Loos-Bar-Chefin Marianne Kohn

© Raphael Just

Herrlich ehrlich
10/18/2021

Marianne Kohn: Was es mit dem Einser-Barhocker in der Loos-Bar auf sich hat

Die Patin der legendären Loos-Bar gewährt in ihrer Biografie spannende Einblicke ins Wiener Nachtleben. Von Falco bis Warhol.

von Lisa Trompisch

Der Begriff Wiener Szene-Original wird ja gerne strapaziert, passt aber wohl kaum auf jemanden so gut wie auf Marianne Kohn (76), die legendäre Patin der nicht weniger legendären Loos-Bar.

Sie nimmt sich kein Blatt vor den Mund, warum auch, kommen doch so wunderbare Sätze wie „Wiener Grant ist eine Haltung. Man verzichtet darauf, sich beliebt zu machen“, heraus.

Ihr Leben, das spannend ist für fünf, hat sie jetzt gemeinsam mit Ela Angerer im Buch „Königin der Nacht“ (Brandstätter Verlag; 36 Euro) niedergeschrieben – sogar den passenden Soundtrack gibt’s dazu.

Respekt

Obwohl sie erst mit Mitte 30 ihren ersten Bar-Job angenommen hat, hat sie das Wiener Nachtleben sehr geprägt. Ob hinter der Bar im U4, wo sie jeden Wickel fast schon alleine mit ihrer bloßen Anwesenheit abgedreht hat („Irgendwie haben sie einen Respekt vor mir gehabt. Ich war ja damals auch sehr hantig in der Zeit. Ich habe nie Streitereien mit einem Gast gehabt.“) oder in der Loos-Bar, wo die Nachtschwärmer gerne zu ihrer Patin pilgern.

Kohn ist einfach Kult. Sie kennt und kannte sie alle: Ob Falco, Helmut Lang oder Quentin Tarantino.

Alle sind gleich

Ihr Geheimnis? Sie behandelt alle gleich, egal ob prominent oder nicht. „Ja, vollkommen egal. Weil die sterben genauso wie wir. Sie haben halt mehr Geld. Aber die meisten, die wirkliche Promis sind, sind ja wahnsinnig lieb. Nur die Mittel-Promis sind nicht nett“, erzählt sie lachend in der Sendung „Herrlich, ehrlich – Menschen hautnah“.

Die Burschen der englischen Rockband Deep Purple haben für sie sogar extra einen Stuhl auf die Bühne der Stadthalle gestellt, nur damit sie auch wirklich zum Konzert kommt. „Ich glaube, dass mich die Musiker immer gerngehabt haben, weil ich einfach kein Groupie war.“

Dazu sei angemerkt, Kohns musikalische Liebe gehört ausschließlich der Oper – die ihr übrigens unter anderem auch Dramaturg Marcel Prawy, der eine Zeit lang mit ihrer Mutter liiert war, vermittelt hat.

Falco war schlecht angezogen

Sie hat Jimi Hendrix kennengelernt („Für eine Nacht.“), auf das Koks von Andy Warhol aufgepasst oder befunden, dass Falco immer so schlecht angezogen war und ihm daher ihren Freund, Designer Helmut Lang, vorgestellt.

„Dann haben die aber so gestritten, weil der Hans hat nix zahlen wollen, weil er ja der Falco war und der Helmut wollte das Geld für die Sachen haben und ich bin in der Mitte gestanden.“

Und mit einem Mythos, nämlich, dass Niki Lauda geizig war, kann sie auch aufräumen – bei ihr gab er immer viel Trinkgeld. „Er hat mir ja auch am Anfang wahnsinnig geholfen, als ich 1995 die Loos-Bar übernommen habe. Hubertus Hohenlohe und er. Der eine ist bei der Tür gestanden, der andere hinter der Bar.“

Hocker Nummer eins

Apropos Bar – Hocker Nummer eins ist ein ganz besonderer, wie Kohn grinsend verrät. „Da wird immer geschmust, ich hab keine Ahnung, warum? Gleich der erste Hocker bei der Tür und der ist bekannt dafür.“

Ein Leben ohne die Loos kann sie sich übrigens nicht vorstellen. „Nein, schwer. Das ist so wie ein Wohnzimmer von mir. Bei mir ist alles klein. Ich habe eine kleine Wohnung, eine kleine Bar und ein kleines Haus.“

Warum Quentin Tarantino extra wegen ihr seinen Wien-Aufenthalt verlängert hat und auch Mark Forster gerne kommt, sehen Sie im Video oben.

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