ÖHB-Goalie will Mazedonier im Rückspiel entnerven
Mit viel Optimismus gehen Österreichs Handball-Männer am Samstag (20.25 Uhr) in der erstmals "eisfreien" Wiener Albert-Schultz-Halle in das Play-off-Rückspiel gegen Mazedonien - die Hoffnung auf die zweite WM-Qualifikation in Folge lebt. Dass man sich nach dem 21:26 im ersten Duell einem aufholbaren Fünf-Tore-Rückstand gegenübersieht, ist nicht zuletzt Tormann Thomas Bauer zu verdanken.
Österreichs extrovertierter Schlussmann glänzte in Skopje aber nicht nur mit guten Reflexen, sondern wurde auch zum "Lieblingsfeind" des Publikums. "Ich habe über das Ziel hinausgeschossen", gestand Bauer und kündigte für das "Spiel des Jahres" eine Aufholjagd an: "Fünf Tore sind zu schaffen!"
Samstag, 9. Juni, Arena Boris Trajkovski in Skopje. Die Brust nach vor gestreckt, die Fäuste geballt, die Arme in die Höhe gereckt, dreht sich Bauer nach einer seiner Paraden zum Publikum, das den Österreichern schon von der ersten Minute an mit einem "unglaublichen Pfeifkonzert" das Leben schwerzumachen sucht. Die Botschaft kommt an: Immer wieder fliegen Münzen, Feuerzeuge, Sonnenblumen- und Kürbiskerne sowie eine zerdrückte Bierdose aufs Feld.
Als der Deutschlandlegionär ein Feuerzeug zum Zeitnehmertisch bringt, wird er von Mazedoniens Tormann Ristovski, der dafür Zwei Minuten ausfasst, attackiert - ein Handgemenge ist die Folge. Die Nerven des Gummersbach-Legionärs ("Er ist wie ein beleidigter König auf der Bank gesessen") lagen an diesem Tag freilich blank, schon nach zehn Minuten hatte er sich eigenmächtig ausgewechselt und musste sich danach auch Kritik aus den eigenen Reihen anhören. "Normalerweise dürfte er im Rückspiel gar nicht mehr dabei sein", sagte Bauer - und schmunzelte: "Er wollte sich noch nach der Partie mit mir hinter der Halle prügeln."
Bei allem Lob für den Schlussmann, der den glücklosen Nikola Marinovic schon in der ersten Hälfte ablöste, ist für Trainer Patrekur Johannesson eines klar. "Das war zu viel", sagte der Isländer, "und das habe ich ihm auch mitgeteilt. So will ich das nicht mehr sehen. Aber er weiß das selbst." Doch Johannesson ist sich auch bewusst, dass Emotionen als Schmiermittel für eine funktionierende Mannschaft unabdingbar sind. "Das ist auch seine Stärke. Aber man muss den Respekt vor dem Gegner haben."
"Ich bin in letzter Zeit eigentlich ein bisschen ruhiger geworden", sagte Bauer, der schon in HLA-Zeiten bei den Fivers mit markigen Gesten aufgefallen war. Der Wechsel nach Deutschland 2009, der vor wenigen Wochen im Aufstieg mit dem "Dorfclub" Neuhausen in die erste deutsche Liga gipfelte, habe auch in dieser Hinsicht einen Reifeprozess in Gang gesetzt. Skopje sei aber anders gewesen. "Die Fans waren extrem, da bin ich rückfällig geworden." Erfahrungen wie diese wird Bauer freilich noch gut brauchen können. Bei der im Oktober startenden EM-Qualifikation sind Russland, Serbien und Bosnien die Gegner.
Noch gilt es aber, sich auf Samstag zu konzentrieren. Die Albert-Schultz-Halle, Heimat der Vienna Capitals, ist erstmals Gastgeber eines Handballspiels: Bereits in der Vorwoche wurde in der Eishalle der Boden verlegt, seit Montag trainiert die ÖHB-Truppe darauf. Am Freitagmorgen waren bereits 4.500 Karten abgesetzt, insgesamt fasst die Halle beim Spiel 6.300 Zuschauer.
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