Sport 05.12.2011

Volleyball: Was blieb von der Heim-EM?

© Bild: apa

Nachwehen der schweren Geburt: Ohne Aussicht auf Erfolg spielt Österreich derzeit um ein Olympia-Ticket.

In der Innsbrucker Innenstadt erinnert noch ein Plakat an die EuroVolley. "10. bis 18. September 2011" steht darauf. Daneben der Slogan, der dem heimischen Volleyball-Sport zu neuer Blüte verhelfen sollte: "Stark. unterschätzt."

Das Wort "Initialzündung" war im Vorfeld der EM in Österreich und Tschechien inflationär gebraucht worden. Mehr Nachwuchs, mehr Anerkennung, mehr Zuschauer sollte das Turnier dem Sport bringen. So zumindest der Plan.

Gekommen ist es anders. Österreich wurde - wie bei der letzten EM-Teilnahme 1999 - Letzter. Ohne einen Satz gewonnen zu haben.

Auch beim Olympischen Qualifikationsturnier, das derzeit im slowakischen Poprad ausgetragen wird, konnte Österreich nicht punkten. 0:3 verlor das Team am Dienstag gegen den Gastgeber, Donnerstag (18 Uhr) trifft es auf Spanien. Ein Olympia-Ticket war für die Nummer 67 der Welt völlig unrealistisch.

Hat die EuroVolley also gar nichts gebracht?

Verpasste Chance

Der Ansturm auf die Hallen ist ausgeblieben. "Die meisten Vereine haben die EM als Chance nicht genutzt", sagt Österreichs Volleyball-Präsident Peter Kleinmann und ist selbst Beispiel dafür. Der Manager kämpft mit seinen hotVolleys ums Überleben.

Der Profibetrieb musste eingestellt werden, der ehemalige Topklub aus Wien liegt auf dem vorletzten Tabellenplatz. "Das ist aber mein Fehler und nicht der, der EuroVolley", sagt Kleinmann, dem rund eine Million im Budget fehlt "um wieder vorne mitspielen zu können".

Die Spieler selbst sehen das Projekt EuroVolley durchwegs positiv. "Wir haben uns gut präsentiert und gezeigt, dass Volleyball Spitzensport ist - kein Schulsport für Mädchen, die den Ball über die Schnur schupfen", sagt Teamspieler Matthias Kienbauer. Die beste Errungenschaft für die Zukunft ist für den Libero aber Teamchef Michael Warm: "Ohne die EM hätten wir nie so einen Trainer nach Österreich holen können."

Neue Generation

Auch der Hochgepriesene kann dem Turnier im September - trotz sportlicher Enttäuschung - viel Positives abgewinnen. "Seit der EM haben sich tatsächlich mehr Jugendliche bei den Vereinen gemeldet", sagt Warm. Für ihn ist die steigende Anzahl an Legionären ein wichtiger Faktor für eine rosige Volleyball-Zukunft.

Während vor der EM mit Philipp Schneider (Montpellier) nur ein Spieler im Ausland engagiert war, sind im Herbst Thomas Zass (Paris), Peter Wohlfahrtstätter (Antwerpen) und Philipp Kroiss (Amriswil/Schweiz) ausgewandert.

"Wir haben eine neue Generation an Spielern aufgebaut, die stolz darauf ist, ein Teil des Nationalteams zu sein", sagt der 43-jährige Deutsche, der vor dem Olympia-Qualifikationsturnier in der Slowakei vor einem neuen Problem stand: "Erstmals haben sich Spieler beschwert, dass sie nicht dabei sind. Früher habe ich schauen müssen, dass ich überhaupt sechs zusammenbekomme."

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Erstellt am 05.12.2011