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Sport
08/05/2012

Murray besiegt Federer im Tennis-Finale

Der Schotte lässt Roger Federer keine Chance und gewinnt souverän mit 6:2,6:1,6:4.

War es eine Majestätsbeleidigung? Andy Murray tat zumindest das, womit selbst die ehrwürdigen Tenniskenner eher weniger gerechnet hatten: Der 25-Jährige, der standesgemäß ein Heimspiel in Wimbledon hatte, ließ dem siebenfachen Wimbledon-Sieger Roger Federer keine Chance. Der beliebteste Schotte in England fertigte König Roger ab: 6:2, 6:1 und 6:4.

Nicht einmal zwei Stunden dauerte die einseitige Angelegenheit, die mit einem Bild endete, das wohl am Montag auf allen britischen Zeitungen zu sehen ist: Murray kniet auf dem Boden, die Hände vor dem Gesicht, während 15.000 Fans jubeln.

Ausgerechnet in seinem Wohnzimmer (ja, wer hatte denn da jetzt Heimvorteil?) war die Nummer eins chancenlos. Weil Federer nicht wie Federer spielte, 31 unerzwungene Fehler sind des Schweizers nicht würdig. Er wird damit in seiner einzigartigen Karriere, die ihn zum vierfachen Weltsportler des Jahres machte, ohne Goldmedaille im Einzel bleiben.

Mit Landsmann Stanislas Wawrinka holte Federer, der mit 17 Grand-Slam-Titeln die Nummer eins ist, in Peking Gold im Doppel. "Es ist schade, aber es war trotzdem ein großer Tag. Vielleicht war ich emotional erschöpft. Er war viel besser als ich, aber ich bin mit Silber zufrieden", sagte der Basler, der nach seinem Halbfinalspiel gegen Juan Martin del Potro etwas müde wirkte. Kein Wunder – die Partie hatte 4:26 Stunden gedauert.

Ausgeschlafen

Andy Murray hingegen war ausgeschlafen. Er diktierte die Partie von Beginn an und nahm Revanche für die an Ort und Stelle erlittene Niederlage beim Grand-Slam-Finale vor einem Monat. "Unglaublich! Ich habe in meiner Karriere ein paar schwere Niederlagen kassiert. Das war der beste Weg, um nach Wimbledon zurückzukommen", betonte Murray nach der wohl besten Leistung seines bislang 25-jährigen Lebens.


Und die Briten haben endlich wieder eine Goldmedaille im Tennis gewonnen. Das Herren-Doppel Oswald Turnbull und Max Woosnam holte in Antwerpen ebenso Gold wie das Damen-Doppel Kathleen McKane und Winifried McNair – das war im Jahr 1920. Aber vor allem: Seit 1936 konnte endlich ein Brite in Wimbledon gewinnen. Fred Perry war der letzte Champion auf dem heiligen Rasen gewesen.

Ausgefallen

Andy Murray hat auch eines geschafft: Er ist Olympiasieger im Einzel, ohne zuvor ein Grand-Slam-Turnier gewonnen zu haben. Damit steht der 25-Jährige aber nicht alleine da: Seit 1988 werden nach einer 64-jährigen Pause wieder Medaillen für Tenniskünste vergeben, und da ist er bereits der vierte Herr, dem das gelungen ist. Der Slowake Miloslav Mečíř (damals Tschechoslowakei) siegte 1988, vier Jahre später der Schweizer Marc Rosset, 2004 der Chilene Nicolas Massu.

Auch dem Tennissport tut Murrays Triumph gut. Drei der vier Grand-Slam-Turniere sind 2012 bereits gespielt, in Melbourne siegte Novak Djokovic, der im Spiel um Bronze gegen Del Potro verlor, in Paris Rafael Nadal, in Wimbledon eben Federer. Zum Drüberstreuen gewann er im Mixed noch mit Partnerin Laura Robson Silber (6:3, 3:6, 8:10 gegen Victoria Azarenka und Max Mirnyi)

Murray zählt nun endgültig zu den großen vier.

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