Enormer Aufwand: Bora-hansgrohe war am Freitag stets im Bilde

© REUTERS/STEPHANE MAHE

Sport
09/07/2020

Tour de France in Zeiten Coronas: 22 Teams und das Millionenrad

Ein Blick auf die Finanzen – und die teils unsichere Zukunft der Teams bei der 107. Frankreich-Rundfahrt.

In Bayern und im Schwarzwald haben sie sich am Freitag die Hände gerieben: Eine ambitionierte Leistung auf der siebenten Etappe der Tour de France sorgte dafür, dass das Team Bora-hansgrohe nahezu permanent im Bild war, beste Werbung also für den Küchengeräte- und den Sanitärhersteller.

„70 Prozent unseres Werbewerts erzielen wir bei der Tour de France“, sagt Teamchef Ralph Denk. Auch deswegen wollte der Veranstalter Amaury Sport Organisation die 107. Frankreich-Rundfahrt auf die Straße bringen – und natürlich aus Eigennutz: Rund 300 Millionen Euro setzt die Firma pro Jahr um, der Gewinn liegt um die 40 Millionen. Mit der Tour, der Vuelta a España, aber auch Golf- und Tennisturnieren, dem Pariser Marathon und der Rallye Dakar.

Praktischerweise gehört die ASO zu einem Konzern, in dem sich auch die Tageszeitung Le Parisien und die Sportzeitung L’Équipe befinden, das Ganze ist ein Familienbetrieb der Amaurys.

Geld bringt Erfolg

Ein Millionenspiel ist natürlich auch die sportliche Seite. Über allen thront das Team Ineos, das seit vergangenem Jahr nicht mehr Sky heißt und die letzten sieben Tour-Sieger stellt. Der Wechsel vom Medien- zum Petrochemiekonzern hat nicht allen geschmeckt, beim Erstauftritt unter dem neuen Namen bei der Tour of Britain 2019 kam es zu einigen Protestaktionen, nicht zuletzt, weil Ineos zu den Protagonisten in Sachen Fracking gehört.

Doch nicht nur das 40-Millionen-Euro-Team steht in der Kritik. Die Mannschaft von Marco Haller – Bahrain-McLaren – hat mit dem arabischen Königreich einen Geldgeber, der in der Kritik von Menschenrechtlern wie Amnesty International steht. Die McLaren Technology Group – seit 2017 ebenfalls in bahrainischem Besitz – will sich wegen finanzieller Probleme nach nur einer Saison zum Jahresende als Sponsor zurückziehen.

Vor dem Aus steht das polnische Team CCC, der Bekleidungskonzern hat im Zuge der Corona-Krise mit massiven Einbrüchen zu kämpfen. Um das Unternehmen zu retten, beendet Firmenchef Dariusz Milek das Sponsoring, die Mitarbeiter des Rennstalls haben Gehaltseinbußen von 50 Prozent zugestimmt. Zwar sucht Teamchef Jim Ochowicz händeringend neue Geldgeber, doch das ist in der momentanen Situation nicht einfach; rund 20 Millionen Euro wären nötig. Straßen-Olympiasieger Greg Van Avermaet hat bereits seinen Wechsel zum französischen Team AG2R (Namensgeber ist ein französischer Versicherungskonzern) angekündigt, doch Ochowicz hat es schon einmal geschafft, seine Mannschaft zu retten – als 2018 der Schweizer Geldgeber Andy Rihs (BMC) verstorben ist, de ja auch Eigentümer des Fußballklub YB Bern war.

Solche Probleme sind Astana fremd, die Mannschaft gehört einer kasachischen Staatsholding. Deceuninck-Quick Step, in der laufenden Saison mit 31 Siegen die erfolgreichste Mannschaft, hat erst kürzlich bestätigt, dass die Geldgeber – ein Fensterbauer und ein Boden- und Dämmstoffhersteller – ihr Engagement unverändert fortsetzen. Beide Teams haben rund 15 Millionen Euro zur Verfügung.

Internationales Flair

Jumbo-Visma um Tour-Co-Favorit Primoz Roglic wird von einer niederländischen Supermarktkette und einem norwegischen Softwareunternehmen unterstützt, Movistar heißt nach einem spanischen Telekommunikationskonzern, der auch in Lateinamerika tätig ist.

Mitchelton-Scott um Adam Yates wird von einer australischen Hotel- und Restaurantkette und einem Schweizer Radhersteller gefördert, Education First vom weltgrößten Anbieter von Sprach-, Bildungs- und Reiseangeboten mit Sitz in Schweden.

Auch ein wenig Österreich rollt über Frankreichs Straßen: Bora-hansgrohe und Ötztal Tourismus sind eine Kooperation eingegangen, das Logo prangt auf den Trikots von Felix Großschartner, Gregor Mühlberger und Lukas Pöstlberger.

Und Michael Gogls Team ist seit heuer mit japanischer Hilfe unterwegs, auf Dimension Data aus Südafrika folgte NTT, Nippon Telegraph and Telephone.

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