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Sport
07/06/2019

Ö-Tour: Deutscher Steimle gewann Prolog vor Brändle

Steimle hatte heuer bereits die Oberösterreich-Rundfahrt gewonnen. Brändle wurde Zweiter.

von Stefan Sigwarth

Temperaturen um die 30 Grad im Schatten in Wels, ein Zeitfahren als Prolog der 71. Österreich-Rundfahrt, kaum eine Wolke – alles schien wie gemacht für den Traum von Matthias Brändle. Doch der Vorarlberger Spezialist im Kampf gegen die Uhr war am Ende der 2,5 Kilometer schwer enttäuscht: Exakt 1,12 Sekunden fehlten dem zweitplatzierten 29-Jährigen im Dress der Israel Cycling Academy auf den Sieg. Den holte sich in 2:50,11 Minuten der Deutsche Jannick Steimle (Schnitt: 55 km/h) vom Team Vorarlberg-Santic, der über den größten Erfolg seiner  Karriere riesig freute. 

Dabei  war der 23-jährige Schwabe „zu Beginn relativ nervös“, kurz vor dem Ziel rutschte er dann auch noch aus einem Pedal. „Einen Sturz konnte ich mit Mühe vermeiden, da hab’ ich Glück gehabt.“ 

ÖSTERREICH-RADRUNDFAHRT: PROLOG/EINZELZEITFAHREN: STEIMLE (GER)

Es sollte dennoch   reichen.  „Das Schlimmste waren die eineinhalb Stunden Warten im Teambus“, gestand Jannick Steimle, der bereits mit Nummer 21 gestartet war –  erst als kurz vor 14.03 Uhr Matthias Brändle als letzter der 121 Starter das Ziel erreicht hatte, war klar, dass er wirklich der Schnellste war.

Matthias Brändle hatte drei Probleme: Das eine war der auffrischende Gegenwind auf der Geraden, das andere waren „zwei Kurven,  die ich ein bissl verhaut hab’“, und schließlich war die Distanz auch „ein bissl zu kurz“, um  seine Fähigkeiten ausspielen zu können.

ÖSTERREICH-RADRUNDFAHRT: PROLOG/EINZELZEITFAHREN: BRANDLE (AUT)

Die Sorgen eines Siegers

Aber was sind das schon für Probleme im Vergleich zu jenen des belgischen Titelverteidigers Ben Hermans? Seit einem schweren Sturz bei der Flèche Wallonne kämpft Brändles Teamkollege mit Knieproblemen, „drei Wochen habe ich gar nichts tun können, jetzt kommt die Form allmählich zurück, normalerweise dauert es drei bis vier Monate, bis alles wieder gut ist“.

Der Oberösterreicher, Gesamtsieger von 2013, war mit dem Auftakt zufrieden. "Eigentlich liegt mir ein Prolog nicht, aber das stimmt mich positiv", meinte der 31-Jährige aus dem WorldTour-Team CCC zu seiner Vorstellung. Er habe in einer Kurve einige Sekunden liegengelassen. "Das ärgert mich, aber die Beine waren gut." Zoidl, der zuletzt in zwei Rennen durch gesundheitliche Probleme gebremst worden war, fühlt sich bereit für die Jagd nach einem weiteren Gesamtsieg. "Im Vorfeld war nicht alles perfekt, aber ich komme rechtzeitig in Form."

Angesichts dessen sind die zehn Sekunden Rückstand auf die Schnellsten verkraftbar, zumal die wirklichen Herausforderungen ja erst noch kommen (Fuscher Törl am Mittwoch, Kitzbüheler Horn am Freitag). „Ich hätte das Horn zwar lieber zuerst, weil dort nicht so taktisch gefahren wird“, sagt Hermans, „aber es ist egal. Entweder du hast die Beine – oder nicht.“   

Am Sonntag folgt die erste Etappe von Grieskirchen nach Freistadt, die Zielankunft wird ab 16.16 Uhr erwartet. Für Jannick Steimle und Kollegen wird es ein stressiger Tag, denn es war ja eben nicht der Plan, an der Spitze fahren zu müssen – im Gegenteil ist  das Ziel, dass der Schweizer Patrick Schelling die Rundfahrt gewinnt.