Sport
05.12.2011

Wunderpferd Totilas enttäuscht bei EM

Die Briten holen bei der Dressur-EM vor Deutschland mit niederländischem Hengst Totilas Gold.

Gold - das Ziel der deutschen Dressurreiter für den Teambewerb der EM in Rotterdam war klar umrissen. Wer, wenn nicht Totilas, der Wunderhengst, sollte die Equipe zum Sieg führen? Zehn Millionen Euro war es 2010 Paul Schockemöhle wert, das edle Ross Dressurreiter Edward Gal abzukaufen. Niederländisches Warmblut sollte dem deutschen Team zu neuem Ruhm verhelfen.

Ein Affront gegen die Dressur-Fans in Oranje, der für Empörung in den Niederlanden sorgte und die alte Rivalität zwischen den Nachbarländern neu entfachte. Weshalb in der deutschen Equipe durchaus Besorgnis herrschte vor dem ersten Auftritt des 1,75 Meter hohen Zauberers auf Hufeisen - doch schon vor dem EM-Debüt von Matthias Alexander Rath und Totilas war der Sturm abgeflaut: Bei Halbzeit lagen die Briten, auf die bei dem Trubel schlicht vergessen worden war, nahezu uneinholbar voran.

Minimalerfolg

Nicht einmal ein Wunder konnte da noch helfen - Großbritannien holte EM-Gold. Trotz des schwarzen Schönlings aus der niederländischen Provinz reichte es für die Deutschen nur zu Silber, aber wenigstens wurden die Holländer auf Platz 3 verwiesen.

Zwei Mal waren Totilas und sein Vorbesitzer Edward Gal Einzel-Weltmeister, 2010 gab es auch Team-Gold - auf so einen darf man doch keinen wie Matthias Alexander Rath setzen: Die Gästebucheinträge auf der Homepage des 27-Jährigen strotzen vor Empörung. "Totilas ist leider durch Ihre reiterliche Leistung nicht mehr das einzige Wunderpferd", ist dabei noch ein Beitrag der harmloseren Art.

Rath lässt derlei nicht löschen, er versucht, mit seinem Sportkameraden zu wachsen. Immerhin geht es nicht nur um Medaillen, sondern um Geld. Um viel Geld: 4000 Euro bezahlte ein Pferdezüchter für Totilas' Samen, weitere 4000, als die Stute trächtig war. Timotee heißt das Ergebnis dieser Investition - und ist nun selbst ein Hoffnungsträger.

Uthopia

Totilas-Besitzer Schockemöhle scheint jedenfalls auf den Geschmack gekommen zu sein – unlängst hat er um zwei Millionen Euro den fünfjährigen Hengst Bretton Woods aus den Niederlanden geholt. Er gilt als Aktie für die Zukunft.

Doch die Gegenwart heißt Uthopia: Auch ein Hengst aus den Niederlanden, vor sechs Jahren 150.000 Euro wert, heute das Zwanzigfache, mindestens. Denn der eher kleine Braune ist mit Carl Hester im Sattel zu EM-Gold mit dem britischen Team gekommen und am Wochenende auch im Einzel ein heißer Goldkandidat.

Uthopia, der neue Totilas? Wer weiß – Hesters eigenes Pferd Valora jedenfalls gilt als noch talentierter. Mit Hesters Mitarbeiterin Charlotte Dujardin hat es ebenfalls soeben Team-EM-Gold erreicht. Der deutsche Teamtrainer Holger Schmezer sagt es so: „Die Briten haben jetzt zwei Totilas’.“