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Sport
01/17/2020

Wengen: Wenig Schnee, wenig Geld – ein Klassiker in Nöten

Trotz schlechter Prognosen soll am Samstag die Abfahrt stattfinden, am Freitag starten die Kombinierer.

Vincent Kriechmayr ist als Abfahrtssieger von 2019 zur Titelverteidigung nach Wengen gereist. Für den 28-jährigen Oberösterreicher gibt es am Freitag als Ouvertüre die Kombination (Abfahrt um 10.30 und Slalom um 14.00). „Die Kombi hier ist was Spezielles. Sie ist ein gutes Training für die Abfahrt.“

Am Donnerstag fand der zweite Trainingslauf statt. 1,49 Sekunden hatte Kriechmayr Rückstand auf den Schnellsten, allerdings nach einem Bremsschwung. „Ein paar Sachen sind gelungen, ein paar weniger. Das Brüggli-S lief nicht nach Wunsch, ich habe gesehen, dass Mothl es richtig gut gefahren ist, da muss ich noch ein bisschen besser analysieren.“ Mothl war der Schnellste, Matthias Mayer. Der tritt heute ebenfalls an. „Mich zipft an, dass ich die letzten vier Slaloms jeweils einen Einfädler hatte, ich möchte diese Serie brechen.“

Verletzten-Misere

Nach dem Dienstag-Training hatte das Schweizer Team zwei Verletzte zu beklagen. Der 24-jährige Urs Kryenbühl, in Bormio Zweiter, beleidigte bei seinem Sturz sein Syndesmoseband und fällt mehrere Wochen aus. Der talentierte 22-jährige Marco Kohler kam als Vorläufer im Ziel-S zum Sturz, riss sich die Patellarsehne, Kreuzband, Innenband und Innenmeniskus.Aufgrund der geringen Schneeauflage ist die Piste auch unruhiger, die Wellen werden nicht aufgefüllt und geglättet. Die Piste ist enorm unruhig und schnell. Mayer war am Donnerstag nach 2:26,80 Minuten im Ziel, Kriechmayr hatte im Vorjahr 2:28,36 gebraucht.

Der Salzburger Sigi Voglreiter, einst Weltcupstarter und jetzt Rennchef bei der Skifirma Fischer sagt: „Derart schneearme Winter sind absolut mörderisch. Kunstschnee ist nun einmal extrem aggressiv, die Verletzungsgefahr ist entsprechend hoch.“ Naturschnee wird zu einem ungünstigen Zeitpunkt erwartet – in der Nacht von Freitag auf Samstag. Trotz dieser Prognose wurde das Programm nicht verändert – es bleibt bei der Abfahrt am Samstag (12.30) und dem Slalom am Sonntag (10.15/13.15).

Wengen-Vertrag endet

Sicherheits, Infrastruktur und Beschneiung kosten Geld. Daher gibt es rund um den Klassiker Misstöne. Den Lauberhornrennen gehen die finanziellen Reserven aus. Schon seit einem Jahr kämpft man vor dem Sportgerichtshof CAS in Lausanne mit dem Skiverband um die Verteilung der TV- und Marketinggelder. Jährlich erhalten die Lauberhorn-Rennen von Vermarkter Swiss Ski gut zwei Millionen Franken (1,86 Millionen Euro) überwiesen.

Zu wenig, ist man im Berner Oberland überzeugt. Letztes Jahr gab es trotz Zuschauerrekord einen Verlust von 270.000 Franken (251.000 Euro), die Absage im Jahr 2017 hat eine halbe Million (465.000 Euro) gekostet. Nun wird auch über alternative Einnahmequellen nachgedacht, zum Beispiel einem Werbebogen (wie in Kitzbühel) über dem Hundschopf. „Bis jetzt sind wir der Meinung, dass die grandiose Natur im Vordergrund stehen sollte“, sagte Lauberhorn-Boss Urs Näpflin in der Zeitung Blick.

Gelingt keine Einigung, droht dem Klassiker, der den 90. Geburtstag feiert, das Aus, denn der Vertrag zwischen FIS, Swiss-Ski und Wengen endet nach dieser Saison. Der Schweizer Verband hat Alternativen, so entsteht derzeit am Matterhorn eine Abfahrtsstrecke.