© Copyright 2012, Austria Presse Agentur, Wien, Österreich, alle Rechte vorbehalten

Sport
08/03/2012

Schütze Scherhaufer vertraut auf Gefühl

Wurfscheibenschütze Andreas Scherhaufer betreibt einen Handel für Sportwaffen und Munition.

Zwei bis drei Trainingstage legt er pro Woche ein. "Mehr würde nichts bringen", meinte der 42-jährige Wiener. "Es geht um das Gefühl. Und das wird nicht besser, wenn ich den Umfang erhöhe." In der Disziplin Trap schießt er am Sonntag und Montag als erster Österreicher seit Ludwig Puser 1984 bei Olympia.

Die Medaillenchancen sind gering, sieht sich Scherhaufer doch einigen Vollprofis gegenüber. 10 bis 15 davon gibt es im Trap weltweit. "Theoretisch ist aber alles möglich", betonte der EM-Zweite von 2009. "Wenn ich eine Scheibe treffe, dann kann ich alle treffen. Das Ziel, das man nicht treffen kann, gibt es nicht." 125 Wurfscheiben (früher Tontauben genannt) erhält jeder Teilnehmer - drei 25er-Serien am ersten, zwei am zweiten Tag der Qualifikation.

Die besten sechs Athleten ziehen ins Finale ein, in dem statt zwei Schuss mit der Schrotflinte nur noch einer pro Ziel erlaubt ist. Dort dabei zu sein, wäre für den Gefühlsschützen, der den Sport seit 1985 wettkampfmäßig betreibt, eine Sensation. "Es gibt Tage, da fällt dir das Gewehr ins Gesicht und es läuft alles wie von selbst", erklärte Scherhaufer. "Und es gibt Tage, da gelingt dir überhaupt nichts. Das ist das Spannende an der Sache."

Die Aufmerksamkeit bei den Spielen ist auch für Scherhaufer neu. Trapschießen ist in der Öffentlichkeit sonst höchstens eine Randnotiz. "Olympia interessiert die Leute. Es ist eine große Sache, weil wir damit ein Stück aus der Anonymität herauskommen." Einen großen Boom erwartet sich der 1,97-Meter-Mann allerdings nicht, ist der Sport doch nicht ganz einfach auszuüben. "Mit Waffen gibt es außerdem immer Berührungsängste."

Scherhaufer hat sie nie gehabt, schon als Kind stand er auf dem Schießplatz. "Olympia war immer ein Ziel", versicherte der Waffenhändler. "Aber dadurch, dass ich kein Profi bin, wäre es keine Existenzbedrohung, würde ich nicht hier sein." Schon für Sydney 2000 hatte Scherhaufer nur um eine Scheibe einen Quotenplatz verpasst. "Ich muss den Sport als Hobby sehen", sagte der Wiener. "Das hier ist eine schöne Belohnung für meine Mühen."

Die Form stimmt, Scherhaufer hat bereits mehrmals 122 von 125 Zielen getroffen. In seiner Rotte - die Schützen treten in Gruppen zwischen fünf und sechs Mann an - befindet sich mit dem Italiener Massimo Fabbrizi ein absoluter Weltklasse-Mann. Der Weltmeister trainiert ein Vielfaches von Scherhaufer. "Ich brauche mein Gefühl", entgegnete der Österreicher. "Vor Wettkämpfen mache ich sogar eher weniger." Das Geschäft mit Waffen und Zubehör hat aber zumindest während der Olympischen Spiele Pause.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.