Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, spricht von "ernsthaften Anschuldigungen".

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Russland
12/05/2014

Doping-Skandal: IOC und FIFA spielen auf Zeit

In Russland ist die Empörung über die ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping" groß.

Von einer Krise wollten das IOC und die FIFA nichts wissen. Nach dem ersten Schock über den russischen Doping-Skandal demonstrierten die Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und des Fußball-Weltverbands (FIFA) am Freitag zumindest nach außen Gelassenheit und verwiesen auf die Zuständigkeit von Spezialgremien und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).

In Moskau vermuteten Kommentatoren, die Enthüllungen über eine "Doping-Mafia" seien angesichts der politisch gespannten Lage Teil einer westlichen Schmutzkampagne gegen Russland. IOC-Präsident Thomas Bach sprach hingegen von "ernsthaften Anschuldigungen" und kündigte ein konsequentes Durchgreifen an - einen Rückschlag für das Image des Weltsports befürchtet er aber nicht.

"Dafür ist es zu früh. Es sind ernsthafte Anschuldigungen, aber natürlich hat jeder Beteiligte das Recht auf einen vollständigen Prozess. Deshalb warten wir auf die Ergebnisse", sagte der 60-jährige Deutsche, der hofft, dass am Dienstag in Monte Carlo die Reformpläne seiner olympischen Agenda 2020 zur Neuausrichtung der Ringe-Organisation abgesegnet werden.

Die IOC-Granden diskutierten im Grimaldi-Forum hinter verschlossenen Türen angeregt über die neuen Vorwürfe zu systematischem Doping in Russland - in der Öffentlichkeit aber präsentierten sie sich entspannt und gut gelaunt. Auch die FIFA versuchte, die neuen Anschuldigungen im Land des nächsten WM-Gastgebers Russland herunterzuspielen und nahm stattdessen die WADA in die Pflicht.

"Die FIFA prüft die Berichte betreffend Doping in Russland gewissenhaft und steht in engem Kontakt zur WADA. Bis jetzt gibt es keine Hinweise, dass der Fußball betroffen sein könnte", erklärte ein Sprecher. Die Analyse der Proben während der WM und des Confed Cups erfolgen in einem von der WADA zugelassenen Labor. "Es ist Aufgabe der WADA, dafür zu sorgen, dass das Labor die geforderten Unabhängigkeits- und Qualitätsvorgaben erfüllt, um gemäß Welt-Anti-Doping-Kodex zugelassen zu werden", betonte die FIFA.

Fehlende Macht?

WADA-Präsident Craig Reedie, gleichzeitig IOC-Vize, überraschte mit der Aussage, seine Organisation sei nicht in der Position, gegen das russische Anti-Doping-Labor oder die Anti-Doping-Agentur Russlands (RUSADA) vorzugehen. "Wir haben nicht diese Macht. Der nächste Schritt des ganzen Prozesses liegt jetzt in den Händen der Ethikkommission der IAAF", sagte der Brite und drängte auf eine rasche Aufklärung des Falles.

Russische Medien zeigten sich über die massiven Anschuldigungen verwundert beziehungsweise empört. Es sei "merkwürdig", dass russische Sportler ausgerechnet jetzt mit teils kaum nachvollziehbaren Vorwürfen an die Öffentlichkeit gingen, schrieb etwa die Zeitung "Sport-Express". Die Athleten hätten sich international an zuständige Stellen oder Ermittler wenden können, meinte das Blatt.

RUSADA-Direktor Nikita Kamajew nannte die Vorwürfe "außergewöhnlichen Blödsinn". Bei Doping-Tests sei Korruption "absolut ausgeschlossen". Die "Komsomolskaja Prawda" bewertete den TV-Bericht sogar als einen "deutschen Angriff" auf den russischen Sport: "Die russischen Funktionäre vermuten eine zielgerichtete Attacke".

"Provokation"

Der russische Leichtathletik-Verband kritisierte die ARD-Doku "Geheimsache Doping" als "eine Provokation, die den russischen Sport beschädigen soll". Den Aussagen der im Film gezeigten Zeugen sei kaum zu vertrauen, weil jeder der Athleten des Dopings überführt wurde. Jeder von ihnen habe ein Motiv, sich über Sportler, Trainer sowie Mitarbeiter von RUSADA missgünstig zu äußern.

Beim Betrachten des Films "entstehen sofort begründete Zweifel an der Glaubwürdigkeit des gezeigten Materials", sagte Verbandspräsident Valentin Balachnitschew am Freitag in einer Erklärung. Die Doku sei "ein grober Versuch, die russische Leichtathletik und den ganzen russischen Sport anzuschwärzen". Der Verband "führte und führt einen erbitterten und kompromisslosen Kampf gegen Doping im Sport".

Balachnitschew schloss juristische Schritte nicht aus. In diesem Zusammenhang prüfe der Verband derzeit "Möglichkeiten, die die russische und die deutsche Gesetzgebung gewährt - einschließlich der Möglichkeit, jene Personen zur juristischen Verantwortung zu ziehen, die an der Verbreitung der verleumderischen Nachrichten schuld sind".

Und die hochdekorierte russische Stabhochspringerin Swetlana Feofanowa, Olympia-Zweite 2004, Weltmeisterin 2003 sowie Europameisterin 2002 und 2010, schimpfte: "Der deutsche Film über unseren Sport ist schlimmer als Pornografie. Das ist Schmutz. Die Deutschen sollten sich mal lieber um ihre eigenen Athleten kümmern."

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