Sport
23.05.2018

Weißhaidinger: 1,2 kg Fleisch täglich für 70-Meter-Traum

Nach bereits drei österreichischen Rekorden heuer ist der 26-Jährige ein Mitfavorit auf die EM-Medaille in Berlin.

Mit gleich drei österreichischen Rekorden ist Diskus-Hüne Lukas Weißhaidinger wurfgewaltig in die Saison gestartet. Als laut Weltverband Dritter der Jahresbestenliste hat sich der 26-jährige Oberösterreicher damit auch zum Mitfavoriten auf eine EM-Medaille im August in Berlin gemacht. Zuvor hat er schon Startplatzzusagen für zwei der vier Diamond-League-Meetings.

Die harte Arbeit im Winter macht sich bezahlt, die Technikumstellung abgestimmt auf seine Größe und Hebel schlägt heuer so richtig ein. "Drei Rekorde haben mich selbst ein bisschen überrascht, das versuche ich jetzt zu genießen", sagte Österreichs Leichtathlet des Jahres.

"Den Olympiasieger zu schlagen, ist etwas, dass man sich schon einmal auf der Zunge zergehen lassen kann. Er ist aktuell sicher in Topform, da brauchen wir nicht reden. Ich freue mich, dass ich mit Qualität überzeugen konnte." Weißhaidinger siegte am Sonntag in Rehlingen mit 68,98 m vor dem deutschen Rio-Goldmedaillengewinner Christoph Harting.

Dabei war der ÖLV-Athlet überhaupt nicht gut in den Wettkampf gekommen. "War ich das?", fragte er, als die 68 von der Anzeigentafel leuchteten. Außerdem hatten im Vorfeld zuerst der Rücken und dann der Fuß Probleme gemacht. Eine Außenbandzerrung im linken Sprunggelenk kommt laut Trainer Gregor Högler von einer leichten Überbelastung. "Wir sind im Leistungssport, da geht man an die Grenzen. Und die Grenze ist die Verletzung. Wir haben ein straffes Programm, es gilt jetzt, Lukas zu schützen. Mit Ultraschall und Lasertherapie bekommen wir das hin."

Am 31. Mai folgt mit dem topbesetzten Diamond-League-Meeting in Rom der erste Saison-Höhepunkt, nach Rehlingen meldeten sich auch die Organisatoren aus Paris und luden Weißhaidinger ein. "Ich will in Rom eine anspruchsvolle Leistung abliefern, damit ich auch in Stockholm und Oslo dabei bin. Ich würde mir das wünschen, ich hätte es mir von der Leistung verdient", sagte der Olympiasechste von Rio de Janeiro.

"70 ist eine Dimension"

"Die 70 m sind in meinem Hinterkopf seit dem ersten Tag. Aber ich glaube, dass das der schwierigste Meter meiner Karriere werden wird. Heuer gehe ich nicht mehr davon aus, aber in den nächsten paar Jahren. Ich muss nicht nur in Topform sein, es müssen auch die Bedingungen passen und Glück mitspielen", weiß Weißhaidinger. Wenn er es sich aussuchen könnte, würde er lieber die 68 m bei den Europameisterschaften nehmen als die 70 m irgendwo anders heuer. "Mit 68 m wäre ich bei der EM gut dabei."

Auch Högler, der den Umstand, dass er sich auf einen Athleten konzentrieren kann, als immens wichtig in der Erfolgsgeschichte sieht, sagt, dass man sich nach oben hin nicht begrenzen dürfe. "Physikalisch sind die 70 m hundert Prozent möglich. Es gibt auf der Welt momentan zwei, drei Athleten, die 70 m werfen können, das muss unser Traum sein. Es ist schon jetzt ein Rechenspiel", merkte der Trainer an, dass bei weiten Würfen auch nicht immer die optimalen Bedingungen herrschten.

Wohin es gehen soll, hat Weißhaidinger im Training ständig vor Augen. Ein eigens gebautes Spezial-Trainingsgerät verliert aufgrund des Kraftaufwandes Weißhaidingers Öl, mit der ausgeronnenen Flüssigkeit wurde 70 + an die Wand geschrieben, erzählte Högler. "70 ist eine Dimension. Aber es ist unsere Arbeit, besser zu werden."

Dabei hilft für die Regeneration auch ein Kältebecken im Häuschen neben dem Wurffeld in der Südstadt, genauso wie die Fleischlieferung eines Steakhouses. Bis zu 1,2 Kilo verdrückt der 1,97 m große und 150 kg schwere Weißhaidinger täglich, die in der ebenfalls vorhandenen Küche Medium Rare zubereitet werden.