Atemberaubende Aufholjagd: Tadej Pogacar

© EPA/CHRISTOPHE PETIT-TESSON

Sport
07/03/2021

Umsturz bei der Tour de France: Tadej Pogacar holt sich Gelb

Nach einem herben Rückschlag am Freitag erstaunt der 22-jährige Slowene mit einem Parforceritt. Dylan Teuns holt die Etappe

Wie sich doch die Bilder gleichen: Auch am Samstag hatten es die verbliebenen 177 Fahrer bei der Tour de France wieder eilig. Dieses Mal erwischte es beim Raketenstart gut 50 Fahrer, die nach fünf Kilometern abgehängt waren. Anders als noch am Freitag konnte Titelverteidiger Tadej Pogacar nun folgen, ein weiterer Zeitverlust hätte die ohnehin reduzierten Siegeschancen des slowenischen Emirates-Profis wohl Richtung Nullpunkt getrieben.

Dafür konnten mit Chris Froome (GBR/Israel) und Geraint Thomas (GBR/Ineos) zwei frühere Tour-Sieger nicht mithalten, sie strampelten mit ihrem sprintenden Landsmann Mark Cavendish (Deceuninck-Quick Step) in einer großen Gruppe mit der roten Laterne über die 150,8 Kilometer von Oyonnax nach Le Grand-Bornand.

Nach 25 Kilometern sorgte der erste Österreicher für Aufsehen, Michael Gogl (Qhubeka-NextHash) rutschte auf regennasser Fahrbahn in einer Linkskurve aus und landete auf dem Asphalt.

Fünf Kilometer später konnte Primoz Roglic mit der Grupppe mit den Favoriten nicht mehr mithalten und musste abreißen lassen, 30 Kilometer später fiel der sturzgeplagte Slowene von Jumbo-Visma auch aus der Verfolgergruppe und quälte sich allein wie ein nasses Häufchen Elend durch das französische Alpenvorland, bis der Tour-Zweite des vergangenen Jahres schließlich von der letzten Gruppe aufgelesen wurde. Der Abstand auf die 18-köpfige Spitzengruppe lag 55 Kilometer vor dem Ziel bei zwölf Minuten.

Nach 112 Kilometern war es Stefan de Bod (Astana-Premier Tech), der am Straßenrand lag, wie Michael Gogl war dem Südafrikaner das Hinterrad ausgebrochen, humpelnd setzte er sich wieder aufs Rad und fuhr weiter.

Das Ende der Kraft

33 Kilometer vor dem Ziel folgte der erwartete Umbruch im Gesamtklassement: Im Anstieg zum Col de Romme, dem vorletzten des Tages, ging dem Mann in Gelb der Saft aus, Mathieu van der Poel (NED/Alpecin-Fenix) konnte mit den Besten nicht mehr mithalten. Wenig später war der Belgier Wout van Aert (Jumbo-Visma) im virtuellen Gesamtklassement vom zweiten auf den ersten Rang geklettert.

An der Spitze kurbelte der Kanadier Michael Woods (Israel) solo, hinter ihm eine Gruppe mit Mattia Cattaneo (ITA/Deceuninck-Quick Step), Nairo Quintana (COL/Arkéa-Samsic), Wout Poels (BEL/Bahrain-Victorious),  Dylan Teuns (Bahrain-Victorious) und Simon Yates (GBR/Bike Exchange), dahinter fiel das Feld in Gruppen und Grüppchen auseinander, Roglic, Thomas und Kollegen hatten inzwischen 16 Minuten aufgerissen.

Die große Attacke

31 Kilometer vor dem Ziel attackierte Tadej Pogacar in Gruppe 3, und nur Richard Carapaz (ECU/Ineos) konnte dem 22-Jährigen folgen. Fünf Minuten lag das Duo hinter der Spitze, eine weitere Pogacar-Attacke später war auch Carapaz distanziert. Und er holte mächtig auf, seine 3:13 Minuten Rückstand auf Wout Van Art waren 26 Kilometer vor Schluss auf eine reduziert. Fünf Kilometer später war der Titelverteidiger schon wieder in Gelb.

Und in dieser Tonart ging es auf dem Weg zum Col de la Colombière weiter. Einen nach dem anderen überholte Pogacar bei seinem Solo-Kraftakt, kurz vor der Passhöhe überholte er Michael Woods und begab sich in der Abfahrt auf die Jagd nach Dylan Teuns, der sein Heil in der Flucht gesucht hatte.

Ein heikles Unterfangen auf rutschiger Fahrbahn, eine halbe Minute lag zwischen dem Führungsduo, nach und nach konnte Teuns mit vollem Risiko seinen Vorsprung vergrößern, am Ende waren es 49 Sekunden auf den neuen Mann in Gelb. Und der zweite Erfolg für Bahrain-Victorious in Serie nach dem Slowenen Matej Mohoric, der ja die 249-Kilometer-Etappe am Freitag gewonnen hatte.

"Es ist großartig", sagte Teuns, "ich hatte mir zwar Ziele gesetzt, aber dass es so aufgehen würde, hätte ich nie gedacht. Es war stressig, und bei dem Wetter war es auch nicht so einfach, das Tempo hoch zu halten."

Am Sonntag bleibt die Tour in Savoyen, von Cluses geht es über 144,9 Kilometer samt Col des Saisies, Col du Pré und Cornet du Roselend hinauf in die Skistation Tignes. Tadej Pogacar startet mit 1:48 Minuten Vorsprung auf Wout van Aert in den Tag, Gesamtdritter ist nun der Kasache Alexej Luzenko (Astana-Premier Tech/+4:38).

Kurioses Detail am Rande: Es ist erst Pogacars zweiter Tag in Gelb - im vergangenen Jahr hatte er das begehrte Trikot ja erst am vorletzten Tag im Zeitfahren auf die Planche des Belles Filles in den Vogesen von seinem Landsmann Primoz Roglic geerbt.

"Vor den letzten drei Anstiegen habe ich zu meinen Teamkollegen gesagt: Okay, lasst uns versuchen, das zu gewinnen - und so sind wir dann gefahren", sagte Pogacar. Dass er allerdings so viel Zeit auf die Konkurrenz gewinnen würde, das überraschte den 22-Jährigen dann doch. Und dass die Angriffe ausgeblieben sind. "Ich denke, da haben sie auch der harten Etappe am Freitag Tribut zollen müssen. Und der Kälte und dem Regen heute." 

Am Montag ist dann der erste Ruhetag.

8. Etappe (Oyonnnax-Le Grand-Bornand, 150,8 km): 1. Teuns (BEL) Bahrain-Victorious 3:54:41, 2. I. Izagirre (ESP) Astana-Premier Tech +44, 3. Woods (CAN) Israel +47, 4. Pogacar (SLO) Emirates +49, 5. Poels (BEL) Bahrain-Victorious +2:33, 6. S. Yates (GBR) Bike Exchange +2:43, 10. Vingegaard (DEN) Jumbo-Visma +4:09, 11. Luzenko (KAZ) Astana-Premier Tech, 12. Mas (ESP) Movistar, 13. Carapaz (ECU) Ineos, 14. Urán (COL) EF-Nippo, 15. Gaudu (FRA) Groupama-FDJ, 16. Bilbao (ESP) Bahrain-Victorious, 17. Kelderman (NED) Bora-hansgrohe alle gl. Zeit, 21. Van Aert (BEL) Jumbo-Visma +5:45, 22. N. Quintana (COL) Arkéa-Samsic +8:34, 29. Fuglsang (DEN) Astana-Premier Tech +15:50, 35. Geoghegan Hart (GBR) Ineos +18:55, 37. Alaphilippe (FRA) Deceuninck-Quick Step, 39. Porte (AUS) Ineos gl. Zt., 44. Van der Poel (NED) Alpecin-Fenix +21:47, 57. Buchmann (GER) +28:41, 71. Konrad (AUT) beide Bora-hansgrohe gl. Zeit, 90. Valverde (ESP) Movistar +35:01, 145. Haller (AUT) Bahrain-Victorious +35:01, 156. Froome (GBR) Israel, 164. Pöstlberger (AUT) Bora-hansgrohe, 170. Gogl (AUT) Qhubeka-NextHash, 174. Thomas (GBR) Ineos, 175. Roglic (SLO) Jumbo-Visma alle gl. Zeit.

Gesamt: 1. Pogacar 29:38:25, 2. Van Aert +1:48, 3. Luzenko +4:38, 4. Urán +4:46, 5. Vingegaard +5:00, 6. Carapaz +5:01, 7. Kelderman +5:13, 8. Mas +5:15, 9. Gaudu +5:52, 10. Bilbao +6:41, 23. Van der Poel +17:20, 24. Alaphilippe +18:51, 27. Porte +22:01, 29. N. Quintana +23:49, 42. Buchmann +32:20, 45. Thomas +36:03, 51. Roglic +39:45, 59. Konrad +42:48, 106. Gogl +1:01:49, 135. Pöstlberger +1:11:13, 166. Froome +1:21:12, 170. Haller +1:22:41.

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