Sport
02.12.2018

Zahlenspiele: Die Rekorde im Gehaltswahnsinn

Der FC Barcelona zahlt im Schnitt am meisten, die besten Gehaltsaussichten haben die NBA-Basketballer.

Barcelona durchbricht die Schallmauer bei Spielergehältern“, lautete diese Woche eine Schlagzeile. Mehr als zehn Millionen Pfund erhält jeder der 23 Spieler des Profikaders des FC Barcelona im Schnitt pro Jahr. Das sind umgerechnet 11,82 Millionen Euro. Erstmals bekommen die Spieler einer Mannschaft mehr als 200.000 Pfund in der Woche – die 201.043 Pfund sind 227.180 Euro.

Die Schallmauer in Pfund wurde deswegen durchbrochen, weil der Global Sports Salaries Survey (GSSS) in England erstellt wird – von www.sportingintelligence.com.

Diese Webseite hat sich auf Wirtschaft und Finanzen im Sport spezialisiert, besonders im Fußball. Journalisten, Rechtsexperten und Finanz-Fachleute aus der Sportwelt erstellen den Index, der schon zum neunten Mal erschienen ist. 349 Teams, 18 Ligen, 13 Länder, acht Sportarten, 10.089 Spieler, 22,2 Milliarden Pfund (umgerechnet 25 Milliarden Euro am Stichtag des Erscheinens) an Gehältern sind Inhalt der Studie.

Kritik an der Studie wird geübt, weil die Durchschnittsgage herangezogen wird. So wurden beim FC Barcelona zur Berechnung die Einkommen jener 23 Spieler hergenommen, die der Klub zum Stichtag als Mitglieder des Profikaders ausgewiesen hat. So hebt Lionel Messi den Gehaltsschnitt des Kaders. Schon im GSSS 2017 war Barcelona der Verein, der die höchste Gehaltssumme hatte. Aber Vertragsverlängerungen und die Verpflichtung von teureren Spielern haben sich spürbar niedergeschlagen. Statt 6,6 Millionen Pfund bekommt nun jeder Spieler 10,45 Millionen. Das sind im Schnitt 4,35 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor – was aber nicht allen 23 zugute kommt.

Preistreiber Messi

So wurde im November 2017 die Verlängerung des Vertrags von Lionel Messi bis Sommer 2021 verkündet. Sein Grundgehalt beträgt 56,5 Millionen Euro im Jahr. Provision für die Unterschrift, Loyalitäts-, Auflauf-, Punkte- und Titel-Prämien wurden nicht eingerechnet. Messis Vertrag war der dickste Brocken. Aber auch Gerard Piqué verlängerte im Jänner dieses Jahres bis 2022. Samuel Umtiti wurde bis 2023 gebunden, ebenso Sergio Busquets.

Und Philippe Coutinho wurde im Jänner mit viel Geld aus Liverpool nach Barcelona gelockt. Arthur, Malcom und Arturo Vidal wurden im Sommer verpflichtet.

Die mehr als 270 Millionen Euro für den Profikader sind aber nicht alles, was die Katalanen im Jahr zahlen. Experten schätzen, dass die Kosten für den Klubbetrieb doppelt so hoch sind, inklusive Gehältern für das Trainerteam und alle Angestellten.

Auf Platz zwei in der Klubrangliste der höchsten Durchschnittsgehälter folgt mit Real Madrid just der Erzrivale, der im Schnitt jedem seiner Profis 10,644 Millionen Euro zahlt. Allerdings ist in Spanien die Kluft zwischen den Vereinen enorm groß.

Als Fußballliga mit dem höchsten Durchschnittsgehalt ist die englische Premier League unangefochten. Von den 543 Spielern der zwanzig Vereine kommt jeder im Schnitt auf 3,38 Millionen Euro, das sind um 36 Prozent mehr als in La Liga. Wobei die Spanier die Liga haben, die England noch am nächsten kommt. In Italien wird nur die Hälfte bezahlt, in Deutschland gibt es gar nur 47 Prozent der Summe, die in England ausgeschüttet wird.

Teurer Erfolg

Bei Erstellung der Studie lagen West Ham in England und Girona in Spanien auf Augenhöhe – sportlich. Aber wirtschaftlich trennen die beiden Klubs Welten. 3,6 Millionen Euro zahlt der Klub von Marko Arnautovic jedem Profi im Jahr. 800.000 Euro sind es bei Girona – ein ähnlicher Tabellenplatz ist einem englischen Klub das 4,5-fache wert. Girona findet sich in der Rangliste nicht einmal unter den bestzahlenden 200 Klubs – aber die Spieler verdienen immerhin noch vier Mal so viel wie ein durchschnittlicher österreichischer Fußballprofi – der im Jahr auf 200.000 Euro kommt. Die Bundesliga liegt auf Platz 20 der bestzahlenden Fußballligen der Welt.

Die Summen im Fußball sind gigantisch: In den fünf größten Ligen (England, Spanien, Italien, Deutschland, Frankreich) sind rund 2600 Profis tätig. Sie bekommen pro Jahr insgesamt 15,8 Milliarden Euro aufs Gehaltskonto überwiesen, das sind fast sechs Millionen für jeden.

Indische Bestmarke

Allerdings ist der Fußball in der Ranglisten der Sportarten und Ligen nicht das Nonplusultra. Die Liga mit den höchsten Gehaltsaussichten ist die nordamerikanische Basketballliga NBA. Die 30 Teams zahlen 2,93 Milliarden Euro, das sind für jeden der 439 Spieler im Schnitt 6,67 Millionen Euro pro Jahr.

Nur Europas Fußball-Größen und die Klubs aus der NBA scheinen in den Top Ten der Top-Zahler auf. Unter die Top 30 haben sich nur zwei amerikanische Baseball-Vereine geschummelt. Auf Rang 52 der Klubrangliste sind die Kolkata Knight Riders zu finden. Die Cricket-Klubs der indischen IPL halten einen Rekord – ihre Spieler verdienen pro Spiel am meisten. Die 128 Spieler der acht Teams bestreiten nur 14 Partien. Das macht im Schnitt 310.325 Euro für jeden Spieler pro Match.