Sport
28.05.2018

Patrick Konrad beim Giro d'Italia so gut wie einst Totschnig

Der Niederösterreicher sorgte mit Gesamtrang sieben beim Giro für eine kleine Sensation - und hat noch Luft nach oben.

Patrick Konrad hat sich beim Giro d'Italia so stark in Szene gesetzt wie kein anderer Österreicher seit 15 Jahren. Der 26-Jährige wandelt als Siebenter der Italien-Radrundfahrt auf den Spuren von Georg Totschnig. Der Tiroler war 2002 ebenfalls an der siebenten Stelle sowie 2003 auf dem fünften Rang der prestigeträchtigen Grand Tour gelandet.

Konrad steigerte sich unterstützt von seinem Bora-Team mit Landsmann Felix Großschartner gegenüber der Giro-Premiere im Vorjahr (16.) deutlich. Der Sohn von Wien-Marathon-Organisator Wolfgang Konrad hielt über die gesamten drei Wochen auch auf den härtesten Bergetappen ausgezeichnet mit den Topstars um den umstrittenen Sieger Chris Froome mit.

Mit dem Top-Ten-Platz habe er sich wie erhofft unter den besten Rundfahrern der Welt etabliert, bilanzierte Konrad. "Ich denke, in der Radsportwelt hat nun jeder gesehen, dass ich an der Spitze angekommen bin, und auch in Zukunft bei Grand Tours eine Rolle spielen werde, das war immer mein Ziel."

Konservativer Ansatz

Als mitentscheidend für den Spitzenplatz sieht der auch schon im Frühjahr bei Paris-Nizza und dem Fleche Wallonne sehr gut aufgetretene Niederösterreicher seine bedachte Renneinteilung. "Bei der einen oder anderen Etappe zum Beginn der Rundfahrt bin ich nicht 100 Prozent an mein Limit gegangen, um in der extrem schweren letzten Woche noch Körner zu haben. Das ist voll aufgegangen", erklärte Konrad.

Dieser "konservative Ansatz" - mit bewusstem Verzicht auf möglicherweise bessere Tagesergebnisse - habe sich ausgezahlt. "Vielleicht hätte ich am Beginn mit viel Risiko an einer oder zwei Etappen um den Sieg mitfahren können, aber wie man bei Yates gesehen hat, kann das schnell ins Auge gehen", verwies er auf den Einbruch des lange führenden Briten Simon Yates auf der Königsetappe. Konrad wird in zwei Wochen auch noch die Tour de Suisse in Angriff nehmen, ehe er eine längere Pause einlegt, um sich auf die Heim-WM im Herbst vorzubereiten.

Christian Pömer, einer seiner sportlichen Leiter im Bora-Team, freute sich über die gelungenen Auftritte seiner österreichischen Schützlinge. "Wir haben die Erwartungen im Gesamten sogar übertroffen. Dass Patrick nicht knapp unter den besten zehn gefahren ist, sondern als Siebenter satt, das ist eine wirklich beachtliche Leistung und eigentlich eine kleine Sensation", sagte Pömer im Gespräch mit der APA.

Der Oberösterreicher merkte an, dass Konrad auch taktisch und mental kaum Schwächen gezeigt habe. "Ich habe ihm das zugetraut, das er das schafft. Wir haben das gründlich geplant, er hat es auch nervlich gut durchgehalten, hat nie überzogen." Auch er bezeichnete die stets gute Renneinteilung als Schlüssel zum Erfolg. "Man darf seine Munition nicht sinnlos verballern. Es gibt immer wieder Situationen, in denen man nicht mit der Brechstange mitfahren darf. Patrick hat auch am Zoncolan und am Ätna nicht überpaced. Wir haben uns für die letzten drei Tage was aufgehoben. Dafür haben wir sogar ein durchschnittliches Zeitfahren riskiert, zugunsten einer vollen Erholung."

Künftig mehr Vorbereitung

Noch bemerkenswerter sei die Leistung angesichts der Tatsache, dass Konrad ursprünglich gar nicht als Klassementfahrer vorgesehen gewesen sei. "Er ist eigentlich wegen Ausfällen aufgerückt und hat die Chance super genutzt. Und das ohne spezielles Höhentraining und Rennvorbereitung wie andere Topfahrer."

Auch wegen künftig noch gezielterer Vorbereitung ortet Pömer noch Luft nach oben. "Wir wollen auf den guten Klassementleistungen aufbauen, das Ziel ist natürlich der eine oder andere Etappensieg, darauf arbeiten wir auch schon eine Weile hin. Patrick hat auch einen guten Sprint, er hat jetzt sicher mehr Selbstvertrauen und wird da oder dort auch einmal etwas riskieren", sagte der Sportchef des deutschen Teams, bei dem er mit Konrad bereits seit 2015 zusammenarbeitet. Auch "Edelhelfer" Großschartner, Dritter am vorletzten Tag, sei beim Giro ein wichtiger nächster Karriereschritt gelungen, sagte Pömer.

Mit Georg Preidler in der französischen Groupama-Mannschaft fuhr aber auch der dritte Österreicher einen starken Giro. Der Steirer absolvierte täglich wichtige Helferdienste für seinen Kapitän Thibaut Pinot, der am vorletzten Tag wegen einer Lungenentzündung aber noch seinen dritten Gesamtrang hinter Froome und Tom Dumoulin verlor.