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Sport
08/03/2012

Rücktrittsdrohung von Dinko Jukic

"Wenn mich der Verband sperrt, dann war das mein letztes Rennen", sagt Jukic, der sich als Robin Hood sieht.

Dinko Jukics Olympia-Auftritte in London sind von sportlichen Top-Leistungen genauso geprägt wie von seinen Auseinandersetzungen mit dem Schwimmverband. Am Donnerstagabend verpasste der Olympiavierte über 200 m Delfin auf der um 100 m kürzeren Delfin-Strecke nur um 14 Hundertstel sein zweites Finale. Verbessern konnte er allerdings seinen eigenen österreichischen Rekord von vor dreieinhalb Jahren. Die neue Bestmarke liegt bei 51,99 Sekunden.

"Ich habe als EM-Elfter nicht wirklich mit einem Finale gerechnet", analysierte Jukic. "Aber ich bin jetzt zweimal unter meiner bisher besten Olympia-Platzierung. Mit einer Zeit auf der Langbahn erstmals unter 52 Sekunden kann ich wirklich happy und zufrieden sein."

Drohung

Der Athlet des SC Austria Wien wird sich bei Olympia nun vielleicht noch Bewerbe ansehen, der Schwimm-Marathon über zehn Kilometer interessiert ihn besonders. Sein Rückflug ist zwar für 13. August geplant, Jukic spekuliert aber mit einer früheren Heimreise. An den Staatsmeisterschaften ab nächsten Donnerstag in Innsbruck würde er deswegen aber wie angekündigt nicht teilnehmen. Und er meinte auch, unter gewissen Umständen vielleicht gar mit dem Schwimmen aufzuhören. "Wenn mich der Verband sperrt, dann war das mein letztes Rennen", sagte Jukic. Damit setzte er hinsichtlich des gegen ihn laufenden Disziplinarverfahrens den nächsten Akzent.

In einer österreichischen Tageszeitung war OSV-Präsident Paul Schauer zitiert worden, dass der Verband Jukic bei einem Start für Kroatien sperren würde. Daraufhin hat sich der Athlet eine rot-weiß-rote Schwimmhose beschafft und trat damit in Vorlauf und Semifinale an - um ein Zeichen zu setzen. An den Tagen davor hatte Jukic heftig gegen den Verband gewettert, auch gegen Schauer. "Das war aber konstruktive Kritik und nicht gegen den Verband."

Unzulänglichkeiten

Jukic forderte offen dazu auf, dass sich Schauer bei den OSV-Präsidiumswahlen am 15. September nicht um eine Wiederwahl bewerben solle. "Es wäre nicht gescheit für Herrn Schauer, sich noch einmal aufzustellen", führte der Gewinner von neun internationalen Medaillen aus. Nach Informationen von Jukic sei einer der drei OSV-Vizepräsidenten schon zurückgetreten. Ein anderer, der EM-Delegationsleiter in Debrecen, würde überlegen.

Gegen den möchte Jukic wegen der Vorfälle während der Kontinentalmeisterschaften ein Disziplinarverfahren eingeleitet haben. Der Sportstudent begründete das mit den Vorkommnissen um die verfrühte Abreise aus Debrecen und - aus seiner Sicht - anderen Unzulänglichkeiten. In seinem eigenen Disziplinarverfahren habe er bis acht Tage nach Olympia Zeit, um Stellung zu nehmen. Ob schriftlich oder mündlich, weiß Jukic nicht. "Ich habe mir das Schreiben noch nicht genau angeschaut."

Beim Reinemachen im OSV soll es aber nicht bleiben. Jukic will bei seinem nächsten Treffen mit Sportminister Norbert Darabos diesem vorschlagen, im Ministerium eine Anlaufstelle für anonym bleibende Sportler einzurichten. Dort könne man Unzulänglichkeiten aus Athleten-Sicht in den Verbänden aufzeigen. "Ich bin nicht der Robin Hood des österreichischen Schwimmsports, ich bin der Robin Hood des österreichischen Sports", meinte Jukic in diesem Zusammenhang.

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