Lady in Red: Petra Vlhova fuhr in Levi in einer eigenen Liga

© via REUTERS/LEHTIKUVA

Sport Wintersport
11/21/2020

Damen-Slalom in Levi: Vlhova siegt vor Shiffrin und Liensberger

Die Slowakin gewann in Finnland 18 Hundertstelsekunden vor der Amerikanerin. Liensberger fehlen nur 57 Hundertstel.

300 Tage war sie nicht mehr am Start eines Weltcuprennens gestanden, am Samstagvormittag kehrte Mikaela Shiffrin wieder zurück. Und die 25-jährige Amerikanerin, die nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters die letzte Saison erst unter- und dann coronabedingt abgebrochen hatte, zeigte, dass abermals mit ihr zu rechnen ist.

Nachdem sie den Riesenslalom in Sölden noch wegen Rückenproblemen hatte auslassen müssen, trainierte die 66-fache Siegerin von Weltcuprennen zuletzt in Copper Mountain im US-Bundesstaat Colorado, und nun zeigte sie sich auch im ersten Lauf des Slaloms von Levi wieder von ihrer besten Seite.

Stilistisch sauber legte die Amerikanerin zunächst die Bestzeit in den finnischen Schnee, die nur ihre große Rivalin aus der Slowakei  zu unterbieten vermochte: Petra Vlhova war in 54,19 Sekunden um 15 Hundertstelsekunden schneller. „Es ist ein bissl verrückt, nach all dem wieder zurück zu sein. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich wieder hier bin“, sagte Shiffrin. „Einerseits hat sich nichts geändert, andererseits hat sich alles geändert. Aber es ist cool, dass wir unseren Sport machen können, und es ist schön, dass ich all die anderen wieder sehen kann.“

„Es war ein guter erster Lauf“, sagte Petra Vlhova, „jetzt werde ich in der Videoanalyse schauen, wo ich noch Zeit rausholen kann.“ Vorteil für die Slowakin: Lauf zwei setzte ihr Trainer Livio Magoni.

Starke Österreicherinnen

Katharina Liensberger zeigte, dass sie auch in diesem Winter ihre Position als Nummer eins im österreichischen Slalom-Team zu behalten gedenkt. Die Vorarlbergerin, die im Sommer 2019 aufgrund ihres Materialstreits mit dem Verband viel wertvolle Test- und Trainingszeit verloren hatte, klassierte sich zunächst als Dritte, 52 Hundertstelsekunden fehlten auf Vlhova. Doch der Podestplatz war gut abgesichert: Michelle Gisin, die Vierte aus der Schweiz, lag bereits 55 Hundertstel hinter Liensberger. "Ich wollte einfach mit Freude und Spaß skifahren, das ist mir gelungen", sagte die Göfnerin. "Ich denke, wir sind alle extrem happy, dass wir hier fahren dürfen."

Dabei blieb es: Weil Mikaela Shiffrin im Finale noch einmal zwei Hundertstel schneller als Liensberger war und durchaus einige Nervosität zeigte, und weil die beiden Schweizerinnen nicht zulegen konnten: Holdener wurde Vierte, Gisin Fünfte. "Es hat Megaspaß gemacht heute", sagte Liensberger. "Im Flachen kann ich aber noch mehr herausholen."

Nicht zu stoppen war hingegen Petra Vlhova: Die 25-Jährige zeigte eine herausragende Leistung puncto Flinkheit in den Schwüngen und auch in Sachen Präzision, abermals fuhr sie Laufbestzeit, am Ende stand ihr neunter Sieg in einem Weltcup-Slalom, ihr zweiter in Levi nach 2017; 18 Hundertstel vor Mikaela Shiffrin, 57 vor Katharina Liensberger. "Der zweite Lauf war ein bisschen schwieriger für mich als der erste, wenn man als Letzte oben steht, spürt man schon einen gewissen Druck. Aber ich bin ganz gut damit zurechtgekommen, und am Ende hat es grün aufgeleuchtet", berichtete Vlhova.

Katharina Truppe, die vor einem Jahr in Levi den ersten Podestplatz ihrer Karriere geholt hatte, kam zunächst nicht recht in Schwung, schon im obersten, flachen Streckenteil verlor die Kärntnerin im ersten Lauf mehr als eine halbe Sekunde, das summierte sich bis ins Ziel nach einem ziemlichen Holperer im Steilhang auf 1,16 Sekunden – Platz acht. Bei zunehmendem Wind und Schneegestöber wusste die 24-Jährige aber im Finale ihre Nerven im Zaum zu halten und belohnte sich mit Platz 7 (+1,77). "Damit kann ich recht zufrieden sein, nachdem ich im ersten Lauf den Startteil voll verschlafen hatte", sagte die fidele Kärntnerin, die abermals zeigte, dass die Arbeit in Sachen Konstanz inzwischen Früchte trägt.

Die Tirolerin Chiara Mair, am Samstag mit Startnummer sieben ins Rennen gegangen, schob sich mit einem guten zweiten Lauf noch vom 16. Rang auf Platz acht nach vorn (+2,04), es war das dritte Top-Ten-Ergebnis der 24-jährigen Götznerin in Serie. "Ich hab mich eigentlich voll schwergetan, weil ich keine guten Erfahrungen mit Levi hatte. Da war der erste Lauf schon ein Erfolg für mich, der zweite war dann einfach nur ein Traum." Die Mostviertlerin Katharina Huber, bei Halbzeit auf Platz elf, verbaute sich hingegen in der Entscheidung durch einen Fehler im Steilhang alle Chancen auf eine klare Resultatsverbesserung und landete auf Platz zehn (+2,25). Unterm Strich steht gleichwohl die beste Platzierung seit einem Jahr, als die 25-Jährige in Levi Achte war.

Vorarlberger Licht, Salzburger Schatten

Eine gelungene Talentprobe zeigte Magdalena Egger aus Lech: Die 19-Jährige, bei der wegen Corona abgebrochenen Junioren-WM im norwegischen Narvik dreimal mit Gold veredelt (Abfahrt, Super-G, Kombination), kam bei ihrem dritten Einsatz im Weltcup auf den 21. Halbzeitrang (+1,84), nachdem sie bei den ersten beiden Zwischenzeiten noch als Siebente und Sechste gestoppt worden war. Und das mit Startnummer 61... Am Ende wurde es Platz 19 (+3,14), Eggers erster Dank galt ihren Eltern: "Danke, Mama, Danke, Papa. Ohne Euch wäre ich heute nicht hier."

Bernadette Schild kam mit der ohnehin ungeliebten Strecke überhaupt nicht zurecht, schon im flachen Startteil des ersten Laufs verlor die Salzburgerin im zweiten Bewerb nach ihrem Kreuzbandriss sechs Zehntelsekunden, der Rückstand wuchs bis ins Ziel auf 2,59 Sekunden. Das reichte nicht zur Qualifikation für das Finale. Katharina Gallhuber, die ebenfalls aus einer Kreuzband-Pause zurückkehrte, schied nach einem Fehler aus, die Tiroler B-Kader-Fahrerin Bernadette Lorenz kam bei ihrem erst zweiten Weltcup-Start auch nicht ins Ziel. Franziska Gritsch war auf dem besten Weg zu einer Sensation, die Ötztalerin schied im ersten Lauf jedoch aus, kurz nachdem sie nach 25 Sekunden mit gerade einmal zwei Hundertsteln Rückstand auf Vlhova gestoppt worden war.

Test-Diskussionen

Nicht am Start waren die Schwedinnen: Nachdem ihr Cheftrainer Christian Thoma positiv auf das Coronavirus getestet worden war, wurde die Mannschaft von den finnischen Behörden unter Quarantäne gestellt, was speziell für die Hoffnungsträgerinnen Anna Swenn-Larsson und Emelie Wikström eine herbe Enttäuschung war. Kurioses Detail: Thoma war an den Tagen zuvor jeweils negativ getestet worden, und auch der Rest des Teams war durchweg negativ.

Weiter geht's am Sonntag mit dem zweiten Slalom in Levi, gestartet wird wieder um 10.15 Uhr, der zweite Lauf folgt ab 13.15 Uhr.

1.

Petra Vlhova (SVK)

1:50,11

 

54,19

55,92

2.

Mikaela Shiffrin (USA)

1:50,29

+0,18

54,34

55,95

3.

Katharina Liensberger (AUT)

1:50,68

+0,57

54,71

55,97

4.

Wendy Holdener (SUI)

1:51,46

+1,35

55,35

56,11

5.

Michelle Gisin (SUI)

1:51,52

+1,41

55,26

56,26

6.

Laurence St-Germain (CAN)

1:51,53

+1,42

55,43

56,10

7.

Katharina Truppe (AUT)

1:51,88

+1,77

55,52

56,36

8.

Chiara Mair (AUT)

1:52,15

+2,04

55,85

56,30

9.

Melanie Meillard (SUI)

1:52,21

+2,10

55,83

56,38

10.

Katharina Huber (AUT)

1:52,36

+2,25

55,63

56,73

11.

Irene Curtoni (ITA)

1:52,39

+2,28

55,42

56,97

12.

Martina Dubovska (CZE)

1:52,60

+2,49

55,71

56,89

13.

Thea Louise Stjernesund (NOR)

1:52,72

+2,61

55,66

57,06

14.

Mina Fürst Holtmann (NOR)

1:52,75

+2,64

55,55

57,20

15.

Erin Mielzynski (CAN)

1:52,76

+2,65

56,10

56,66

16.

Ana Bucik (SLO)

1:52,97

+2,86

56,02

56,95

17.

Lena Dürr (GER)

1:53,00

+2,89

55,90

57,10

18.

Marta Bassino (ITA)

1:53,13

+3,02

55,53

57,60

19.

Magdalena Egger (AUT)

1:53,25

+3,14

56,03

57,22

20.

Martina Peterlini (ITA)

1:53,39

+3,28

56,40

56,99

21.

Kristin Lysdahl (NOR)

1:53,44

+3,33

55,91

57,53

22.

Kristina Riis-Johannessen (NOR)

1:53,48

+3,37

56,04

57,44

23.

Andrea Filser (GER)

1:53,55

+3,44

55,89

57,66

24.

Marina Wallner (GER)

1:53,58

+3,47

56,28

57,30

25.

Amelia Smart (CAN)

1:53,65

+3,54

56,14

57,51

26.

Nastasia Noens (FRA)

1:53,72

+3,61

56,25

57,47

27.

Leona Popovic (CRO)

1:53,83

+3,72

56,48

57,35

28.

Neja Dvornik (SLO)

1:54,04

+3,93

56,48

57,56

29.

Marta Rossetti (ITA)

1:54,50

+4,39

56,31

58,19

Ausgeschieden im 1. Durchgang: Bernadette Lorenz (AUT), Katharina Gallhuber (AUT), Franziska Gritsch (AUT), Ali Nullmeyer (CAN)

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Federica Brignone (ITA), Meta Hrovat (SLO)

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