Sport 05.12.2011

W. Klitschko will Mormeck nicht unterschätzen

Es hat schon Tradition, dass sich die Brüder Wladimir und Witali Klitschko auf ihre Box-Kämpfe beim Stanglwirt in Going vorbereiten.

Nachdem im August Witali zu Gast war, um schließlich den WBC-Titel gegen den Polen Tomasz Adamek erfolgreich zu verteidigen, trainiert derzeit sein älterer Bruder Wladimir für den WM-Kampf gegen den Franzosen Jean Marc Mormeck in Tirol.

Der Titelkampf steigt am 10. Dezember in der Esprit-Arena in Düsseldorf. In Fachkreisen gilt der 35-jährige Klitschko, der die Gürtel nach IBF-, WBA-, WBO und IBO-Version trägt, gegen den vier Jahre älteren Franzosen als der große Favorit. Doch unterschätzen will der 1,95-m-Hüne Klitschko den 14 Zentimeter kleineren, ehemaligen Cruiser-Gewichtsweltmeister nicht. "Ich will das nicht tun, ich rede ihn auch nicht stark", betonte Klitschko am Mittwoch auf einem internationalem Pressegespräch.

Dass er Favorit ist, wolle Klitschko ausblenden: "Ich bin Leistungssportler und werde mich auf das Wesentliche konzentrieren." Für Klitschko ist der Kampf gegen den Nigerianer Samuel Peters aus dem Jahr 2005 immer noch im Hinterkopf, als er im Titelkampf in Atlantic City dreimal zu Boden ging, ehe er doch noch zum Punktesieger gekürt wurde. "Daraus habe ich viel gelernt. Ich werde nicht entspannt in den Ring steigen", bekannte Klitschko, der 56 seiner 59 Kämpfe gewonnen hat, darunter 49 durch K.o.

Nach einem gemeinsamen Presseauftritt mit Mormeck bezeichnete Klitschko seinen kommenden Gegner als äußerst gefährlich: "Dadurch, dass er kleiner ist, ist er auch schneller. Er ist hochkonzentriert und weiß, dass er um die Chance seines Lebens kämpfen muss. Und er hat auch seine Chancen."

Klitschko bekannte freimütig, dass er ein "Glaskinn" habe: "Wenn ich richtig getroffen werde, bin auch ich verletzlich. Samuel Peters hat das gezeigt". Wie man das ukrainische "Glaskinn" schlagen kann, wollte Klitschko nicht verraten, sagte jedoch: "Ich werde ausprobieren, aus welchem Material das Kinn von Mormeck ist."

Vier WM-Titel hat Wladimir Klitschko. Nur den fünften Gürtel nach WBA-Version hat sein Bruder Witali. Doch auf diesen Titel spekuliert Wladimir nicht: "Weil ich viel zu viel Respekt vor meinem Bruder habe, auch sportlich. Er ist ein perfekter Boxer. Erst wenn er zurücktritt, wird dies auch für mich ein Thema. Aber darüber reden wir eigentlich nie."

Wladimirs letztem WM-Kampf gegen den Briten David Haye Anfang Juli ging ein gewaltiges Medienecho voraus, da sich sein Gegner auf einer Fotomontage unter anderem mit dem abgetrennten Kopf von Klitschko zeigte. Doch der Ukrainer gewann diesen Kampf souverän nach Punkten in zwölf Runden und behielt seinen WBA-Gürtel. Auch wenn das öffentliche Interesse diesmal geringer ist, erwartet sich Klitschko in Düsseldorf einen ähnlichen Kampf: "Mormeck ist zwar ein ruhiger Typ. Es wird aber wieder ein Geduldsspiel."

Erstellt am 05.12.2011