© dapd

Sport
09/28/2012

Ryder Cup: Golf-Spektakel zum Nulltarif

Die USA fordern Titelverteidiger Europa zum Duell, das an Prestige und Interesse nicht zu übertreffen ist.

Barack Obama und Queen Elizabeth II – wofür bei vielen Sportereignissen üblicherweise Bürgermeister und Sportminister Worte finden müssen, ist beim Ryder Cup dem mächtigsten Politiker und der bedeutendsten Monarchin des Planeten vorbehalten. Die Verfasser der Grußworte in der offiziellen Festschrift lassen keinen Zweifel am Stellenwert jener Sportveranstaltung, die am Freitag 40 Kilometer nordöstlich von Chicago beginnt.

Der Ryder Cup gilt nicht nur als wichtigster Bewerb im Golfsport, sondern auch als einer der meistbeachteten der Welt. Zum 39. Mal treten die jeweils zwölf besten Golfer aus Europa und den USA zum prestigeträchtigen Kontinental-Vergleich an.

"Es gibt nichts Größeres, als dieses Shirt anzuziehen und den Sterne-Kranz der europäischen Flagge auf der Brust zu sehen", sagt Ian Poulter. Der Engländer hat mit seinen Golf-Künsten bisher 16,5 Millionen Euro an Preisgeld erspielt, aber die kommenden drei Tage puttet er wie seine 23 Kollegen zum Nulltarif. Insgesamt bringen die 24 Auserwählten ein Karriere-Preisgeld von einer halben Milliarde Euro mit nach Illinois, doch im Medinah Country Club stehen andere Dinge auf dem Spiel: Ruhm und Ehre. Und ein kleiner goldener Pokal.

Nicht einmal Sponsor-Aufkleber auf der Kleidung sind erlaubt. "Das ist ja das Unglaubliche an diesem Bewerb", sagt auch Bernd Wiesberger im KURIER-Gespräch. Alle zwei Jahre spielen die bestbezahlten Golfer der Welt des Spiels wegen, Absagen gibt es kaum. "Das fasziniert die Leute", fährt Wiesberger fort. Der Burgenländer hat die Qualifikation für die Europa-Auswahl knapp verpasst, "aber der Traum wurde greifbarer".

Der Wettstreit der Golf-Großmächte dringt in immer größere Dimensionen vor: 185 Länder sicherten sich 2010 die Übertragungsrechte, 1000 Journalisten berichteten in Wales vom Sieg der Gastgeber.

USA! USA!

40.000 Besucher sind pro Tag zugelassen, etwa 3000 davon kommen aus Europa. "Die 3000 werden ihre Fußball-Gesänge singen, das ist ihre Kultur. Aber wenn sie müde sind, schreien 37.000 `USA! USA!`", weiß US-Golfer Jim Furyk, der mit der achten Teilnahme einer der Veteranen im Feld ist.

Nicht immer wurde in der Vergangenheit die strenge Etikette auf dem Golfplatz eingehalten: 1999 war es in Brookline zu Tumulten unter den Fans gekommen. "Es ist schon eigenartig", sagt der englische Ryder-Cup-Spezialist Ian Poulter, "ich bin mit vielen Jungs aus dem US-Team sehr gut befreundet, aber beim Ryder Cup möchte ich sie vernichten."

Die Stimmung ist gewaltig, der Druck ist es auch. In den USA und Großbritannien ist der Wettstreit längst von nationaler Bedeutung. Immer wieder musste all dies auch Tiger Woods erfahren. Der US-Superstar kämpft nicht nur gegen eine negative Ryder-Cup-Bilanz an, sondern auch gegen äußere Einflüsse. Als 2010 seine ehelichen Fehltritte publik wurden, veröffentlichte der englische Boulevard ein Foto, auf dem Woods bei der Eröffnung einer Dame hinterher sieht. In der Gedankenblase stand geschrieben: "Oh Gott, führe mich nicht in Versuchung."

Gipfeltreffen: 24 Männer, eine Mission

Bewerb Die 39. Auflage des alle zwei Jahre stattfindenden Kontinentalvergleichs zwischen Europa und den USA findet von Freitag bis Sonntag im "Medinah Country Club" nahe Chicago statt. Erstmals wurde der Ryder Cup 1927 zwischen den USA und Großbritannien ausgetragen, seit 1979 sind alle Europäer teilnahmeberechtigt.

Modus Jedes Team besteht aus zwölf Spielern. Im Matchplay-Modus (Mann gegen Mann bzw. Duo gegen Duo) stehen Freitag und Samstag 16 Partner-Bewerbe an und am Sonntag zwölf Einzel-Duelle (siehe Hintergrund). Für jeden Sieg gibt es einen Punkt, für ein Remis je einen halben. Die USA benötigen mindestens 14,5 Punkte zum Sieg, den Europäern genügen als Titelverteidiger 14 Zähler.

Team USA Keegan Bradley, Jason Dufner, Jim Furyk, Dustin Johnson, Zach Johnson, Matt Kuchar, Phil Mickelson, Brandt Snedeker, Webb Simpson, Steve Stricker, Bubba Watson, Tiger Woods.

Team Europa Nicolas Colsaerts (Bel), Luke Donald (Eng), Sergio Garcia (Sp), Peter Hanson (Sd), Martin Kaymer (D), Paul Lawrie (Sco), Graeme McDowell (NIrl), Rory McIlroy (NIrl), Francesco Molinari (It), Ian Poulter (Eng), Justin Rose (Eng), Lee Westwood (Eng).

Bilanz Seit `79 gab es neun Siege für Europa, sieben für die USA.

TV & Party Sky Sport überträgt alle Tage ab jeweils 14 Uhr MESZ live. Im Wiener Marriott-Hotel steigt am Sonntag ab 16 Uhr die "LG-Ryder-Cup-Party" (Infos: www.rydercupparty.at).

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Kommentar

  • Hintergrund

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.