Sport
21.08.2018

Thiem droht Fall aus den Top Ten, aber Gesundheit wichtiger

Für den Niederösterreicher lief es zuletzt nicht gut, bei den US Open hofft er auf den Turnaround.

Mit dem erstmaligen Erreichen eines Grand-Slam-Endspiels schien für Dominic Thiem der Weg geebnet zum nächsten Schritt in Richtung gesichertes Top-5-Niveau. Doch danach lief es für den Niederösterreicher, der am 3. September seinen 25. Geburtstag feiert, auf der ATP-Tour gar nicht nach Wunsch. Sechs Tage vor Beginn der US Open in New York ist die vollständige Gesundung nun einmal das Wichtigste.

Ein hartnäckiger Virus hat Thiem schon im Vorfeld des Masters-1000-Turniers von Toronto gequält. Die Folge war eine Zweisatz-Niederlage nach Freilos in der zweiten Runde gegen Stefanos Tsitsipas, der immerhin danach drei weitere Top-Ten-Spieler auf dem Weg ins Endspiel aus dem Weg räumte. Als sich Thiem auch in Cincinnati noch nicht besser fühlte, nahm er sich gleich vor seinem ersten Einsatz selbst aus dem Turnier. Günter Bresnik führt den Weltranglisten-Neunten, der am Sonntag erstmals wieder Bälle schlug, dieser Tage mit vorsichtigem Trainingsbeginn wieder zurück Richtung Wettkampftennis.

Thiem ist nicht der Einzige im ÖTV-Lager, der vor Beginn der US Open angeschlagen ist. Qualifikant Dennis Novak verschob seine Anreise um einen Tag, auch Sebastian Ofner ist erst am vergangenen Freitag in die USA geflogen. Sie waren schon am (heutigen) Dienstag im Quali-Einsatz. Thiem hat zumindest noch bis Montag Zeit, ehe es für ihn erstmals ernst wird.

Im Fall

Natürlich steht die vollständige Gesundung im Vordergrund, auch bei den US Open wird man nicht um jeden Preis antreten. Dennoch hat Österreichs zehnfacher Turniersieger seit Roland Garros, wo er mehrmals sein bisher überhaupt bestes Tennis gezeigt hat, alles andere als überzeugt: Noch müde von Paris in Halle nach einem Sieg out, in Wimbledon in Runde eins am Rücken verletzt ausgeschieden. Dann verlor er nach zwei Siegen in Hamburg im Viertelfinale in zwei knappen Tiebreaks und topgesetzt in Kitzbühel folgte ein hauchdünnes Auftakt-Aus wie danach auch in Toronto. Die nackten Zahlen: in fünf Turnieren nur drei Siege.

Dass Thiem dadurch im Ranking langsam an Boden verliert, ist eine logische Folge. Sollte Thiem nicht in Flushing Meadows den Turnaround schaffen, dann blüht ihm der erstmalige Rausfall aus den Top Ten seit 6.6.2016. Sein Coach Günter Bresnik hält von solchen Ansagen nichts. "Das passiert sowieso irgendwann einmal. Das sind alles Dinge, mit denen ich mich nicht beschäftigen soll. Ein normaler Mensch schaut nicht in den Rückspiegel, der fährt einmal vorne weg. Ich bin kein Rückspiegel-Schauer", erklärte Bresnik noch vor seiner Abreise in die USA im APA-Gespräch.

Thiem wird bei der Auslosung für das letzte Grand-Slam-Turnier am Donnerstag (20.00 Uhr MESZ) als aktuelle Nummer 9 erstmals seit einiger Zeit nicht unter den Top 8 Spielern gesetzt sein. Er hat in diesem Jahr bisher 3.005 Punkte geholt, vor Jahresfrist waren es zu diesem Zeitpunkt exakt 530 mehr - damit ist er im Race derzeit Achter, damals war er Vierter. Der Zug in Richtung dritter Teilnahme an den ATP World Tour Finals in London en suite ist also noch keineswegs abgefahren. Selbst bei einem frühen Aus in New York, wo aus dem Vorjahr 180 Zähler für ein Achtelfinale aus der jahresübergreifenden ATP-Wertung fallen, nicht.

Anfällig für Verkühlungen

Nach Flushing Meadows hat Thiem zunächst den Heim-Daviscup in Graz gegen Australien vom 14. bis 16. September im Plan stehen. Danach spielt er in St. Petersburg, Schanghai, Wien und Paris-Bercy. Eine neuerliche Masters-Teilnahme hält auch Bresnik für "nicht ausgeschlossen". "Die Voraussetzungen dafür sind aber, dass er diese vier Turniere gut spielt. Da muss er sehr gut spielen." Schließlich gibt es auch hinter seinem Schützling einige Leute, die noch aufkommen. Zuletzt zum Beispiel David Goffin, Grigor Dimitrow, nicht zu vergessen Griechenlands Jungstar Tsitsipas. Auch ein John Isner könnte gerade bei den US Open gut punkten.

Vater Wolfgang Thiem verfolgt das Geschehen nur aus der Ferne. "Man muss schauen, wie die Woche Training geht und wie er sich entwickelt. Dass er nicht hundertprozentig beieinander ist, ist klar", sagte Thiem senior.

Trotz der Pechsträhne drängt sich aber doch die Frage auf, ob die Reisestrapazen samt Jetlag sich bei seinem Sohn nicht häufiger mit Erkrankungen auswirken als bei anderen. Auch zum Beispiel zu Beginn des Jahres in Australien oder in der Vergangenheit im Finish der Saison war er oft verkühlt. 2016 sagte Thiem für das 1000er-Turnier in Schanghai, 2017 für das 1000er in Paris-Bercy ab. "Er ist einer, der sehr anfällig ist, für so grippale Infekte, das war er immer schon", erzählt Wolfgang Thiem. "Er hat halt zwei, dreimal pro Jahr seine Erkältungen, das fällt halt meistens in den Oktober oder November. Wie es jetzt ist, ist aber eher ungewöhnlich." Grundsätzlich müsse man da aber nichts rauslesen.