Tour de France

© Pool via REUTERS / CHRISTOPHE PETIT TESSON

Sport
09/19/2020

Sensation bei der Tour: Pogacar stürzt Roglic noch vom Thron

Dramatisches Finale: Der Slowene fing Landsmann und Ex-Skispringer Roglic auf der vorletzten Etappe noch ab.

von Stefan Sigwarth

Alles war angerichtet für die große Show des Primoz Roglic, und dann kam doch alles ganz anders als vom früheren slowenischen Skisprung-Talent erhofft. Am vorletzten Tag der Tour de France zeigte der 30-Jährige aus dem niederländischen Team Jumbo-Visma ungeahnte Schwächen, verlor 1:56 Minuten auf seinen letzten verbliebenen Rivalen Tadej Pogacar und auch den Gesamtsieg.

Das 36,2 Kilometer lange und bis zu 20 Prozent steile Bergzeitfahren in den Vogesen war zu viel für Roglic, der nach der Schinderei minutenlang mit leerem Blick auf dem Asphalt saß.

In aller Freundschaft

Sein 21-jähriger Landsmann aus dem Team Emirates wurde mit einer kurzen Umarmung gewürdigt, dann schlich Roglic mit hängendem Kopf davon.

"Ich glaube, ich träume", sagte Pogacar, "ich weiß gar nicht, was ich sagen soll." Der ungläubige Tadej rang nach Worten, dankte seinem Team und stellte dann fest, "dass wir es letztlich geschafft haben. Und das am letzten Tag. Wir haben es gut vorbereitet, wir wussten alles, wo wir beschleunigen mussten. Gratulation an alle, die hier mitgearbeitet haben."

Mit 57 Sekunden Rückstand war Pogacar in die letzte Prüfung gegangen, bis zum Beginn des Schlussanstiegs wurde er über Funk über die Zwischenstände informiert. "Aber als ich dann im Berg drinnen war, kam nichts mehr. Ich kannte aber den Anstieg sehr gut und bin dann einfach drauflos gefahren." Ein Kindheitstraum? Pogacar wehrte ab: "Mein Traum war es immer, einmal die Tour de France zu fahren. Und jetzt sitze ich als Sieger hier."

Der Erfolg bei seinem ersten Start bei der Grande Boucle war freilich keine Teamleistung: Der Italiener Fabio Aru musste auf der neunten Etappe aufgeben, Davide Formolo trat zur elften nicht mehr an, Pogacar war in den Bergen meist auf sich allein gestellt und schaffte es dennoch, sich in der Spitzengruppe zu halten – zudem gewann er die Bergetappe nach Lauruns und die Bergankunft auf dem Grand Colombier, jeweils zeitgleich vor seinem zweitplatzierten Freund Primoz Roglic.

Am kommenden Montag feiert der ausgewiesene Zeitfahrspezialist seinen 22. Geburtstag, am Sonntag wird er zunächst einmal die Ära Sky/Ineos (sieben Tour-Siege seit 2012) auf den Pariser Champs-Élysées beenden. Denn am letzten Tag wird traditionell das Gelbe Trikot nicht mehr attackiert.

Historische Marken

Tadej Pogacar ist der jüngste Tour-Sieger seit Henri Cornet, der 1904 mit 19 Jahren und 355 Tagen gewonnen hatte. Und nicht nur das: Neben dem Gelben Trikot hat der 1,76 Meter große und 66 Kilo schwere Profi auch die Bergwertung und das Trikot des besten jungen Fahrers geholt.

Dieser Erfolg am Samstag kam jedenfalls nicht von ungefähr, denn schon bei den letzten zwei slowenischen Meisterschaften im Kampf gegen die Uhr siegte Pogacar; 2019 29 Sekunden vor Matej Mohoric (Bahrain Merida), heuer neun Sekunden vor Primoz Roglic. Und die Vuelta 2019 beendete er als Dritter.

20. Etappe (Lure–La Planche des Belles Filles, 36,2 km): 1. Pogacar (SLO) Emirates 55:55, 2. Dumoulin (NED) Jumbo-Visma +1:21, 3. Porte (AUS) Trek-Segafredo gl. Zeit, 4.Van Aert (BEL)  +1:31, 5. Roglic (SLO) Jumbo-Visma +1:56, 32. Großschartner (AUT) Bora-hansgrohe +5:31, 139. Haller (AUT) Bahrain-McLaren +10:45.

Gesamt: 1. Pogacar 84:26:33, 2. Roglic +59, 3. Porte +3:30, 63. Großschartner +3:24:11, 143. Haller +5:46:27.

Punkte: 1. S. Bennett (IRE) Deceuninck-Quick Step 319 (Sieger), 2. P. Sagan (SVK) Bora-hansgrohe 264, 3. Trentin (ITA) CCC 250.

Berg: 1. Pogacar 82 (Sieger), 2. Carapaz (ECU) Ineos, 3. Roglic 67.

Teams: 1. Movistar (ESP) 253:34:22, 2. Jumbo-Visma (NED) +18:31, 3. Bahrain-McLaren (BRN) +57:10, 15. Bora-hansgrohe (GER) +5:03:57.

Junge Fahrer: 1. Pogacar, 2. Mas (ESP) Movistar +6:07, 3. Madouas (FRA) Groupama-FDJ +1:42:22.

Sonntag: Mantes-la-Jolie–Paris, 122 km.

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