein Luxusgefängnis, aber trotzdem. Wenn ich jetzt wieder Leute treffen darf, bin ich drei Monate älter und ich hoffe, das sieht man mir nicht an. Ich mache mir jetzt jeden zweiten Tag eine Gesichtsmaske. Ich werde mir die Lockdown-Monate vom Lebensalter abziehen lassen und wehe das funktioniert nicht“, scherzt sie.

Nicht mehr zum Scherzen aufgelegt ist Marchfelderhof-Wirt Gerhard Bocek, der jede Woche gleich mehrere Promi-Festl in seinem kurios angeräumten Restaurant geschmissen hat.

„Die Entzugserscheinungen sind natürlich kräftig, keine Frage. Aber wie immer, ich hoffe, dass wir schön langsam nach dem nächsten Lockdown in ein besseres Fahrwasser kommen, dass es wieder beginnt normal zu werden. Den Promis geht es allen gleich wie mir“ , erzählt er.

„Eine Zeit lang ist alles wunderbar, schön, einmal andere Dinge zu tun und zusammenräumen zu Hause, aber jetzt ist es genug. Dann beten wir zu Gott, dass es sich wieder ändert.“

Glück im VIP-Unglück, der Marchfelderhof wird trotzdem gut genutzt, das Geschäft mit Abhol- und Lieferservice läuft. „So gesehen, sind wir nicht zu bedauern. Wir schaffen das. Wir haben den ganzen Marchfelderhof auf derartigen Hochglanz gebracht, jetzt war Zeit dafür. Wir haben alles bis ins letzte Eckerl perfekt geputzt“, so Bocek, der bereits in der sechsten Generation den Betrieb führt.

Der Kontakt mit den Menschen geht ihm aber sehr ab, darunter leidet der herzliche Gastgeber sehr. Die Abende wollen oder vielmehr müssen jetzt auch anderwertig rumgebracht werden, wie er seufzend erzählt. „Im März habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Fernseher aufgedreht. Ich habe nie ferngeschaut und habe auch keine Ahnung gehabt, was im Fernsehen ist.“

Mit Lesen versucht sich eine andere Szene-Gastronomin die Zeit zu vertreiben – hoch droben in den Kitzbüheler Bergen: Sonnbergstuben-Chefin Rosi Schipflinger. „Ich kann nur sagen, dass wir darunter leiden, weil das Geschäft nicht offen sein kann und die Mitarbeiter rufen mich auch alle paar Tage an: ,Was sollen wir machen?’ Wir müssen uns daran halten, was sie uns vorschreiben und wir sind ja damit in Kitzbühel nicht alleine, sondern es ist ja die ganze Welt“, meint sie.

„Ich lese jetzt sehr viel, ich bin nicht so ein Fernsehschauer. Ich schau mir die Nachrichten an, aber jetzt bald auch nimmer, weil es eh nur noch ein Thema gibt und das zieht mich leider so runter, dass ich dann gar nicht richtig schlafen kann“, so Schipflinger. „Wir können nur hoffen, dass es besser wird, dass wir alle wieder frei herumlaufen können. Es ist schlimm. Oft hat man gar keine Worte mehr.“

Schwer auf die Impfung hofft der umtriebige Baumeister Richard Lugner (urlaubt derzeit auf den Malediven). Gab’s vor Corona kaum ein Event ohne den Mörtel-King, muss er jetzt auch viel Zeit in seiner Villa verbringen – ab und zu lädt er aber das eine oder andere „Tierchen“ zu sich ein. Wobei, die Partylosigkeit scheint ihn gar nicht so zu stören.

„Ich hab mir das eigentlich ganz abgewöhnt und lebe ganz gut so. Ich habe mir auch den Alkohol ziemlich abgewöhnt“, erzählt er dem KURIER. Und wirklich einsam ist der erst kürzlich von einem schweren Sturz Genesene auch nicht, wie er beteuert. „Meine Haushaltshilfe ist ja bei mir, weil auch jemand auf die Hunde schauen muss. Sie füttert mich ganz gut. Da muss ich eh aufpassen, damit ich nicht dick werde.“

Seit 1979 tummelt sich der Baumeister in den Medien, die ersten Berichte über ihn gab’s bei der Eröffnung seiner Moschee. „Und als die APA und das Magazin News mit Society-Berichterstattung angefangen haben, haben sie sich damals immer von mir die Einladungen geholt“, erzählt er nicht ohne Stolz.

Wahrscheinlich geht’s ihm dann doch ein bisserl mehr ab, als er gerne zugeben möchte ...

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