Dominic Thiem feierte Samstagnacht seinen bisher größten Turniersieg.

© APA/AFP/PEDRO PARDO

Tennis-Star
03/02/2016

Dominic Thiem: "Es gibt immer was zu tun"

Der erst 22-Jährige schwebt derzeit auf Wolke sieben. Von dort plaudert er über den Aufstieg, Olympia und Privates.

von Harald Ottawa

A Star is born? Als Dominic Thiem am Abend vom Flughafen mit der Frau Mama nach Wien raste, war das mexikanische Lokal im Prater bereits bummvoll. Jeder wollte den neuen Helden sehen, der sich so gar nicht als Star gibt. Auch, wenn der Übersee-Flug, der seinen Ausgang in Acapulco nahm, nicht ideal war. "Zwei Stunden Turbulenzen habe ich noch nie erlebt." Auf Wolke sieben lässt sich eben alles besser ertragen. Immerhin hat er einiges mitgenommen aus Amerika. Zwei Turniersiege, ein Semifinale, Nummer drei der Jahreswertung. Nachdem der Medienrummel vorbei war, plauderte der 22-Jährige über seine Karriere, sein Leben und was es sonst noch alles gibt.

KURIER: Heute hat mich sogar die Friseurin angesprochen auf Sie. Sie hat sofort gewusst, dass Sie in Acapulco gewonnen haben ...

Dominic Thiem (sieht den Interviewer an): Und was macht die Dame beruflich?

Vielen Dank. Aber Sie merken schon, dass ein neuer Hype entstanden ist? Verfolgen Sie auch die Medien?

Ja klar. Ich habe eine App von allen wichtigen Tageszeitungen, selbstverständlich auch vom Kurier. Das tut sehr gut, aber es heißt auch, dass man hart weiterarbeiten muss, um die Fans nicht zu enttäuschen.

Da kommt ja viel zusammen für das Handy. Wie viele Akkus haben Sie gebraucht in Amerika?

Nicht so viele, die halten ja heute viel aus. Mit Günter (Trainer Bresnik) habe ich mehrmals am Tag telefoniert, mit der Familie und Freunden mit WhatsApp geschrieben und telefoniert.

Ihre Eltern sind ja selbst Tennislehrer – können Sie Dir heute noch Tipps geben?

Natürlich. Aber in erster Linie ist die Familie der Ruhepol. Natürlich vermisse ich sie, wenn ich auf Reisen bin. Das gilt auch für die Freunde und Romana.

Wie oft sehen Sie denn Ihre Freundin?

Sehr selten, sie muss arbeiten und lebt in Tirol. Aber zum Turnier nach Miami Ende März fliegt sie mit.

Auch dort werden Sie wahrscheinlich erkannt. Sie sind ja auch in London schon ein kleiner Star ...

Das war geil, als ich gesehen habe, dass ich auf der Chelsea-Homepage verewigt bin. Ich liebe diesen Verein, seit ich denken kann. Mittlerweile ist der Schmerz auch vergangen, es hat mich sehr getroffen, als Mourinho gegangen ist oder wurde. Ich habe aber auch überall das Chelsea-Trikot an, bin also ein guter Werbeträger.

Für den FC Simacek-Chelsea London gewissermaßen?

Ja, nur von Chelsea krieg’ ich halt kein Geld.

Das wird auch nicht von Ihnen verlangt. Ihren Körper haben Sie zuletzt extrem viel abverlangt. Drei Turniere in Übersee gespielt, zwei gewonnen, darunter mit Ferrer und Nadal zwei ganz Große geschlagen. Ist das der fitteste Thiem, den es je gab?

"Je gab" - ja, "je geben wird", will ich lieber bezweifeln, dafür arbeitet man ja, dafür gibt man alles. Aber klar, ich hatte endlich eine krankheitsfreie Vorbereitung. Zudem ein sensationelles Team.

Team Thiem: Von Physio Alex Stober werden ja Wunderdinge gesagt ...

Er ist sicher weltweit einer der Besten. Ich habe sofort gemerkt, dass da etwas weitergeht. Aber es ist das ganze Team, auch Joakim Nyström ist ein Topmann. Er zählt zu jenen Leuten, denen ich blind vertrauen kann.

Sie sind nun die Nummer 14 der Welt, ab Montag sogar die Nummer 13. Da lachen einen doch die Top Ten an?

Ich habe im Vorjahr schon gesagt, dass heuer ein Ziel ist, bei den ganz großen Turnieren, insbesondere bei den Grand-Slam-Turnieren, ganz groß da zu sein. Dann ergibt sich das Ranking von selbst. Ich bin zwar der drittbeste Jahresspieler, und nach zwei Monaten ist das schön, aber nicht die ganz große Leistung. Ich arbeite konsequent weiter, es gibt immer was zu tun. Noch gibt es schon ein paar Spieler, die noch sehr weit über mir sind.

Trotzdem reisen Sie als Star zum Daviscup nach Portugal. Ihr Trainer Bresnik hat kritisiert, dass dies viel zu aufwendig sei, weil Sie unmittelbar danach schon wieder nach Indian Wells fliegen. Warum spielen Sie?

Weil das ein super Team ist. In erster Linie wegen Dennis Novak. Er ist ein super Freund und auch in Portugal dabei. Ich verstehe mich aber auch mit Gerald Melzer und Alex Peya sehr gut. Ich finde schade, dass Andi Haider-Maurer nicht dabei sein kann. Ihm wünsche ich alles Gute.

Außerdem kann man gegen die schlechte Bilanz etwas tun ...

Natürlich. Ich habe im Daviscup eine 0:4-Bilanz. Das will ich nicht so stehen lassen.

Sie helfen damit irgendwie auch dem Tennisverband. Noch sauer, dass er Sie jahrelang ignoriert hat?

Da ist einiges schiefgegangen damals. Jetzt habe ich gottlob andere Sorgen.

Vielleicht gibt es ja bald einen zweiten Thiem, den man ignorieren kann. Wie weit ist Bruder Moritz mit seinen 16 Jahren in der Entwicklung?

Sehr weit, er macht seine Fortschritte. Das kann sicher was werden.

Wird man Sie bei Olympia sehen und bei den österreichischen Turnieren?

Olympia ist für Sportler, die vier Jahre nicht im Rampenlicht stehen und für diesen Höhepunkt trainieren. Für Fußballer und Tennisspieler ist dies nebensächlich. Ich werde erst entscheiden, aber eher nicht.

Und bei den Turnieren in Kitzbühel und Wien?

Ja, dort werde ich aufschlagen. In Kitzbühel möchte ich endlich die Gams holen.

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