Slowenien als Biathlon-Großmacht

Wegen schwerer Erfrierungen am Abzugsfinger drohte Weltmeister Fak im Vorjahr eine Amputation.

Dieser Schmollmund... ...gehört dem deutschen Biathlon-Superstar Magdalena Neuner. Nach Gold im Sprint musste sich die 25-Jährige... .... in der Verfolgung der Weißrussin Darja Domratschawa geschlagen geben. Die beiden dominieren bislang die WM in Ruhpolding: Neuner (li.) gewann den Sprint vor Domratschawa (re.). Domratschawa wiederum siegte in der Verfolgung vor Neuner. Was Kitzbühel im alpinen Skizirkus, ist Ruhpolding im Biathlon und Mekka im Islam: Das Zentrum. Ein uriger Fan an der bayrischen Grenze zu Österreich. Wem bei diesem Bild nicht schlecht wird... Bauchnabelfrei: Was Domratschawa und Neuner zusammen bei den Damen, ist Martin Fourcade alleine bei den Herren: Der Franzose gewann schon zwei Mal Gold. Einsam am Schießstand: Vita Semerenko aus der Ukraine. Sie gewann Bronze im Sprint. Erschöpft im Schnee: Der Norweger Emil Hegle Svendsen holte Gold in der Staffel und Silber im Sprint. Der gebürtige Kroate Jakov Fak schießt seit Sommer 2010 für Slowenien.

Der WM-Triumph von Jakov Fak im Einzel ist keine Sensation, in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert ist der Erfolg aber allemal.

Der gebürtige Kroate lief nämlich zum ersten WM-Gold für Slowenien, obwohl dem Olympia-Dritten vor einem Jahr wegen einer drohenden Fingeramputation noch das Karriereende prophezeit worden war.

Schwere Erfrierungen am Abzugsfinger, die er sich in den USA zugezogen hatte, zwangen ihn zur Absage der WM 2011 und zu einer langen Pause. Bleibende Gewebeschäden konnten durch intensive Therapien aber verhindert werden.

"Das ist ein ganz spezieller Erfolg für mich und das ganze Team. Noch vor einem Jahr hatte es überhaupt nicht gut ausgesehen", betonte Fak, der auch schon vor seinem Nationenwechsel im Sommer 2010 jahrelang mit der slowenischen Mannschaft trainiert hatte.

Seine beiden Bronzemedaillen bei der WM 2009 und bei Olympia 2010 hatte der 24-Jährige noch für sein Geburtsland geholt. Gemeinsam mit Teja Gregorin sorgt er nun dafür, dass Slowenien oftmals vor den großen Nationen landet. Das war auch schon in der Mixed-Staffel gelungen, als man überraschend Silber holte.

In dieser Saison hat Fak seine Klasse mit zahlreichen Top-Ten-Plätzen bereits mehrfach angedeutet, in Ruhpolding schloss er über 20 km aber erstmals wieder so richtig an seine Großtaten vor der Verletzung an. Deshalb versteht er auch die Frage, ob der Erfolg überraschend kommt, nicht ganz. "Drei Einzelmedaillen bei Großereignissen zeigen, dass ich wohl ein wenig Talent haben muss", so Fak.

Medaillenspiegel, nach 6 von 11 Entscheidungen

PlatzLandGoldSilberBronzeGesamt
1Frankreich2103
2Deutschland1113
3Weißrussland1102
Norwegen1102
Slowenien1102
6Schweden0112
7Russland0022
8Tschechien0011
Ukraine0011

Deutschland muss warten

Während die Slowenen und auch das französische Team dank der Fourcade-Brüder, die schon zwei Goldmedaillen und einmal Silber geschafft haben, obenauf sind, warten die deutschen Herren weiter auf das erste Edelmetall.

Im Einzel wurde Lokalmatador Andreas Birnbacher unglücklicher Vierter. Auch sein Teamkollege Arnd Peiffer (7.) verschoss wie schon in der Mixed-Staffel (Bronze) beim letzten Anschlag den möglichen Sieg. "Es war einfach der berühmte eine Fehler zu viel", stellte der deutsche Cheftrainer Uwe Müssiggang zerknirscht fest.

Die erfolgsverwöhnten Norweger vermochten bisher ebenfalls nicht vollständig zu überzeugen. Der Sprint-Zweite Emil Hegle Svendsen hielt den Schaden der Mixed-Sieger als Achter zwar noch in Grenzen, Titelverteidiger Tarjei Bö (18.) und Altmeister Ole Einar Björndalen (47.) gelang hingegen neuerlich wenig. Deshalb stehen die Vorjahressieger wie die Deutschen in der Staffel am Freitag unter Erfolgsdruck.

(apa / jos) Erstellt am
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