Schett bekrittelt "Eigenbrötlerei"

Die ehemalige Nummer sieben der Tennis-Welt findet kritische Worte bezüglich der gegenwärtigen Situation im ÖTV.

Yvonne Meusburger hat ihre Karriere beendet, Patricia Mayr-Achleitner auf der WTA-Tour seit April kein Match mehr gewonnen. Sie droht als letzte aktive ÖTV-Spielerin aus den Top 100 zu fallen. Die seit Jahren in der Generation danach ersichtliche Lücke im rot-weiß-roten Damentennis ist größer denn je.

Barabara Schett, die seit Jahren für Eurosport zu den Grand-Slam-Turnieren reist, bekrittelt vor allem die "Eigenbrötlerei" und den zu wenig vorhandenen Willen zum internen Kräftemessen. Sie selbst bringt sich einmal mehr ins Spiel, den Spielerinnen gerne für beratende Tätigkeiten unter die Arme zu greifen.

Tut es Ihnen als ehemaliger Nummer 7 der Welt nicht weh, zu sehen, wie es momentan im österreichischen Damen-Tennis ausschaut?

Barbara Schett: Ja, sicherlich. Ich betrachte das natürlich von außen, habe leider oft nicht so viel Zeit, den österreichischen Spielerinnen zuzuschauen, weil ich selbst mit der Arbeit bei den Grand-Slam-Turnieren so eingedeckt bin. Es tut natürlich weh. In meiner Generation hat es, glaube ich, sieben, acht Spielerinnen einmal bei den US Open im Hauptfeld gegeben. Jetzt ist es nur noch eine, nachdem Yvonne Meusburger jetzt ihre Karriere beendet hat. Das ist schon traurig, dass es nicht mehr Spielerinnen gibt, die von hinten nach vor kommen. Da ist wenig los.

Was sind die möglichen Ursachen dafür?

Schett: Ich glaube schon, dass da vielleicht zu einer gewissen Zeit, ein bisserl was falsch gemacht worden ist. Ich weiß nicht, ob es das System in Österreich ist. Aber was mir halt auffällt, ist diese Eigenbrötlerei von den meisten Spielerinnen. Dass es nicht irgendwo ein Zentrum gibt, ob in der Südstadt oder in Salzburg, wo alle Guten zusammenkommen und sich gegenseitig nach oben pushen. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass mir das wahnsinnig geholfen hat. Wichtig ist natürlich, dass die Spielerinnen das auch wollen: Sich Ziele setzen und zusammen das Ziel erreichen.

Sie haben sich schon früher für Hilfe, auch dem ÖTV, angeboten. Ist das trotz Familie, Reisetätigkeit und auch ihrer Zeit in Australien noch ein Thema?

Schett: Ja, sicher. Ich bin natürlich Österreicherin mit Leib und Seele. Wenn ich jetzt ein paar Monate in Australien verbringe, heißt das nicht, dass mich das nicht interessiert. Ich habe vor ein paar Jahren schon einmal ein Trainingswochenende veranstaltet mit einigen Spielerinnen. Das war ein bisschen schockierend für mich von der Einstellung der Spielerinnen her. Ich kann sicher etwas weitergeben von den Erfahrungen, die ich habe, im Tennis- und Medienbereich. Da könnte ich schon unterstützend wirken. Was ich sicher nicht mache, ist, mich auf den Platz zu stellen und jemanden zu trainieren, da habe ich die Zeit nicht. Das ist nicht so mein Ding.

Wie könnte denn das ausschauen?

Schett: Schwierig. Mir ist immer die Frage gestellt worden, ob ich nicht den Fed Cup übernehmen möchte. Das ist eine Sache, die mit sehr viel Zeitaufwand verbunden ist, wenn man es gescheit machen will. Wenn ich was mache, dann will ich es ordentlich machen. In einer beratenden Funktion wie zum Beispiel im 'Generali Young Ladies'-Team - da bin ich dann schon überrascht, dass man mich nicht einmal gefragt hat. Heutzutage ist es so, dass man auch über verschiedene Netzwerke kommunizieren kann, da muss man ja nicht immer vor Ort sein.

Sorgen Sie sich, dass Österreichs Damen-Tennis in der Versenkung verschwindet?

Schett: Sorgen jetzt nicht. Ich glaube, dass es jetzt eine Durststrecke ist. Im Großen und Ganzen ist es wichtig, welche Trainer mit den Spielerinnen trainieren, was sie für Pläne und Ziele haben. Oft ist es so, dass sich die Eltern leider viel zu viel einmischen, vielleicht hängt es auch ein bisschen an der Verbandsstruktur, das kann ich nicht sagen. Momentan ist wirklich eine Flaute. Man sieht das in anderen Ländern auch so, dass es oft Jahre gibt, wo kein guter Spieler rauskommt. Momentan ist es bei uns nicht so rosig, aber das hat man vor fünf, sechs Jahren auch schon gesagt. Man ist vielleicht auch ein bisserl verwöhnt, was wir für Spielerinnen gehabt haben in einem so kleinen Land wie Österreich.

Hat sich von der Einstellung her etwas verändert?

Schett: Wir haben jeden freie Minute auf dem Platz gebracht. Die Kinder müssen das mit Leib und Seele machen, und nicht nur den Ruhm und das Geld sehen, sondern zuerst einmal gern den Sport ausüben. Da sehe ich Defizite. Das ist wie ein Fulltime-Job. Man muss diszipliniert sein und sich Ziele setzen, dass ist ganz, ganz wichtig und wissen, dass es einem nicht auf dem Gold-Tablett serviert wird. Dann kann auch noch viel passieren, auch wenn man hart arbeitet. Es wäre gut, wenn jemand mit den Spielerinnen darüber sprechen könnte, der Erfahrung hat. (lächelt)

Was war bei Ihnen anders?

Schett: Ich bin auch durch den ÖTV gegangen, habe auch Verpflichtungen gehabt. Ich wäre nicht gefördert worden, wenn ich nicht in die Südstadt gezogen wäre, dann hätten sich meine Eltern das auch nicht leisten können. Auf gewisse Sachen, wenn man etwas wirklich will, muss man auch verzichten. Für mich war das ein Superweg, eben nicht diese Eigenbrötlerei. Ich habe dann mit einer Barbara Paulus, Petra Ritter, Marion Maruska trainiert und wollte immer besser sein, als die. Es ist unangenehm, weil man sich stellen muss. Das Gefühl hat man heutzutage leider nicht. Da spielt man lieber mit einem Hittingpartner, um sich ja nicht dem psychischen Stress stellen.

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