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Sport Wintersport
10/28/2021

Sexueller Missbrauch in der NHL: Ex-Salzburg-Legionär war Opfer

Kyle Beach, 2015 mit Salzburg österreichischer Meister, gab an, 2010 in Chicago missbraucht worden zu sein.

von Andreas Heidenreich

Die beste Eishockey-Liga der Welt wird aktuell von einem Skandal erschüttert. Im Mittelpunkt: die Chicago Blackhawks, sechsfacher Stanley-Cup-Sieger und einer der sechs Gründungsklubs der NHL.

Was war passiert?

Auf dem Weg zum vierten Stanley-Cup-Gewinn der Vereinsgeschichte im Mai 2010 war es offenbar zu einem Missbrauchsskandal innerhalb der Mannschaft gekommen, nachdem man in der ersten Play-off-Runde gegen die Nashville Predators erfolgreich war.

Vor einem Spiel wurde damals ein Profi des Klubs von Brad Aldrich, dem damaligen Video-Coach des Teams, sexuell belästigt. Wie sich nun herausstellte, wurde der Vorfall auch damals am 23. Mai 2010 von der Führung des Klubs intern besprochen, aber unter Verschluss gehalten, um die Chemie innerhalb der Mannschaft auf dem Weg zum Titel nicht zu gefährden.

Talent aus der zweiten Mannschaft

Elf Jahre später outete sich nun Kyle Beach als der damals misshandelte Spieler. Der heute 31-jährige Kanadier war zu dieser Zeit Mitglied des Farmteams, also der zweiten Mannschaft Chicagos, und während der Play-offs Trainingsgast bei den NHL-Stars. Der Stürmer spielte später in Österreich: Bei Salzburg, wo er 2015 Meister wurde, und danach noch bei den Graz 99ers und dem Villacher SV.

In einem Interview mit dem kanadischen Sport-Sender TSN outete sich Beach nun als das damalige Opfer und als der "John Doe" in den Ermittlungen. Der Name "John Doe" wird in den Vereinigten Staaten für eine fiktive Prozesspartei oder eine fiktive beteiligte, nicht öffentlich identifizierte Person eines Prozesses verwendet.

"Der gestrige Tag war ein Tag vieler Emotionen. Ich habe geweint, gelacht und wieder geweint. Meine Freundin und ich haben nicht wirklich gewusst, wie wir uns fühlen sollen", beschrieb Beach seine aktuelle Gefühlslage und dankte dabei auch seiner Lebensgefährtin. "Sie ist mein Fels in dieser Angelegenheit und stützt mich an diesen harten Tagen."

Seine Freude darüber, dass der Fall elf Jahre später nun endlich an die Öffentlichkeit kommt, untersucht und aufgearbeitet wird, konnte der Kanadier nicht verbergen. "Das ist ein großartiges Gefühl der Erleichterung. Es ist nicht mehr länger nur mein Wort gegen das vieler anderer, weil viele Dinge publik gemacht wurden."

Seit der Fall im Juni dieses Jahres erstmals öffentlich wurde, seien viele Lügen in den Medien erzählt worden, betonte das Opfer. "Es ist gut, dass die Wahrheit nun ans Tageslicht gekommen ist."

Im Interview mit TSN erzählte Beach auch unter Tränen, wie er damals mit dem Vorfall umgegangen ist. "Ich habe es kurz darauf meinen Eltern erzählt. Meine Mutter hat geweint und sich verantwortlich gefühlt. Sie dachte, sie hätte mich davor schützen müssen. Aber das konnte sie nicht. Wir haben dann nie wieder darüber gesprochen. Bis vor Kurzem."

"Ich habe dann getan, was ich für richtig hielt, um zu überleben, um meinem Traum weiter folgen zu können. Das war, nicht darüber nachzudenken, nicht darüber zu reden und es zu ignorieren."

Rücktritt und Klub-Statement

Bereits am Mittwoch gab es in der Causa die ersten personellen Konsequenzen: Stan Bowman, seit 2009 General Manager der Blackhawks und 2010 offenbar bestens informiert und mitverantwortlich dafür, dass der Fall im Dunklen blieb, ist von seiner Funktion in Chicago ebenso zurückgetreten wie als General Manager des US-Olympia-Eishockeyteams.

Auch der Klub der Blackhawks nahm Stellung: "Als Verein bedauern wir zutiefst, was Kyle Beach durchgemacht hat und entschuldigen uns für den Fehler, nicht sofort reagiert zu haben, als er die Angelegenheit 2010 angesprochen hat." Nicht sofort gehandelt zu haben, sei absolut unakzeptabel gewesen, betonte der Verein in seiner Stellungnahme. "Kein Play-off-Spiel oder ein Meistertitel ist wichtiger, als unsere Spieler vor Übergriffen wie diesen zu schützen."

Die NHL belegte die Blackhawks nun auch mit einer Strafe von zwei Millionen US-Dollar.

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