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Sport
08/17/2019

Von Usain Bolt bis Franz Klammer: Die Überläufer im Sport

Vor zehn Jahren sorgte Sprint-Star Usain Bolt für einen Fabelrekord. Als Fußballer fiel er durch. Wer wechselte noch das Terrain?

von Harald Ottawa

Vor genau zehn Jahren wurde Geschichte geschrieben. Am 16. August 2009 lief Usain Bolt für die Ewigkeit und beendete die 100 Meter in einer Fabelzeit von 9,58 Sekunden. Der Weltrekord, mit dem Bolt in Berlin Weltmeister wurde, hält noch immer. Der achtfache Olympia-Goldmedaillengewinner wollte nach seiner Karriere die Laufschuhe gegen Stoppelschuhe eintauschen, fiel aber als Kicker in Australien sehr schnell durch. „Bei aller Liebe, das reicht in 100 Jahren nicht“, sagte Markus Babbel, ehemaliger deutscher Teamspieler und nun Trainer in Australien. Bolt ist nicht der einzige Fremdgänger, viele versuchten sich in anderen Sportarten. Mancher Seitensprung war erfolgreicher als jener von Bolt.

Therese Johaug

Der norwegische Langlauf-Star ist auch als Leichtathletin erfolgreich, sie gewann jüngst in 32:20,86 Minuten überlegen die norwegischen Meisterschaften über 10.000 Meter. Nur 16 Europäerinnen liefen in diesem Jahr schneller als die zehnfache Weltmeisterin, die sich nun bei der Leichtathletik-WM präsentieren will.

Luc Alphand

Geschwindigkeit war der Trumpf im Leben des Franzosen. In den Neunzigerjahren holte er Abfahrt-Bronze bei der WM in der Sierra Nevada und 1996/’97 auch den Gesamtweltcup. Danach tauschte der heute 54-Jährige die Brett’ln gegen Räder – er gewann 2006 die Rallye Dakar, startete mehrmals bei den 24 Stunden von Le Mans und versuchte sich auch als Hochseesegler.

Bixente Lizarazu

Der Franzose gewann als Fußballer fast alles, was es zu gewinnen gibt: Champions League, Meisterschaft und DFB-Pokal mit Bayern München, er wurde Welt- und Europameister mit Frankreich. Nachdem er seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat, packte der Franzose den Kampfanzug aus – und wurde Europameister im Jiu-Jitsu.

Michael Jordan

Air Jordan gilt als der größte Basketball-Star der Welt. Sechsmal gewann er mit den Chicago Bulls den Titel in der NBA. Seine Basketballkarriere unterbrach er, um Baseball zu spielen – mit mäßigem Erfolg.Ester Ledecka: Sie ist das größte Allround-Genie im Wintersport. Höhepunkt: 2018 holte die Tschechin in Pyeongchang Olympia-Gold im alpinen Super-G und im Parallel-Riesentorlauf bei den Snowboardern.

Andrej Schewtschenko

Der Stürmer war einer der besten ukrainischen Kicker, für Chelsea und Milan traf er nach Belieben. Danach nahm er kleinere Bälle und wurde Zweiter bei den ukrainischen Golf-Meisterschaften.

Franz Klammer

Aus Klammer wurde Kaiser Franz, als er sich 1976 in Innsbruck Olympiagold in der alpinen Abfahrt sicherte. Nach seiner Karriere blieb der Kärntner der Raserei treu – er wurde österreichischer Tourenwagenmeister und verbuchte Siege bei der Tourenwagen-Europameisterschaft.

Daniela Iraschko

Bevor die Tirolerin als Skisprung-Weltmeisterin abhob, schmiss sie sich als Torfrau erfolgreich auf die Rasenplätze. Mit Wacker wurde sie dreimal Fußball-Vizemeisterin.

Lolo Jones

Die Amerikanerin war eine der besten Hürdensprinterinnen, danach versuchte sie sich als Bob-Star. 2013 wurde sie in St. Moritz mit der Mannschaft der USA Weltmeisterin. Sie steht stellvertretend für viele Sportler, die den Weg vom Sprinter zum Anschieber von Bobs fanden.

Ivan Perisic

„Der kroatische Star-Kicker wird professioneller Beachvolleyballer“, so lautete Ende Juni 2017 eine Schlagzeile. Doch der kroatische Stürmer ging nur kurz fremd: Mit seinem Partner Niksa Dell’Orco baggerte er beim Major-Turnier in Porec. Jetzt tauschte der 30-Jährige den Fußball-Dress, er wurde von Inter Mailand zu den Bayern verliehen.

Paolo Maldini

Der Weltmeister und Champions-League-Sieger prügelte nach der Fußball-Karriere auf Tennisbälle ein. Sein Tennis-Trainer Stefano Landonio lobte die AC-Milan-Legende: „Er hat einen guten Aufschlag und ist mental und physisch sehr stark.“

Tim Wiese

Nachdem der Deutsche bei Hoffenheim als Torwart nicht mehr zum Einsatz kam, suchte sich der ehemalige Werder-Keeper eine neue Beschäftigung und nahm ein Angebot von World Wrestling Entertainment an. Er fiel aber auf die Schnauze.

Sven Hannawald

Der Deutsche ist auf den Sprungschanzen in den Olymp abgehoben. Als erster Athlet gewann er 2002 alle Konkurrenzen der Vierschanzentournee, obendrein einmal Olympia- und zweimal WM-Gold. Danach setzte er sich ins Auto und holte Spitzenplätze im ADAC GT Masters.

Ester Ledecka

Sie ist das größte Allround-Genie im Wintersport. Höhepunkt: 2018 holte die Tschechin in Pyeongchang  Olympia-Gold im alpinen Super-G und im Parallel-Riesentorlauf bei den Snowboardern.

Eric Heiden

Sein Stern ging 1980 auf, als die Eisschnelllauf-Legende in Lake Placid fünfmal Gold holte. Auf zwei Rädern lief es nicht ganz so gut wie auf zwei Kufen, aber immerhin wurde er 1985 US-Meister im Straßenrennen und radelte auch bei der Tour de France mit.

Toni Fritsch

1965 bekam der 2005 verstorbene Wiener den Namen „Wembley-Toni“ verliehen, als er beim 3:2-Sieg der Österreicher in England (ein Jahr später Weltmeister) zwei Tore erzielte. Danach wurde Fritsch als Super-Bowl-Sieger auch zur Legende im American Football. Denselben Weg schlug mit ähnlichem Erfolg Toni Linhart ein. Auch Thomas Pichlmann nahm diesen Weg.