Sport 12.01.2012

Wunsch erfüllt - Rennen für Karl vor der Haustüre

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Es ist nicht nur ein Heimrennen, es ist das Rennen vor seiner Haustüre.

Dass Politik und Skiverband den Wunsch von Benjamin Karl nach einem Snowboard-Weltcup in Niederösterreich erfüllt haben, lässt den Gesamtweltcupsieger schon vor dem Parallel-Slalom am Freitag auf dem Jauerling jubeln. Angriffslustig gibt sich auch Julia Dujmovits, die Burgenländerin verspricht vollen Einsatz.

Der Jauerling erhebt sich in der Wachau 960 Meter über den Meeresspiegel und liegt nur 40 Minuten von Karls Zuhause in Wilhelmsburg bei St. Pölten entfernt. Auf der Piste will er seine Form abrufen, das sollte ihm den Weg auf das Podest ebnen. "Es wird eine Party werden mit 5.000 Zuschauern. Das ehrt mich sehr", sagte Karl zur APA und hob die "gewaltige Organisation" hervor und die Bemühungen um einen guten Pistenzustand, was kein leichtes Unterfangen war. Die mächtige Startrampe erlaubt nicht nur einen Blick auf das Most- und Weinviertel, sondern soll den Sportlern auch guten Speed für das flache erste Teilstück geben.

Vom Snowboarden kennt der Gewinner von zwei der vier Parallel-Weltcups im laufenden Winter und Gesamtführende den Jauerling nur aus Kindertagen, in den vergangenen Jahren war er dort mit dem Mountainbike unterwegs. Zumindest auf der Bergrückseite. "In Mühlbach ist immer der Auftakt zu einer Mountainbike-Serie, da bin ich seit drei Jahren Fixstarter", erzählte der 26-Jährige. Den Erfahrungen mit dem Rad sollen jene auf dem Board folgen: "Eine gute Linie wird wichtig und auch, möglichst fehlerfrei runterzukommen. Ich habe eine super Form, das Gefühl am Brett ist gut."

Bei Wettkämpfen in Österreich ist der Druck immer höher, das spürt auch der Doppel-Weltmeister 2011. "Viele sagen, wir wissen, dass du gewinnst. Die sagen das wie selbstverständlich. Ich werde mit einer Gaude rausstarten und auf die vielen Leute sehen. Das taugt mir umso mehr und ist ein Motivationsfaktor. Ich werde mich auf Freitag besinnen und ruhig und locker reinstarten." Nach einer Woche Pause vom Board war Karl zuerst einen Tag Tiefschneefahren ("Ein bisserl was fürs Herz gemacht"), ehe es zum zweitägigen Training nach Lackenhof ging, der finalen Vorbereitung auf das Highlight des Jahres.

Vor dem Jahreswechsel war der mit Werner-Grissmann-Tochter Nina verheiratete Karl in seiner zweiten Heimat Lienz, hat sich die Rennen der alpinen Ski-Damen angesehen und die Siege von Anna Fenninger und Marlies Schild. "Man muss ja schauen, wie es in der Schwesternsportart zugeht. Es ist motivierend, wenn andere solche Erfolge erzielen, da weiß man, was man schaffen kann." Auch wenn die Snowboarder "nie den Level der alpinen Skifahrer" erreichen werden, so freue er sich sehr über den zu erwartenden Zuschauerstrom auf den Jauerling.

Ähnlich geht es Julia Dujmovits, für die Familie, Freunde und Bekannte aus dem Burgenland anreisen werden. Die Gewinnerin des Riesentorlauf-Weltcups in Telluride (Colorado) sehnt das Slalom-Doppel am Freitag und am Sonntag in Bad Gastein herbei. "Wir sind ja immer überall unterwegs und nur selten in Österreich. Die Stimmung wird sicher super sein." Während sie den Hang in Salzburg genau kennt, war sie auf dem Jauerling noch nicht einmal frei fahren. "Wir sind die Piste zu Fuß abgegangen", sagte sie und meinte zur Startrampe: "Das ist was ganz Spezielles, die ist gescheit steil. Aber je länger man oben steht, desto flacher wird sie", fügte sie lachend hinzu.

Im Weltcup hat Dujmovits als Zweite 2.150 Punkte auf dem Konto, die Führende Fränzi Mägert-Kohli aus der Schweiz hält bei 2.460. "Mein Ziel für die nächsten Rennen ist, das Gelbe Trikot zu tragen", sagte die 24-Jährige. "Ich bin in beiden Disziplinen stark drauf, war im Slalom Siebente und Vierte, in Carezza ist aber mehr drinnen gewesen. Ich weiß, dass ich sehr schnell bin." Zwei Slaloms innerhalb von drei Tagen vor Heimpublikum seien zwar eine Anstrengung, aber "das werden sicher zwei lässige Rennen werden. Ich werde in beiden Vollgas geben".

Tragen wird sie einen neuen Helm, der nach ihren Vorstellungen von Andy Lohner designt wurde. Mit Motiven aus Hawaii und Bali, Traumdestinationen, die sie vom Wellenreiten im Sommer kennt. "Ich habe eine Tätowierung mit ähnlichen Mustern. Es ist ein sehr persönlicher Helm, mit vielen kleinen Details, die eine Bedeutung haben", verriet Dujmovits.

Erstellt am 12.01.2012