Kristallkugel für Schlierenzauer kein Muss

Norwegen könnte sich beim Saison-Finale in Planica nach 18 Jahren Pause wieder den Gesamt-Weltcup holen.

In der Saison 1996/1997 hieß der Sieger im Gesamt-Weltcup Primoz Peterka (SLO). Der gebürtige Laibacher betreute zuletzt die slowenischen Springerinnen. Seit letzter Woche befindet sich Peterka wegen  Alkoholabhängigkeit in einer psychiatrischen Klinik. Der slowenische Skiverband gab offiziell mentale Erschöpfung  und Stress als Gründe für die Einlieferung an. 1998 gewann Primoz Peterka (SLO/1253) zum zweiten Mal den Gesamt-Weltcup vor Kazuyoshi Funaki (JPN/1234) und Andreas Widhölzl (AUT/1208). Der Deutsche Martin Schmitt feierte 1999 knapp vor Janne Ahonen (FIN) und Noriaki Kasai (JPN) seinen ersten Gesamt-Weltcup. In der Saison 2011/2012 liegt Schmitt derzeit mit nur 8 Punkten auf Rang 63. Besser lief es für Martin Schmitt in der Saison 1999/2000. Der Gesamt-Weltcup ging mit 1833 Punkten erneut an den Deutschen. In den folgenden drei Jahren hieß der Sieger im Gesamt-Weltcup jeweils Adam Malysz (POL). 2001 setzte sich der Pole vor Martin Schmitt (GER/1173) und Risto Jussilainen (FIN/938) durch. 2002 überreichte der damalige Ministerpräsident Polens Leszek Miller (li.) die große Kristallkugel an Adam Malysz. 2003 strahlte der "Mann mit dem Schnurrbart" erneut und verwies Sven Hannawald (GER) und Andreas Widhölzl (AUT) auf die Plätze. In der Saison 2003/2004 holte Janne Ahonen (FIN/1316) vor Roar Ljökelsöy (NOR/1306) und Björn Einar Romören (NOR/825) den Gesamt-Weltcup. Ahonen belegte auch 2005 mit 1715 Punkten Platz 1 im Gesamt-Weltcup und holte sich Gold und Bronze bei der WM in Oberstdorf. 2011 gab der Finne zum zweiten Mal nach 2008 sein Karriereende bekannt und widmete sich anschließend seiner Familie. Zurzeit kümmert sich Ahonen um seinen Sohn Mico, der in der Altersklasse 10 bis 12 springt. Er  kaufte sich vor Weihnachten in Indianapolis einen neuen Dragster (8000 PS, 519  km/h Spitze). Zu Ostern wird auf der American Car Show in Helsinki das Ahonen-Racing-Team präsentiert. 2006 setzte sich Jakub Janda (CZE/1151) vor Janne Ahonen (FIN/1024) und Andreas Küttel (SUI/980) durch. Der seit 1996 aktive Sportlehrer belegt derzeit Platz 25 im Gesamt-Weltcup. In der Saison 2006/2007 holte Adam Malysz seinen bereits 4. Gesamt-Weltcup vor Anders Jacobsen (NOR) und Simon Ammann (SUI). 2011 gab der Pole sein Karriereende bekannt. Derzeit ist Malysz Privatier und konzentriert sich auf seine Rallye-Karriere. Anfang 2012 nahm der 35-jährige an der Rallye-Dakar in Südamerika teil. 2008 gab es einen österreichischen Doppelerfolg im Gesamt-Weltcup. Thomas Morgenstern siegte mit 1794 Punkten vor Gregor Schlierenzauer (1561). Auf Platz 3 landete der Finne Janne Ahonen (1291). 2009 verwies Gregor Schlierenzauer den Schweizer Simon Ammann und Wolfgang Loitzl (AUT) auf die Plätze. Der damals 19-Jährige sicherte sich neben dem Gesamt-Weltcup auch die kleine Kugel im Skifliegen. In der Saison 2011/12 liegt er derzeit mit 1135 Punkten auf Rang 2 hinter Anders Bardal (NOR). 2010 feierte Simon Ammann seinen ersten Gesamt-Weltcup. Der Schweizer gewann mit 281 Punkten Vorsprung auf Gregor Schlierenzauer. In der laufenden Saison liegt Ammann mit nur 466 Punkten auf Rang 11. In der Saison 2010/2011 sicherte sich der Österreicher Thomas Morgenstern mit 1757 Punkten vor Simon Ammann (SUI/1364) und Adam Malysz (POL/1153) die große Kristallkugel. Heuer liegt der Kärntner vor den letzten vier Springen mit 946 Punkten auf Rang 4.

Vor den letzten zwei Einzelbewerben des Skisprung-Weltcups auf der Flugschanze in Planica am Freitag (15.15 Uhr) und Sonntag (10.00) hat Gregor Schlierenzauer 123 Punkte Rückstand auf den führenden Anders Bardal. "Wenn es sein will, dann kann es passieren", sagte der Tiroler.

Die Weltcup-Gesamtwertung zählte in diesem Winter nicht zu den primären Zielen des Pokalgewinners von 2008/09. Dennoch hat er vor dem Finale noch eine kleine Chance. "Ich kämpfe bis zum Schluss, aber ich bin auf einen Fehler oder eine Schwäche von Anders Bardal angewiesen. Ich freue mich in Planica vor allem auf lässige Flüge." Der Stubaier hat auf der früheren Weltrekordschanze in Slowenien vier seiner 40 Weltcupsiege gefeiert.

In Planica will Schlierenzauer nochmals seine bestmögliche Leistung abrufen, nachdem die erfolgreiche Verteidigung des Skiflug-Weltcups (als Zehnter 137 Punkte Rückstand auf den Japaner Daiki Ito) wohl außer Reichweite ist.

Große Chance für Norwegen

Bardal flog mit viel Selbstvertrauen nach Slowenien. "Die Schanze in Planica liegt ihm und er weiß, dass er sich bisher gegen Saisonende immer gesteigert hat", erklärte der norwegische Cheftrainer Alexander Stöckl. "Ein Sieg im Gesamtweltcup wäre eine Riesensache."

Schließlich würde Bardal als erst dritter Norweger nach Vegaard Opaas (1987) und Espen Bredesen (1994) und nach 18 Jahren Pause wieder die große Kristallkugel erobern. Das wäre wichtig für die Springer, die in Norwegen etwas im Schatten der Skilangläufer und Biathleten stehen.

Dem 29-jährigen Bardal würde die Wiederholung seiner zwei fünften Plätze aus dem Vorjahr reichen, um auch im Fall von zwei Siegen von Schlierenzauer die Trophäe zu erobern. Stöckl nahm das Wochenende relativ entspannt in Angriff. "Denn wir haben unsere Saisonziele schon jetzt überschritten. Es ist super zu sehen, dass meine Arbeitsweise funktioniert und wir ein sehr gutes Klima im Team haben."

(apa / lem) Erstellt am
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