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Sport
08/05/2012

Wenn 80.000 die Luft anhalten

Nach einer Sekunde des Zauderns rollt ein Roar durch das Stadion, der mit jedem Schritt der Männer lauter wird.

Zwei Millionen Menschen fragten um Tickets für das 100-Meter-Finale an. 80.000 haben Glück gehabt. Sie sitzen im Olympiastadion und trauen Augen und Ohren nicht.

Die Finalisten sind durch den 400 Meter langen Tunnel ins Stadion gekommen, den die Athleten nach dem Aufwärmen benutzen, damit sie in der Konzentration nicht gestört werden. Aus dem Lautsprecher dröhnt die Filmmusik aus "Gladiator". So, genau so müssen sich die tatsächlichen Krieger im alten Rom gefühlt haben, die das Publikum unterhalten mussten. Anspannung pur. Mit dem Unterschied, dass sie damals um ihr Leben hätten laufen müssen.

Danke, Usain

Ein Gong hallt durch das Stadion, gefolgt von einer Fanfare. "Und jetzt: die hundert Meter." Der Stadionsprecher stellt die muskelbepackten Herren vor. Einen nach dem anderen. Zeitgleich werden die jeweiligen Gesichter auf den zwei Riesenleinwänden eingeblendet. Die Meute schreit. Sogar bei Justin Gatlin, der zwei Mal wegen Dopings gesperrt war. Bei Usain Bolt am lautesten. Aus Dank, dass es ihn gibt? Sie sind stolz, dem schnellsten Mann der Welt so nahe sein zu dürfen.

Bolt weiß, wie er mit der Masse spielen kann. Er blödelt herum, schneidet Grimassen, telefoniert mit Gott, schießt mit dem Zeigefinger in die Luft.

Wird er gleich ein echtes Feuerwerk zünden?

Die Angst

"Quiet for the Start" wird eingeblendet. Brav sind sie, die Fans. 80.000 halten die Luft an, als sich die Starter in die Blöcke hängen. Es ist beängstigend still. Die Zuschauer trauen sich kaum zu atmen. So, als würde man sich im Kasten verstecken, nachdem man bemerkt hat, dass Einbrecher in der Wohnung sind.

Erinnerungen an einen Gebirgssee werden wach. An den verlorenen Blick ins Wasser, das die Tagträume widerspiegelt, bis man vom Flügelschlag eines Adlers in die Realität zurückgeholt wird.

Bumm!

Die Sprinter hetzen los. Fehlstart? Nach einer Sekunde des Zauderns rollt ein Roar durch das Stadion, der mit jedem Schritt der Männer lauter wird. Der Lärmpegel steigt auf 110 Dezibel, das wurde berechnet. Vergleichbar mit einem Hubschrauber, der neben dem Ohr startet. Parallel dazu wird der Abendhimmel durch die Blitze der Fotoapparate erhellt. Reizüberflutung pur, nicht einmal zehn Sekunden lang. Das Gehirn kommt mit dem Verarbeiten der Eindrücke nicht nach. Offener Mund.

Wer hat gewonnen?

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