Wiggins nach Zeitfahr-Sieg vor erstem Tour-Triumph

Ein Radrennfahrer im gelben Trikot jubelt mit erhobener Faust.
Radprofi Bradley Wiggins hat am Samstag auch das zweite lange Einzelzeitfahren der 99.

Tour de France klar für sich entschieden und steht nach dem Erfolg auf der vorletzten Etappe vor dem Gesamtsieg bei der bedeutendsten Landesrundfahrt. Den 32-Jährigen trennt nur noch der traditionell als Nichtangriffspakt ausgetragene Schlussabschnitt nach Paris am Sonntag vom ersten Tour-Triumph eines Briten.

Wiggins vom Team sky hatte das Gelbe Führungstrikot auf der 7. Etappe übernommen und die Frankreich-Rundfahrt seither mit seiner Mannschaft um den zweitplatzierten Christopher Froome und den Steirer Bernhard Eisel dominiert. Der Tour-Vierte von 2009 hatte auch in den Alpen und den Pyrenäen keinerlei Schwächen gezeigt.

Das 19. Teilstück über 53,5 Kilometer von Bonneval nach Chartres gewann der dreifache Bahnolympiasieger wie das Zeitfahren auf der 9. Etappe deutlich vor Froome. Der Spitzenreiter baute seinen Vorsprung auf seinen Landsmann auf 3:21 Minuten aus. Der Italiener Vincenzo Nibali aus der Liquigas-Mannschaft verteidigte mehr als sechs Minuten zurück Rang drei.

"Ich bin voller Emotionen, das ist ein unbeschreibliches Gefühl", sagte Wiggins nach seinem zweiten Tour-Etappensieg 2012. "Auf den letzten Kilometern ging mir so viel durch den Kopf: Die Arbeit der vergangenen Jahre, die Entbehrungen, meine Familie, mein Tour-Ausstieg 2011 nach dem Schlüsselbeinbruch und meine bisherigen Erfolge in diesem Jahr", meinte Wiggins, der am Samstag schon auf der Ziellinie mit der Siegerfaust gejubelt hatte. Von Polizisten abgeschirmt kämpfte er sich anschließend den Weg zum Teambus frei, wo sich Trainer und Betreuer schon in den Armen lagen. Froome als Etappen- und Gesamtzweiter rundete die perfekte Tour für das Team Sky ab.

Froome, der in den Bergen nach Teamorder einige Male auf Wiggins warten hatte müssen, erkannte die Überlegenheit seines Kapitäns im Zeitfahren an. "Er ist im Zeitfahren sehr stark. Man hat heute gesehen, dass er zu gut für mich ist. Ich bin sehr stolz auf meinen zweiten Platz. Wir haben den Toursieg für Bradley als Ziel ausgegeben. Mein zweiter Platz ist ein Bonus", meinte Froome. Wiggins hatte ebenfalls viel Lob für seinen Teamkollegen übrig. "Chris ist ein toller Bergfahrer, aber im Zeitfahren wusste ich, dass ich stärker sein kann", betonte der Nachfolger von Cadel Evans.

Der Vorjahressieger aus Australien erlebte in Chartres einen weiteren Einbruch und verlor 5:54 Minuten auf den Sieger. 20 Kilometer vor dem Ziel kassierte er zudem die Höchststrafe, als ihn sein zwei Minuten später gestarteter Teamkollege Tejay van Garderen überholte.

Sollte Wiggins die letzten 120 Kilometer nach Paris sturzfrei überstehen, ist der Premierenerfolg eines Engländers in 109 Jahren Tour de France perfekt. Die am Sonntag auf den Champs Elysees endende letzte Etappe ist nur noch für die Sprinter interessant. Damit kommt auch wieder auch Sky-Edelhelfer Bernhard Eisel viel Arbeit zu. Denn der Steirer soll Weltmeister Mark Cavendish zum dritten Etappensieg führen.

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