Sport 15.01.2012

Sotschi-OK-Chef: Innsbruck "Blaupause" für 2014

Die Jugend-Winterspiele in Innsbruck als Vorbild für das Megaprojekt Sotschi - für Dmitri Tschernischenko, den Organisationschef der Olympischen Winterspiele 2014, gilt das in vielerlei Hinsicht.

Zudem beteuerte er im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur, dass alle Sportstätten und auch die anderen Infrastrukturvorhaben für Sotschi zeitgerecht fertig werden.

Auch Sicherheitsbedenken hält er für unangebracht, Sotschi sei einer der sichersten Orte der Welt und das werde auch in zwei Jahren so sein, betonte Tschernischenko. Für Innsbruck hat er ausschließlich Lob übrig. "Sotschi kann hier viel lernen. Die Menschen haben Wintersport im Blut. Innsbruck war dreimal Olympiagastgeber, wir müssen das gleiche Level an Service und Sportsstätten-Qualität bieten. Wir müssen lernen, wie sie die Dinge effizient und unbürokratisch erledigen und das Budget trotzdem einhalten. Innsbruck ist eine Blaupause für den Standard an Service. Es macht dabei keinen Unterschied, dass es nur Jugend-Spiele sind", sagte Tschernischenko am Samstagabend.

Nicht nur die Sportanlagen, auch die Atmosphäre und Gastfreundschaft, das Service in den Hotels und auf den Pisten sowie das Transportsystem bezeichnete er als vorbildlich. "Ich fühle mich hier sehr wohl", bekräftigte der Sotschi-Manager. Innerhalb der russischen Delegation habe man sogar gescherzt, dass man das österreichische Militär nach Sotschi mitnehmen solle. Er sei sehr davon beeindruckt, wie effizient das Bundesheer bei der Pistenpräparierung und den Aufräumarbeiten nach den heftigen Schneefällen zu Werke gegangen ist.

Aber auch in Sotschi verlaufe alles nach Plan, wenngleich man in einigen Bereichen noch aufholen müsse, gab er zu. "Alles ist auf Schiene, in einige Bereichen sind wir vor dem Zeitplan, in einigen müssen wir noch an Tempo zulegen", meinte Tschernischenko. Das Zwischenziel, heuer in allen Bereichen Test-Events durchzuführen, sei nicht gefährdet. Es werden insgesamt 80 Probeläufe sein, die Hälfte davon auf internationalem Niveau.

Bereits im Februar gastiert der alpine Ski-Weltcup erstmals in der Olympiastadt, der laut Tschernischenko "größten Baustelle der Welt. "54.000 Menschen arbeiten in drei Schichten rund um die Uhr", so der OK-Boss. Der Bau der Sportstätten und damit im Zusammenhang stehender Projekte, sei jedoch nur ein kleiner Teil des Gesamtprojektes. 90 Prozent machen Infrastrukturmaßnahmen aus.

"Der Bau der Olympia-Sportstätten ist nur die eine Seite, damit wären wir in zwei Jahren fertig gewesen. Wir verwenden die Vorbereitungen aber auch dafür, die gesamte Infrastruktur zu verbessern und die Weiterentwicklung der Region zu beschleunigen", erklärte der Sotschi-Manager. Der Olympia-Anteil betrage nur 10 Prozent, der Rest betreffe Projekte in der Stadt selbst, neue Straßen und Kraftwerke.

Auch der ebenfalls in Innsbruck weilende russische Vizepremier Dmitri Kosak betonte, dass alles zeitgerecht instand gesetzt wird. "Alles läuft nach Plan. Wir sind zuversichtlich, dass alles zeitgemäß fertig wird, auch für die Olympia-Tests", so Kosak zur APA. "Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Wettkämpfe und die Spiele auf sehr hohem Niveau durchführen werden", bekräftigte der im Kabinett von Wladimir Putin für Sotschi zuständige Minister.

Laut Tschernischenko beträgt das Olympia-Veranstaltungsbudget 1,8 Milliarden US-Dollar, womit man ungefähr gleichauf mit Turin 2006 und Vancouver 2010 liege. Hinzu kommen Sotschi-bezogene Infrastrukturkosten von 7 Milliarden, die zur Hälfte privat und öffentlich finanziert werden, und weitere nicht bezifferte Milliardenkosten für den Ausbau des Eisenbahn- und Straßennetzes nach Sotschi.

Die Stadt sei wegen ihrer Lage am Schwarzen Meer und der Nähe zu den Bergen ein einzigartiger Platz, betonte er. Auf Tirol umgelegt, sei es in etwa so, als ob Innsbruck nur 30 Kilometer von der Cote d'Azur entfernt wäre. Sotschi liegt aber auch inmitten der Konfliktzone Kaukasus. Sicherheitsbedenken wischte Tschernischenko aber vom Tisch. "Derzeit leben dort 100 Nationen in Frieden, es ist einer der sichersten Orte der Welt", beteuerte er.

Natürlich sei die Sicherheitslage ein wichtiges Thema, deshalb tue der russische Staat alles, um einen konfliktfreien Ablauf der Spiele zu gewährleisten. Man werde eine Sicherheitszone um Sotschi errichten, damit man gegen möglichen Attacken abgeschirmt ist, versprach Tschernischenko, ohne auf Details einzugehen.

Neben dem reibungslosen Ablauf ist er auch vom guten Abschneiden der 2010 in Vancouver enttäuschenden russischen Mannschaft überzeugt. "Ohne Medaillen für unser Team, würden die Spiele wohl kaum als Erfolg gewertet werden. Ich bin sicher, dass wir diese Lücke schließen können."

Erstellt am 15.01.2012