Sport
03.04.2012

"Zwangsehen" im Segeln

Die Änderungen im Segelsport wirken so kurios, als hätte Monty Python einen neuen Sport erfunden.

Und nun zu etwas ganz anderem, würde John Cleese sagen, wäre er Segler. Tatsächlich wirken die bevorstehenden Änderungen im Segelsport so kurios, als hätte die alte Monty-Python-Truppe einen neuen Sport erfunden.

Lobbyismus, Sportpolitik und der Zwang, politically correct zu handeln, der den IOC-Machos plötzlich in die Glieder gefahren ist, stellt die Sportler vor völlig neue Herausforderungen.

Weil das IOC einer elften Bootsklasse für Rio 2016 nicht zustimmt, werden Kite- und Wind-Surfen voraussichtlich mit einer Art Duathlon zwangsbeglückt. Der Katamaran wird ein Comeback feiern, aber mit Mixed Crew. "Da müssen erfolgreiche Teams zerrissen werden", sagt Georg Fundak, Sportdirektor des OeSV.

Die spektakulären Skiffs (bisher 49er) sollen nicht nur Männern vorbehalten bleiben. Für diese Maßnahme wird sogar das unantastbare Starboot geopfert. Damit sind Kielboote bei Olympia Geschichte.

Publikumsnähe

Fundak sieht nicht alles nur negativ: "Segeln ist im Aufbruch. Bisher zählten nur die Segler, doch da wird eine 180-Grad-Wende gemacht: Zuschauer und TV zählen." Der Vorteil: Nicht nur Experten sollen erkennen können, wer führt und wer Letzter ist. Schon vor Weymouth, im olympischen Revier für London 2012 (ab 27. Juli), wird eine Wendemarke nur zehn Meter von einer Tribüne für 5000 Fans gesetzt werden. "Die Tickets sind alle verkauft", weiß Georg Fundak. Die neue Publikumsnähe sehen die Segler weniger skeptisch als die totale Revolution der Klassen.

Betroffen sind besonders die "Tommys" – zwei österreichische Spitzensegler, die doppeltes Pech haben könnten: Für 2012 wurde ihr Katamaran gestrichen, sie mussten auf den 49er ausweichen, wo sie gegen die "Nickos" praktisch keine Chance haben, sich für Olympia zu qualifizieren.

Nico Delle Karth und Niko Resch sind zweifache Gesamt-Weltcupsieger, Thomas Zajac und Thomas Czajka (beide 26 Jahre alt) zählen ebenfalls zur Welt-Elite. Aber nur ein Boot pro Nation und Klasse darf bei Olympia starten. 2016 dürften Zajac/Czajka wieder in einen Katamaran zurück, jedoch müssten sie sich trennen, sich Segel-Partnerinnen suchen und gegeneinander um das Olympia-Ticket segeln.

Frauenversteher

"Alles hat Vorteile und Reize", sagt Zajac, der sich Montag über einen Wettfahrtssieg beim Weltcup vor Palma di Mallorca freute. Partner Czajka: "Das ist ein riskantes Experiment."

So absurd der Plan klingen mag: Zwei österreichische Vorschoterinnen haben sich bereits gemeldet. Das IOC macht aber auch sanften Druck, dass die Damen an der Pinne sitzen und das Kommando haben.

IOC-Funktionäre als Frauenversteher? Jetzt wird`s dann endgültig zu einem Monty-Python-Sketch.

Olympische Klassen: Die Revolution

Nur noch 2012 Star (Herren), Elliot ( Damen), Surfen (bei Damen und Herren als Einzelsport).

Neu für 2016 Damen-Skiff (nicht 49er, sondern wahrscheinlich 29er), Katamaran (Hobie 16, Hobie Tiger, Nacra oder Tornado mit Mixed Crew), Wind- und Kite-Surfen als Duathlon (Damen und Herren getrennt; noch nicht zu 100 % beschlossen. Es gibt derzeit neun verschiedene Vorschläge).

2012 und 2016 Laser, Finn, 470er, 49er (alle Herren); Laser Radial, 470er (Damen).

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