Wer, wenn nicht sie? Mikaela Shiffrin legte einen Traumstart in die WM hin. 

© APA/EXPA/DOMINIK ANGERER

Sport Wintersport Ski-WM 2019
02/05/2019

Super-G: Gold für Shiffrin, Debakel für ÖSV und Vonn-Sturz

Sofia Goggia gewinnt Silber, Corinne Suter Bronze. Keine ÖSV-Läuferin schafft es in die Top Ten. Vonn stürzt spektakulär.

Österreichs Speed-Fahrerinnen haben im ersten WM-Bewerb in Åre eine schwere Niederlage hinnehmen müssen. Im Hundertstelkrimikrimi startete Mikaela Shiffrin ihre Goldmedaillenjagd am Aareskutan erfolgreich vor Sofia Goggia (ITA/0,02 Sek.), Corinne Suter (SUI/0,05) und Viktoria Rebensburg (0,07). Lindsey Vonn stürzte.

Der Super-G begann zwar pünktlich, wegen Windes im oberen Teil der Strecke wurde aber vom Reservestart gefahren. Es entwickelte sich das zu erwartende knappe Rennen mit zudem sehr schneller Kurssetzung. Für den ÖSV endete es mit dem schlechtesten Super-G-Ergebnis seit 1996 in der Sierra Nevada, als Anita Wachter 16. wurde, erstmals sei 2013 gab es keine Medaille in dieser Disziplin bei einer WM.

Wie im Traum

Shiffrin verlängerte ihre Super-G-Serie, in diesem Winter hatte sie drei Rennen dieser Disziplin im Weltcup bestritten und alle gewonnen. Für die 23-Jährige war es der vierte WM-Titel nach dem Slalom-Hattrick. Sie hatte auf das Abfahrtstraining am Montag verzichtet und wusste den dadurch vorhandenen kleinen Nachteil mit ihrer Technik zu kompensieren. Auch einen schweren Fehler klärte sie meisterlich.

"Das fühlt sich wie ein Traum an", sagte Shiffrin. Ihre Trainer waren wie viele andere auf der Anreise in München hängengeblieben und erst um 1 Uhr in der Früh in Aare eingetroffen. "Ich habe nur die Ski und die Skischuhe, alles zum Rennfahren gehabt. Ich habe es einfach versucht, es ist wirklich verrückt."

Sie habe sich bei der Besichtigung den Sprung angeschaut und gewusst, dass der weit gehen werde. "Ich habe mir gedacht, da könnte ich sehr eng dran sein. Ich habe mir in der Luft nur gedacht, bleib drinnen." Nach der Schwedin Anja Pärson ist sie erst die zweite Läuferin, die im Super-G und Slalom Weltmeisterin wurde.

Super-G in Bildern:

So schaut's aus, das erste Siegerpodest bei der Ski-WM in Åre. 

Für Mikaela Shiffrin, die dominierende Skiläuferin in dieser Saison, geht die WM in gewohnter Manier los. Auch wenn sie es im Ziel noch nicht glauben konnte.

Sofia Goggia musste sich nur knapp geschlagen geben.

Die Schweizerin Corinne Suter fuhr auf der verkürzten Strecke zu Bronze.

Für eine Schrecksekunde sorgte Lindsey Vonn, die nach einem Fahrfehler durch ein Tor und anschließenden in den Fangzaun flog. 

Für eine Schrecksekunde sorgte Lindsey Vonn, die nach einem Fahrfehler durch ein Tor und anschließenden in den Fangzaun flog. 

Sie konnte nach einer Behandlungspause aber aufstehen und sogar selber ins Ziel fahren. Am Sonntag will sie in der Abfahrt wieder mit von der Partie sein. 

Und die Österreicherinnen? Die Titelverteidigerin Nicole Schmidhofer wurde lediglich Elfte - und damit beste ÖSV-Starterin. "Da darfst dir keine Fehler leisten, da waren leider zwei dabei", sagte die Friesacherin. 

Auch Tamara Tippler, die im Abfahrtstraining Schnellste gewesen war, konnte mit ihrem Auftritt nicht zufrieden sein. Tippler wurde Zwölfte.

Ramona Siebenhofer musste sich mit dem 15. Rang zufriedengeben. 

Stephanie Venier schied nach einem Torfehler aus.

Dasselbe Schicksal ereilte auch Christina Ager, die nicht das Ziel erreichte. Zumindest verletzte sie sich bei ihrem Sturz nicht. 

Ernüchterung

Titelverteidigerin Schmidhofer, die den letzten Weltcup-Super-G vor der WM in Garmisch-Partenkirchen gewonnen hatte, ging als erste Österreichern ins Rennen, zwei Fehler kosteten allerdings etliche Zehntel. Schon als dei Steirerin ins Ziel kam, war sie aus den Medaillenrennen. "Es verzeiht keine Fehler hier runter. Ich habe zwei gemacht, sieben Zehntel ausgefasst. Ich habe meine schlaue Schmidi-Linie nicht ausgepackt", sagte Schmidhofer, die den Ski runterlassen wollte und deshalb zu gerade war. "Schade, der falsche Tag dafür." 0,69 Sekunden hatte sie Rückstand.

Kein Zittern im Ziel gab es auch für die ebenfalls abseits des Podests gelandete Tamara Tippler (12./0,72) und Ramona Siebenhofer (15./1,19). "Es war halt einfach ein riesengroßer Fehler dabei, da war die Zeit weg. Ganz einfach zu erklären", sagte Tippler, die sich vorgenommen hatte, schon ein bisschen mit Köpfchen zu fahren, aber auch das Herz in die Hand zu nehmen. "Aber wenn man nichts riskiert, gewinnt man nichts."

Groß war die Enttäuschung auch bei Siebenhofer, die anmerkte, im Mittelteil zu wenig attackiert zu haben. "Es ist schon enttäuschend, wenn man mit Startnummer 18 abschwingt und über eine Sekunde zurück ist." Sie habe die Passage beim Doppeltor ein bisschen zu vorsichtig genommen, mit der sicheren Variante gewinne man nichts.

Stephanie Venier fuhr an einem Tor vorbei, das passierte u.a. auch der mit der im Super-G ungeliebten Nummer eins gestartete Schweizerin Jasmine Flury und Mitfavoritin Tina Weirather aus Liechtenstein. Ohne Medaillengewinn blieben auch Ilka Stuhec (SLO/8.) und Lara Gut-Behrami (SUI/9.).

"Ich muss das abhaken und nach vorne schauen. Aber im Super-G habe ich mir meine Chancen nicht so megamäßig groß ausgerechnet, vor allem, wenn es so kurz ist", sagte Venier. Die fünfte Österreicherin, Christina Ager, blieb bei einem Sturz unverletzt.

Falsche Brille

Shiffrin hatte im Ziel ihren Jubel nach unverhoffter Führung kaum beendet, als Lindsey Vonn bei schlechter werdender Sicht und bei der vorletzten Wettbewerbs-Fahrt ihrer Karriere die engste Linie wählte, ein Tor rammte und vornüber ins Sicherheitsnetz stürzte. Die US-Amerikanern fuhr allerdings selbstständig und den Zuschauern winkend auf ihren Skiern ins Ziel und wurde auch gleich von Shiffrin umarmt.

"Mein Körper tut weh, ich habe einen blauen Fleck. Ich habe gekämpft und probiert, Gas zu geben. Es hat nicht funktioniert", sagte Vonn. Erst sei Sonnenschein und dann vor ihrem Start nebelig gewesen. "Ich hatte dann die falsche Brille und ich habe diese Wellen nicht gesehen." In der Abfahrt will sie jedenfalls antreten.

Für Abfahrts-Olympiasiegerin Goggia war es die zweite WM-Medaille nach Riesentorlauf-Bronze in St. Moritz, Suter war noch nie zuvor in einem WM- oder Weltcup auf dem Podest gelandet. Sie hatte sich erst in Garmisch-Partenkirchen als Sechste ins WM-Team gefahren.

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