2003 wurde der Schweizer erstmals die Nummer eins, heute spielt er noch variantenreicher.

© APA/EPA/JOHN G. MABANGLO

US Open
08/30/2015

Roger Federer: Der neue, alte Superstar

Der 34-jährige Schweizer zählt zu den Favoriten - auch, weil er sein Spiel erneut umstellte.

von Harald Ottawa

17 Grand-Slam-Titel, mit 302 Wochen an der Spitze die längstdienende Nummer eins der Tennis-Geschichte und so weiter und so fort.

Dass Roger Federer der erfolgreichste und beste Spieler seiner Zunft ist, ist längst kein Geheimnis. Und dennoch beliebt der mittlerweile 34-jährige Schweizer Großmeister immer wieder zu überraschen. Mit Titeln (in Cincinnati holte er zuletzt seinen 87.), aber vor allem mit der Spielweise. "Federer wird noch lange an der Spitze mitmischen, weil er sich immer wieder neu erfindet", sagt Österreichs Vorzeige-Trainer Günter Bresnik.

Der neue "Federer"

Neueste Variation im Hause Federer: Noch offensiver zu spielen, vor allem mit einer neuen Form des "Chip-and-Charge"-Tennis. Christopher Clarey, renommierter Autor bei der New York Times gab dem Kamikaze-Halbvolley-Return von Federer sogar einen passenden Namen: nämlich "Federer". Der Weltranglisten-Zweite spielte einige "Federers" in Cincinnati und kam so zu seinem siebenten Turniersieg beim Hartplatzturnier in Ohio. Federer stellte sich hart an der Grundlinie auf, nahm die Bälle früh und stürmte im Lauf der Woche über hundert Mal ans Netz, mit einer Erfolgsquote von 75 Prozent.

"Ich habe es zunächst im Training mehr aus Spaß gemacht. Ich habe es wieder und wieder und wieder probiert. Und es scheint so, dass es für mich nicht so schwierig ist, das zu tun", sagt Federer. Schwierig ist für ihn anscheinend gar nichts, der Maestro ist technisch der Beste, die hohe Spielkunst gehört seit fast eineinhalb Jahrzehnten zu Federers Qualitätsmerkmalen, zu seiner DNA. Dazu kommen die für einen 34-Jährigen starke Fitness und das Selbstvertrauen.

Und vor allem eben die Bereitschaft, ständig an sich arbeiten zu wollen. Ein Indiz dafür ist, dass sich der Schweizer mit 32 Jahren einen neuen Coach zulegte.

Gespann mit Edberg

Nicht irgendeinen Coach. "Dass er in diesem Alter noch Stefan Edberg nahm, zeigt, dass er noch einiges verändern will, noch viel vor hat", sagt Österreichs Daviscup-Kapitän und Federer-Freund Stefan Koubek. Edberg stand immer für Offensivspiel, für perfektes Serve-and-Volley, die Grundlinie nahm der Schwede nur als Anhaltspunktfür den Aufschlag.

Edberg hat Federer auch die Lust zurückgebracht. Der neue Angriffsgeist bereitet dem Weltranglisten-Zweiten selbst Freude. "Ich bin froh, dass ich nicht lächerlich aussehe, wenn ich das mache. Es macht mir Spaß", erklärte der Schweizer.

Duell mit Djokovic

Freilich, er weiß selbst, dass der Weg zum Titel in New York über den topgesetzten Novak Djokovic führt. Zumal diesem die Bedingungen eher liegen als noch auf dem schnelleren Hartplatz in Cincinnati, wo er Federer unterlag. Aber es ist zu vermuten, dass sich Federer auch da wieder etwas einfallen lässt. Schließlich ist er neben Rafael Nadal der einzige Herr, der bei allen Grand-Slam-Turnieren gewonnen hat.

Karriere-Ende? In weiter Ferne. Zumindest gab er dieser Tage schon bekannt, dass er das Jahr 2016 in Brisbane startet. Es wartet ein Jahr mit einem Höhepunkt in Rio: Olympia-Gold im Einzel fehlt Federer noch. Sonst hat er alles gewonnen. Alles.

Einsatz in Manhattan und ein Rekord-Preisgeld

Verrückt sind sie ja schon irgendwie, die Amerikaner. Vor dem ersten Aufschlag am Montag bekommen Polizisten ihren Einsatz von Manhattan, indem sie die Straßen absperren und ja Obacht walten lassen, dass keine unerwünschten Passanten die Abgrenzungen überschreiten.

Nein, es handelt sich um keine Verbrecherjagd oder um einen sonstigen Polizeieinsatz, sondern um Tennisspieler, die Werbung für Nike machen. Die Superstars Roger Federer, Rafael Nadal, Pete Sampras, Andre Agassi, John McEnroe sowie Serena Williams und Maria Scharapowa tummelten auf der Straße, um sich gegenseitig die Bälle zuzuspielen. Such’s Balli in einer der dichtest besiedelten Gegenden der Welt. New York, New York ...

Die noch aktive Zunft braucht das Werbe-Geld wohl nicht wirklich, immerhin gibt es heuer ein Rekord-Preisgeld bei Grand-Slam-Turnieren. 42,3 Mio. Dollar (36,76 Mio. Euro) werden insgesamt ausgeschüttet, die Sieger bei Damen und Herren erhalten jeweils umgerechnet 2,87 Mio. Euro (brutto), das ist Rekord bei einem Grand-Slam-Turnier. Zum Vergleich: In Wimbledon erhielten die beiden Sieger Novak Djokovic und Serena Williams jeweils 2,64 Millionen Euro. Gewiss: Im nächsten Jahr gibt’s noch mehr.

Zwei Aushängeschilder könnten zu Rekord-Siegern avancieren. Siegt Roger Federer, ist er seit der Profi-Ära (1968) mit sechs Siegen die alleinige Nummer eins, der Schweizer triumphierte in Flushing Meadows bereits von 2004 bis 2008. Vor der Open Era waren die drei Amerikaner Richard Sears (1880er-Jahre), William Larned (1910er) und Bill Tilden (1920er) – mit jeweils sieben Siegen am erfolgreichsten. Für Serena Williams wäre es der fünfte Grand-Slam-Titel in Folge (sie kann damit den Grand-Slam holen) und der siebente in New York – auch der US-Star wäre damit die alleinige Nummer eins seit 1968. Ihre Landsfrau Molla Mallory holte ihre acht Titel zwischen 1915 bis 1926.

Auch der Centre Court ging in die Rekordbücher ein. Das Arthur Ashe Stadium ist mit einem Fassungsvermögen von 22.547 Zuschauern das größte Tennis-Stadion.

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